Schneckenpost: Snail Mail bringt Grunge und Gefühl nach Berlin

Snail Mail heißt eigentlich Schneckenpost — und klingt erstmal gar nicht nach einer Gen-Z-Sängerin. Doch genau dieser leicht verträumte, analoge Vibe passt zu der 26-jährigen Indie-Rock-Musikerin Lindsey Jordan, die hinter dem Künstlernamen steckt.
Seit ihrem Debütalbum „Lush“ kennt man Jordan in der amerikanischen Indie-Rock-Welt. Ihre Songs handeln von Einsamkeit, Kontrollverlust und sich selbst beim Erwachsenwerden zuzusehen. Nach einer Stimmband-OP im Jahr 2021 musste sie das Sprechen und Singen teilweise neu lernen — ihre Stimme klingt seitdem heller.
„Ricochet“: Coming-of-Age-Album von Snail Mail
Nachdem sie Charlie Kaufmans Film „Synecdoche, New York“ gesehen hatte, eine düstere Auseinandersetzung mit dem Altern und der Unaufhaltsamkeit der Zeit, war Jordan nach eigenen Aussagen regelrecht besessen vom Tod. Aus dieser Stimmung heraus entstand ihr drittes und neustes Album „Ricochet“. Auf dem Cover prangt eine versteinerte Schnecke, Sinnbild für Anfang und Ende, Spiralen und die Verwirrung von Vergangenheit und Gegenwart. Trotzdem ist die Musik nicht niederschmetternd traurig, sondern eher melancholisch, aber auf die gute Weise. Perfekt für tiefgründige Sommernächte „Ricochet“ ist Snail Mails Coming-of-Age-Album. Musikalisch knüpft Lindsey Jordan an die ersten beiden Platten an: zwischen Nineties-Alternative, Emo und leicht angeschrammtem Grunge. Gleichzeitig klingt alles größer als zuvor, zeitweise ziehen sich sogar Streicher durch die Songs. In Berlin spielt Snail Mail ihr einziges Deutschlandkonzert.