Surrealismus-Pop

Sóley

Wie Feenstaub: Die Isländerin Sóley lehrt uns, dass in den Wirrungen des Lebens auch Schönheit steckt

Foto: Birgisdóttir Ingibjörg

Es gibt Songs, die schon in den ersten zehn Sekunden brachial ins Hirn ballern. Wenn sie daraus so schnell auch nicht mehr verschwinden wollen, nennt man sie Hits. Und es gibt Songs, die wie Feenstaub um die Seele tänzeln, einige Male, ehe sie sich sanft auf ihrer Oberfläche niederlassen und verweilen. Genau so funktioniert auch die Musik von Sóley Stefánsdóttir.

Die Isländerin komponiert nachdenkliche Piano­melodien und haucht ihnen mit apokalyptischen Texten Leben ein. Oder aus? Der Tod ist in ihren Stücken schließlich schon seit dem Debütalbum „We Sink“ von 2011 omnipräsent: „I walk the road when I realize my death“, singt sie zum Beispiel in „Smashing Birds“. Und auch sechs Jahre und zwei Platten später ist die Dunkelheit immer noch zu spüren: Obwohl das neue, dritte Album „Endless Summer“ erstaunlich optimistische Momente hervorbringt, droht sich die Atmosphäre stets zu verfärben. „We grow and then we die“, wiederholt Sóley in „Grow“ wieder und wieder – die Unbekümmertheit ist dahin. Das Fabelhafte aber bleibt: Ihre Musik erschafft einen Raum, in den man sich Schritt für Schritt hinein wagen muss, um seine enorme Tiefe zu begreifen. So düster und unwirklich dieser Ort erscheint, so märchenhaft ist er zugleich.

Mit Sóleys Surrealismus-Pop verhält es sich ähnlich wie mit dem von Dillon, Robyn oder CocoRosie: Er lehrt, dass in den Wirrungen des Lebens immer auch pure Schönheit steckt. Und Trübsinn ein aushaltbares Gefühl ist, das am Ende zu Hoffnung führt. 

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