Weinmahleins – So war's

So war das Menü im Roy und Pris

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Die Zukunft sieht düster aus. Zumindest in Ridley Scotts Sience-Fiction-Dystopie „Bladerunner“. Wir schreiben das Jahr 1982 und Harrison Ford jagt die beiden synthetischen Bösewichte Roy und Pris über die Kinoleinwand. „Bladerunner“ begründet das Genre und die Ästhetik des Cyperpunks. In Berlin-Mitte ist der Film nun auch stilbildend für ein Restaurant geworden. Roher Beton, galaktische Wandgemälde, der Himmel durchzogen von neongrellen Datenautobahnen: keine Frage, das vom Berliner Büro et la benn gestaltete Roy & Pris ist eine der spektakulärsten Neueröffnungen dieses Gastrojahres.

Im kreativen Widerspruch zur stilsicher inszenierten Kulisse mag es die Küche im Roy & Pris pur. Handwerklich, produktfokussiert und traditionsbewusst wird hier am Weinbergsweg gearbeitet. Die Traditionslinien führen in den Süden von China, klare Aromen, soulige Texturen. Ein Traum die chinesische Bauerpizza, belegt mit einer Miniboulette und Salzgemüse, die man ganz nonchalant mit den Finger isst.

Aber das war das tip-Weinmahleins präsentiert von Priceless Berlin schon beim Rotwein angekommen. Ein 2013er Spätburgunder von Karl Schaefer aus Bad Dürkheim in der Pfalz. Und wer das Weingut kennt und sowieso Bad Dürkheim, der weiß, dass ein solcher Abend doch auch nach Riesling schmecken muss. Bereits schon jetzt komplex, kraftvoll, aber nie schmelzig der 2015er Wachenheimer Gerümpel, zu dem die Küche zwei Löffel voller Aromenexplosionen reichen ließ. Flusskrebs und Garnele, Eiweißdumpling, Austernsoße, Hühnerherz – die chinesische Küche ist immer dann ganz bei sich angekommen, wenn das Elaborierte, das Raffinierte ganz selbstverständlich schmeckt – und umgekehrt. Im Roy & Pris ist das wunderbar gelungen.

Zum Hauptgang – das Lamm kam Weinmahleins-Partner Filet & Co – dann einige Einblicke von einem Winzer, der erst über Umwege einer geworden ist. Der Wahlberliner Job von Nell kommt eigentlich aus einem Forstbetrieb, der Wald war lange sein Metier. Aber dann war da dieses Traditionsweingut aus der Familie seiner Frau, 1843 gegründet und seit mehr als 100 Jahren ein VdP-Weingut. Eine so reizvolle wie geschmackvolle Aufgabe. Mit neuem Kellermeister wurden die alten Aromen neu herausgearbeitet.  Karl Schaefer ist wieder da – in Berlin im Sortiment des ohnehin empfehlenswerten Weinmichel in der Wiclefstraße in Moabit und am Bayerischen Platz in Schöneberg.

Roy Pris Weinbergsweg 8A, 10119 Berlin, www.royandpris.de

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