Weinmahleins präsentiert von Priceless Berlin

So war’s im Zeitgeist

Man habe nie eine zweite Chance, einen ersten Eindruck zu hinterlassen. Sagt ein amerikanisches Sprichwort. Sebastian Görmar sagte: „Miso, Pack Choi, Kohlrabi, Süßkartoffel, Sesam“, und hatte mit diesem ersten Gang bereits bleibende Eindrücke hinterlassen. Ein Sud vom gerösteten Huhn, darin ein Dim Sum, gefühlt mit der mürben Rippe eines Nebraska-Rindes. Zwei stark ausformulierte fleischige Aromen, die vom Umami der Misopaste kongenial gekontert wurden. Hier schmeckte man die Kinderstube, aus der der junge Küchenchef des Zeitgeist im Drive Volkswagen Automobilforum kommt: Hier schmeckte man diese Tim Raue’sche Lust zur Vollmundigkeit. Klar, zum Fine Dining mögen auch die leisen, die zarten Aromen gehören. Aber raffiniert und voll von Überraschungen und Zwischentönen ist die Küche Görmars sowieso.

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Seit nicht einmal einem Jahr bespielt der jetzt den exponiert gelegenen Gastraum an Berlins wohl legendärster Straßenecke. Ein Boutique-Gourmetrestaurant gewissermaßen, dass den Gästen dieses tip-Weinmahleins präsentiert von Priceless Berlin eine geschmackvolle Bühne bereiten sollte. Pur und mineralisch der gebeizte Müritzzander an den roh gehobelten Teltower Rübchen. Hier zeigte Görmar, dass er sich auch um eine reduzierte, die Zutaten und ihre Regionalität herausarbeitende Produktküche versteht. Der Hauptgang – Kalb, Pflaume, Erbse – kam regelrecht klassisch daher und schaffte es doch, aus jedem Produkt, das mürbe Fleisch, das grasig grüne Erbsenpüree, die Essenz herauszuarbeiten.

Die Weine dazu kamen von Stefan Lergenmüller aus der Pfalz. Dem „Pfalzpiraten“, wobei dieser „Spitzname“, er gilt weniger ihm als seinen Weinen, schon vom Spaß, von der Trinkfreude erzählen, die diese im Glas machen sollen. Dem Gelben Muskateller zum Hauptgang, ohnehin eine unterschätzte Rebe, würde Lergenmüller im Sommer auch ein zwei Eiswürfel spendieren. Solche Tipps vom Experten erden das Reden um ein im Endeffekt doch vor allem lustvolles Getränk. Apropos: Auch bei den Weinen hatten wir unseren Liebling gleich zu beginnt im Glas: den Blanc de Noir John Silver, ein Weiß ausgebautes Rotwein-Cuvée also, mineralisch, präsent und ganz kurz im Holz.

Weil zum ersten Eindruck indes immer auch ein letzter gehört, hatten Sebastian Görmar und Serviceleiterin Ulrike Jähn noch an eine Wegzehrung gedacht und gaben Quittenbrot und hausgemachte Gummibärchen mit listigen Prickelbrauseneffekt mit auf den Weg. Eine Spielerei, die von Herzen kam. Und von einem reichlich versierten Koch, von dem man, auch an dieser Wirkungsstätte, noch viel hören wird.

Das nächste Weinmahleins präsentiert von Priceless Berlin findet am 26. April im Tulus Lotrek statt.

Text & Fotos: Clemens Niedenthal

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