Weinmahleins präsentiert von Priceless Berlin

So war’s im Facil

Michael Kempf kocht so, wie er – gemeinsam mit Restaurantleiter Manuel Finster und Sommelier Felix Voges – das mit zwei Michelin-Sternen ausgezeichnete Facil am Potsdamer Platz führt: Fokussiert, gelassen, elegant, aufregend in den Zwischentönen. Geistreich, nicht zeitgeistreich. Weshalb auch die Ausflüge ins Molekulare oder Brutal-Lokale immer im Interesse des Geschmackserlebnisses erfolgen. Der pure Selbstzweck – das Staunenmachen um des Staunens Willen ist dieser Küche erfreulich fremd.

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Das Perlhuhn im Hauptgang zum Beispiel, es kam röst- und holzaromatisch aus dem Smoker, wurde mit einem gemüsegrünen Säurespiel gekontert. Und auch die beiden „Steine“ im Dessert, unter deren Schale sich cremiges Nougat und intensive Mango versteckten, inszenierten diese optische Täuschung angenehm beiläufig. Spitzengastronomie ist ja keine Zauberei, sondern Kunsthandwerk. Und unter den Berliner Spitzenköchen ist Michael Kempf einer der Besten.

Winzerin Nicole Roth und Sommelier Felix Voges hatten sich derweil für eine effektive wie kurzweilige Aufgabenteilung entschieden. Die Winzerin erzählte aus dem Berg und aus dem Keller, von kleinen Holzfässern und vom Beton-Ei, das sich aufgrund einer perfekten Luftzirkulation wunderbar für cremige, aber schlanke Weißweine eignet. Kurz: Sie präsentierte ihre Weine, von denen schon alleine der als Aperó gereichte Rieslingsekt den Weg nach Franken, genauer nach Wiesenbronn im Steigerwald, lohnen würde. Denn das Weingut Roth ist, obwohl VdP-Gut, bisher nicht im Berliner Einzelhandel vertreten. Aber auch dafür gibt es ja ein Restaurant wie das Facil und seinen entdeckungsdurstigen Sommelier Felix Voges: für eigenständige, charaktervolle Weine, die man sonst eben nicht ins Glas bekommen hätte.

Apropos: Felix Voges präsentierte an diesem Abend den für gewöhnlich unsichtbaren Teil seiner Arbeit: er gab uns Einblick, wie auf der Zunge und im Kopf eine Weinbegleitung entsteht. Faszinierend zu erfahren, wie präzise er das Zusammenspiel von Aromen und Säuren, von Wein und Menü plant. Und er gab spannende Hinweise, beispielsweise den, ruhig etwas vom Spätburgunder (der zum Kabeljau gereicht wurde) im Glas zu lassen und diesen Rotwein dann zusammen mit dem Perlhuhn des nächsten Ganges zu probieren (im Menü von einem Grauburgunder begleitet), was durch die Aromen vom Smoker ganz wunderbar passte.

Dieses Weinmahleins präsentiert von Priceless Berlin im Facil führte uns in eines der spannendsten Restaurants in dieser an spannenden Restaurants reichen Stadt. Und brachte die Entdeckung des Weinguts Roth, das seit 40 Jahren rein biodynamisch arbeitet und sich damit keinem Zeitgeist, sondern der Qualität und dem Eigensinn verpflichtet. Rundum ein herausragender Abend.

Das nächste Weinmahleins findet im Zeitgeist statt.

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