Musik & Party in Berlin

Sóley

Islands Bandlandschaft ist ein fruchtbarer Boden. Allein der Indie-Folktrupp Seabear brachte Ableger hervor wie Kimono, Mr. Silla und Sin Fang. Das jüngste Bandmitglied mit Solo-Ambitionen ist nun Sóley Stefбnsdуttir, die man bei der Stammband als schüchtern-zarte Mitspielerin am Keyboard in Erinnerung hat. Dass die Frau, die ein wenig aussieht wie die Heldin einer Astrid-Lindgren-Geschichte, mehr zu bieten hat als schöne Begleitung, ahnte man schon.

Auf ihrem Debütalbum entfernt sich die 23-Jährige nun ein Stück weit vom freundlich-familiären Folkklang ihrer Band. Zwar wirken die Arrangements um Klavier, Samples und sachtes Drumming wieder leichthändig; die Stimmung aber ist surreal verhangen, die Songschreiberin unterzieht ihre Klänge feinen Verfremdungsstrategien: Das Piano etwa in „I’ll Drown“ erinnert in seinem weich gezeichneten Ton an das geisterhafte Klavier auf PJ Harveys „White Chalk“-Album, im schleichenden „And Leave“ schwebt Sуleys heller Sopran ähnlich entrückt über dem Boden wie der von „Twin Peaks“-Sirene Julee Cruise. 

Syley

Die Dämonen, die sich da in Sóley fein gewirkter Folk-Electronica regen, klingen aber nicht nach Seelenabgründen, sondern eher wie gruselige Fantasien, die sich Kinder erzählen, um kühle Schauer zu erleben.

Text: Ulrike Rechel

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