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Mala Emde und Christoph Maria Herbst in der Schnulze „Sommer auf Asphalt“

Ein queeres Fahrrad-Kollektiv als Utopie gegen Uber soll „Sommer auf Asphalt“ progressiv wirken lassen. Der Film ist aber vor allem eines: Feelgood-Mainstream
Text: Bert Rebhandl
Veröffentlicht am: 03.06.2026
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Les (Mala Emde) und ihr Vater Bert (Christoph Maria Herbst) in „Sommer auf Asphalt“  © Wüste Medien, Frizzi Kurkhaus

Norbert Sommer und seine Tochter Valeska haben etwas gemeinsam. In beiden wächst etwas. Bei Norbert ist es ein Tumor in seinem Kopf, der noch dazu direkt neben einer wichtigen Ader liegt. Bei Valeska ist es ein Kind in ihrem Bauch. Tod und Leben liegen in dem Film „Sommer auf Asphalt“ direkt nebeneinander. Allerdings muss Valeska erst lernen, Ja zum Leben ihres Kindes zu sagen. Sie will nämlich abtreiben. Mit dem Vater, einem Kollegen in dem Fahrradkollektiv, für das sie Lieferfahrten macht, verbindet sie nicht viel. Ihr Herz gehört Roya, einer Schwarzen Maklerin, mit der sie in einer offenen Beziehung lebt. Als Valeska, genannt Les, Roya mit einer anderen Frau antrifft, ist sie dann doch ein wenig verstört, hat einen Unfall, woraufhin Norbert, genannt Bert, der gerade überraschend zu Besuch in Hamburg ist, für seine Tochter als Fahrer einspringt. Spitzname: „Bunte Wurst“ (weil er zur Vorsicht Signalkleidung trägt).

Die Roman-Adaption „Sommer auf Asphalt“ wird an den Zeitgeist angepasst

„Sommer auf Asphalt“ beruht im Kern auf dem Roman „Pedalpilot Doppel Zwo“ von Wolf Schmid, der wird aber in der Bearbeitung durch die Produktionsfirma Wüste Film (Markenkern: Feelgood-Mainstream) noch einmal deutlich an den Zeitgeist herangeführt. Les (Mala Emde) ist eine quintessentiell urbane Idealfigur: ungebunden, burschikos, tätowiert, queer, poly, aufgehoben in dem Fahrradkollektiv, das wie eine Kampfansage an den Plattform-Kapitalismus wirkt, als Waffe aber neben Grips und Muskeln nur selbst gedrehte Rauchwaren zu haben scheint. Bert (Christoph Maria Herbst) hingegen ist der quintessentiell provinzielle westdeutsche Boomer, beruflich Frisör, ein Mann, dem man die Liebesgeschichte mit der späteren Bestssellerautorin Ruby Lawrence, der Mutter von Les, nicht sofort abnimmt. Aber so ist das eben in Schmökern: Das Publikum darf sich alles wünschen und bekommt das Meiste erfüllt.

So auch in „Sommer auf Asphalt“, der im Kern auf eine große Versöhnung der Generationen in Deutschland hinauswill: Das Milieu, das wir uns für Berts Herkunft denken müssen, wird an die neuen Sitten herangeführt, an eine antikapitalistische Jugend mit Nasenringen, das alles allerdings in einer Form, die ihre Zukunft auf Netflix (oder einem anderem Mainstreamer) jederzeit schon mitdenkt. Selten hat man in einem Film so deutlich gesehen, dass alles das, was man für Freiräume halten mag, längst in die Kalkulationen der Unterhaltungsindustrie eingespeist ist – als symbolische Aufwertung einer Geschichte, die vor allem einen großen Schulterschluss im Sinn hat: schniefend auf dem Sofa, ausgeliefert einem Rührstück nach Diagramm.

Sommer auf Asphalt D 2026; 92 Min.; R: Simon Ostermann, D: Mala Emde, Christoph Maria Herbst, Gina Haller; Kinostart: 4.6.


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