Nostalgie

So schmeckt Berlin: 12 Klassiker der Berliner Küche

Jahre-, ach was, jahrzehntelang hieß es, dass man in Berlin nicht gut essen kann. Das Klischee Ein-Euro-Döner und so weiter, ihr erinnert euch. Aber das war ja schon immer Quark: unsere zwölf Klassiker der Berliner Küche zeigen, dass sie vielleicht einfach ist, aber auch so vielfältig und spannend wie die Stadt selbst.

Zugezogene aus allen Teilen der Welt drückten ihr schon immer ihren Stempel auf. Ob hugenottische Geflüchtete im 17. und 18. Jahrhundert, Arbeiter*innen aus der Türkei oder Vietnam in den Siebziger Jahren des letzten Jahrhunderts oder Migranten aus Kanada und Syrien heute, alle bringen sie ihre Traditionen an den Tisch. Und am Ende schmeckt es so gut wie eben ein leckeres Hoppelpoppel!


Currywurst (ohne Darm)

Konnopkes Imbiß im Prenzlauer Berg ist ein Berliner Klassiker.
Pilgerort für Currywurst-Fans: Konnopkes Imbiss im Prenzlauer Berg. Foto: imago/Jürgen Ritter

Auch wenn das Currywurstmuseum in Mitte nicht durchgehalten hat: die Currywurst ist der heimliche Star der Hauptstadt. Da kann kein Influencer mithalten. Natürlich nur ohne Darm. Dafür auch gerne vegan. Und am besten vor Konnopke oder Curry 36 verschlungen – oder gleich mit Blattgold, wie sie mal im Adlon serviert wurde.

  • Konnopkes Imbiss, Schönhauser Allee 44b, Prenzlauer Berg
  • Curry 36, Mehringdamm 36, 10961 Berlin

Berliner Weisse

Berliner Weisse ist ein Klassiker der Berliner Küche.
Berliner Weisse in ihrer verbreiteten Form von Berliner Kindl: mit viel Sirup. Foto: imago/Arnulf Hettrich

Wusstet ihr, dass die Berliner Weisse schützenswertes Kulturgut ist? Klingt komisch, ist aber so: dieses traditionelle Berliner Bier, das man heute meistens mit einem Schuss knallsüßer Waldmeister- oder Himbeerlimo kennt, hat eine geschützte Herkunftsbezeichnung – und wurde 2014 von der Vereinigung Slowfood zum schützenswerten regionalen Kulturerbe erklärt.

„Echte“ Berliner Weisse allerdings ist eine rare Delikatesse: wegen den speziellen Hefen und Bakterien kann es nur in eigenen Brauereien gebraut werden. Die meiste handelsübliche Weisse verzichtet auf die kapriziöse Brettanomyces-Hefe. Mikrobrauer wie Berliner Berg dagegen versuchen sich an der Renaissance des „Champagner des Nordens“, wie Napoleons Soldaten von dem Bier schwärmten. Und wie so viele Berliner*innen hat die Hefe einen Migrationshintergrund – sie kam mit geflüchteten Hugenotten nach Berlin!

  • Berliner Berg, Kopfstraße 59, Neukölln
Eine „echte“ Berliner Weisse von Berliner Berg. Foto: Berliner Berg

Berliner Luft

Leere Schnapsflasche vor einer Berliner Spielhalle Berliner Luft *** Empty liquor bottle in front of a Berliner Spielhalle Berliner Luft

Partynacht ohne Pfeffi? Geht nicht! Berliner Luft ist die rotzige Ostberliner Antwort auf Crème de Menthe. Wir brauchen keine fancy Cocktails, gebt uns eine Flasche Berliner Luft und der Abend ist gerettet.

Übrigens gibt es auch ein Dessert namens Berliner Luft – übrigens sogar älter als das gleichnamige Lied von Paul Lincke (ja, der vom Ufer!).


Döner

Ein Berlin ohne Döner? Können wir uns nicht vorstellen. Foto: imago/Arnulf Hettrich

Wo genau der Döner erfunden wurde, bleibt unklar – ob nun Bursa oder Istanbul, sicher ist: seine jetzige Form hat er erst in Berlin gefunden. Streit herrscht noch darüber, ob ein Laden am Kottbusser Damm die Geburtsstätte ist oder einer am Bahnhof Zoo. Wir meinen: egal. Hauptsache, es schmeckt. Wir empfehlen übrigens die Variante bei Imren am Rathaus Neukölln, würden aber auch nie zu einem Gemüsedöner vom Mehringdamm Nein sagen.

  • Imren Grill, Karl-Marx-Straße 75, Neukölln
  • Mustafas Gemüse Kebap, Mehringdamm 32, Kreuzberg

Eisbein

Das traditionelle Berliner Gericht kann auch fein daher kommen: Eisbein, Erbspüree, Lorbeer im Château9. Foto: F. Anthea Schaap

Eisbein, das ist schon Berlin für Fortgeschrittene. Während das stark durchwachsene Stück vom Schwein anderswo knusprig gegrillt wird, kommt es in Berlin gepökelt und gekocht auf den Tisch. Nur echt mit Erbspüree, Sauerkraut, Kartoffeln und Senf. Übrigens: glaubt man der Kreuzberger Restaurantinstitution Max & Moritz, wurde das Gericht in der Gegend rund um den Görlitzer Bahnhof erfunden.

  • Max & Moritz, Oranienstraße 162, Kreuzberg

Schrippen, Schusterjungen & Splitterbrötchen

Schusterjunge Brötchen aufgeschnitten mit Butter. Ein Klassiker der Berliner Küche.
Schusterjungen, Schrippen, Splitterbrötchen: Berliner Brotspezialitäten werden oft unterschätzt. Foto: imago/Westend61

Was gibt’s ehrlicheres als eine gute Schrippe? Sie ist immer treu für uns da, für kleines Geld, drängt sich geschmacklich nie in den Vordergrund und schmeckt mit jedem Belag gut. Wenn’s aber mal bissiger sein soll, dann greifen wir lieber zum Schusterjungen mit Roggenmehl, oder zum süßen, plundrigen Splitterbrötchen.


Mampe Halb & Halb

Produkte von Mampe. Ein Klassiker der Berliner Küche.
Mampe: leicht einen sitzen. Foto: Mampe

Die Ursprünge von Mampe liegen in der 1831 grassierenden Cholera: die bitteren Tropfen waren ein Heilmittel, das in Apotheken verkauft wurde. Es folgten eine belebte Geschichte und mehrere Verkäufe. Seit einigen Jahren ist der Kräuterschnaps aber wieder nach Berlin zurückgekommen. Prost!

  • Mampes Neue Heimat, Am Tempelhofer Berg 6, Kreuzberg

Pfannkuchen

Pfannkuchen sind wohl der bekannteste Klassiker der Berliner Küche.
Krapfen, Puffel, oder gar Berliner? Nee, für uns heißt es einfach: Pfannkuchen. Foto: Archiv

Berliner? Wir sind doch keine Pfannkuchen! Ja, ok, das ist ein billiger Witz. Aber das Schmalzgebäck mit den tausend Namen ist eben der wohl bekannteste Klassiker der Berliner Küche. Wobei wir uns Stunden darüber streiten könnten, welche Füllungen denn erlaubt sind und welche nicht…


Tote Oma

Tote Oma, Blutwurstbrei mit Kartoffeln, ist ein Klassiker der Berliner Küche
Strenggenommen keine Berlinerin, aber hochgeschätzte Zugezogene: Tote Oma. Foto: SPBer unter CC BY-SA 4.0

Blutwurstbrei mit Kartoffeln: was für die einen wie ein Albtraum klingt, ist für die anderen ein Wohlfühlgericht mit Nostalgiepotential. Na, werden da Erinnerungen ans Schulessen wach?

Wer wissen will, wie Blutwurst in richtig gut schmeckt, kann in Neukölln die Blutwurstmanufaktur besuchen. Fleischermeister Marcus Benser ist sogar offiziell in Frankreich zum Blutwurstritter geschlagen worden.

  • Blutwurstmanufaktur, Karl-Marx-Platz 9–11, Neukölln

Hoppel Poppel

Klingt lustig, ist aber auch lecker: kleingeschnittene Kartoffeln, Bratenreste, Gewürzgurken und Ei kommen in der Pfanne zusammen zu diesem Klassiker der Berliner Küche, eine Variante des Bauernfrühstücks. Oft wandert statt Braten ein anderer echter Berliner in die Pfanne: Kasseler. Wir warten ja auf das erste hippe Hoppel-Poppel-Popup.


Fassbrause

Fassbrause: ein echter Berliner. Foto: Archiv

Malzig und süß: so mögen wir unsere Fassbrause am liebsten. Wer braucht schon alkoholfreies Bier, wenn man Fassbrause haben kann? Übrigens: im Süden Brandenburgs kommt die Limo mit Himbeergeschmack und knallrot daher. Würden wir natürlich nie trinken.


Kartoffelsuppe mit Würstchen

Die Geschichte von König Friedrichs Kartoffelbefehl kennt wohl jedes Kind. Was die unprätentiöse Kartoffel zu Berlins wahrscheinlich erfolgreichstem Einwanderer macht. Aber dass die Bockwurst eine echte Berlinerin ist, ist wesentlich unbekannter. Die feine Brühwurst wurde der Legende nach nämlich vom jüdischen Fleischer Benjamin Löwenthal erfunden – damals noch aus Rinds- und Kalbsfleisch – und zu Bockbier serviert. Aber ihre wahre Bestimmung hat die Wurst, da lehnen wir uns mal aus dem Fenster, erst in Kombination mit Kartoffelsuppe gefunden.



Hungrig? Wir wissen, welche empfehlenswerten Restaurants in NeuköllnPrenzlauer Berg und PankowMitteWeddingKreuzbergFriedrichshainSchöneberg und auch Charlottenburg Take-away und Lieferservice anbieten. Lieber Kaffee? Diese Cafés in Berlin sind offen trotz Corona. Selber kochen? Diese Märkte in Berlin sind noch offen und 12 Tipps für gute Lebensmittel in Berlin. Übrigens: Lieferservices in Berlin bringen regional und bio bis an die Wohnungstür.

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