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Haushalt: Roboter, Sensoren und Touch-Displays bestimmen den Alltag von morgen

Foto: : fotolia©Denys Prykhodov (#103860140)

Haushalte werden smart. Was sich etwa bereits 2016 bei der IFA in Berlin andeutete, wird in den kommenden Jahren zur Gewissheit. Im Rahmen einer zunehmend vernetzten Welt und fernsteuerbarer Technik à la Smart Home entwickeln Elektro-Haushaltsgeräte zunehmend ihr Eigenleben und beginnen zu „denken“. Wie an Hand von einigen Fallbeispielen zu sehen, wird so einiges in absehbarer Zeit von den unverzichtbaren Haushaltshelfern zu erwarten sein, was heute noch utopisch erscheinen mag.

Das „Internet of Things“

Mit zunehmender Digitalisierung erfreut sich der Trend zum Smart Home in der Eigenheim-Branche wachsender Beliebtheit. Verschiedene Studien prognostizieren, dass es allein hierzulande bis 2020 circa fünf Millionen intelligente Haushalte geben wird.

Das Interesse an intelligenter Haushaltstechnik ist jedenfalls jetzt schon akut, wenn einer Statista-Umfrage aus dem August 2016 Glauben geschenkt werden darf. Danach gaben unter rund 1.000 befragten Personen im Alter von 18 bis 69 Jahren fast zwei Drittel aller Probanden an, sich für das Thema „Vernetztes Wohnen/Smart-Home-Anwendungen“ zu interessieren, wenn nicht gar zu begeistern.

Fakt ist bereits jetzt, dass das vernetzte Zuhause mit immer mehr Geräten mit Internet-Anschluss auf dem besten Weg ist, Realität zu werden. Da im Smart Home-Bereich wie in anderen Elektro-Bereichen einheitliche Standards zwar bislang noch Fehlanzeige sind, wird wohl die Kommunikation zwischen verbauter Technik verschiedener Anbieter noch eine Zeit lang auf der Strecke bleiben.

Dennoch wird das Konzept eines „Internet of Things (IOT)“ bereits seit rund zwei Jahren heiß diskutiert und in den nächsten Jahren Trends setzen. Die Vision sieht eine Verbindung etwa von Staubsauger über Kühlschrank bis hin zu Glasscheiben mit dem Internet vor.

Heute schon sind etwa neben Kühlschränken auch andere Elektrogroßgeräte wie Backöfen, Geschirrspüler, Kochfelder, Dunstabzugshauben oder Kaffeevollautomaten per WLAN verbunden und über das Smartphone oder Tablet steuerbar. Auf der Basis planen und arbeiten bereits einige Hersteller an einer zentralen Plattform für die Steuerung des smarten Zuhauses.

Transparentes Nutzerverhalten

Ist die Technik ausgereift, wird es auch eine Reihe von neuartigen Ansätzen im digitalen Marketing geben. Expertenschätzungen gehen von weltweit mehr als 26 Milliarden vernetzter Dinge in unserem Alltag im Jahr 2020 aus, die ohne den Umweg über ein von Menschen bedientes Endgerät wie Smartphone, Tablet oder PC miteinander kommunizieren.

Mit den somit massenhaft erzielbaren Daten zum Konsum– und Nutzerverhalten wird ein umfassenderes Bild vom Endverbraucher möglich, das der Industrie wichtige Daten liefern und den Service kontinuierlich optimieren wird.

Kühlschrank-Kommandozentrale

Wie Lampen, Heizungen und Steckdosen, werden auch künftig Kühlschranke vernetzt werden können. So ist auf jener IFA im letzten Jahr bereits ein Kühlschrank-Modell mit Touch-Display und eigener Benutzeroberfläche präsentiert worden.

Dabei können Nutzer über das Interface auf einen Webbrowser zugreifen, TV-Programme von einem Fernseher via Miracast direkt in die Küche streamen, Radio hören oder Notizen interaktiv hinterlegen.

Durch zweimaliges Klopfen wird der Bildschirm durchsichtig und erlaubt so den Blick in den Kühlschrank, ohne dass die Tür geöffnet werden muss.

Maps statt Apps

Staubsaugerroboter von morgen sind nicht bloß als eine von vielen Komponenten im Smart Home, sondern können gleichzeitig noch andere Smart-Home-Gadgets steuern, wenn sein Besitzer es per Smartphone befiehlt.  Foto: fotolia©starush (#90578274)

Vernetzte Saug-Roboter sollen künftig nicht nur in Smart Home-Vernetzungen miteinbezogen werden. Alternativ könnten die Staubsauger von morgen in einem weiteren Entwicklungsschritt als eigenständige Units auch dafür sorgen, dass ein Haus selbstständig erkennen kann, was ein Bewohner vorhat und entsprechend vorausschauend handelt.

Dazu arbeiten Unternehmen bereits an einem Staubsauger der Zukunft, der mithilfe einer Kamera und der Cloud Wohnungen kartographieren können. Die Karte soll Informationen darüber enthalten, wo welches vernetzte Gerät steht – ein Kühlschrank, Heizkörper oder Fernseher etwa – und dem Haus helfen, die Absichten seiner Bewohner je nach Position frühzeitig zu erkennen.

Hat ein Haus bestimme Bewegungsmuster seines Bewohners erkannt, kann es etwa rechtzeitig die Lampen in den jeweiligen Zimmern anschalten, wie auch den Fernseher und die Heizung im Wohnzimmer. Der Mensch braucht dafür nichts anzufassen und keine App zur Fernsteuerung zu benutzen. Sein Haus weiß, was er vorhat.

Um komplexe Aktionsabläufe auslösen zu können, müssen die Saugroboter etwa von Smartphone, Smartwatch oder Bewegungssensoren an Haushaltsgeräten erfahren, wo genau sich der Mensch gerade befindet und wohin er sich bewegt. Sie ermitteln seine aktuelle Position auf der Haus-Map. Und die dazu notwendigen Maps könnten Staubsauger in Zukunft erstellen. Entsprechende technische Forschung und Entwicklung ist bereits heute im Gang.

Smart Kitchen – die vernetzte Küche

Backöfen von morgen kommunizieren mit anderen Haushaltsgeräten und werden zu wahren Alleskönnern. Foto: pixabay©Pixaline (CCO 1.0)

Technische Aufrüstung und innovative Weiterentwicklungen haben auch schon zu einer Reihe von konzeptuellen Ansätzen und ihrer technischen Umsetzung hin zu einer Integration des Kochbereiches in Smart Home-Lösungen geführt. So werden derzeit neben Smart-Kühlschränken auch bereits intelligente Backöfen entwickelt, die selbstständig erkennen können, was in ihnen deponiert ist. Daraufhin sucht sich der Computer das passende Garprogramm aus, eine eingebaute Waage misst das Gewicht, während das Thermometer und diverse Sensoren Temperatur und Oberflächenbeschaffenheit des Essens im Auge behalten. Per Smartphone-App meldet dann der Ofen, wann das Essen fertig ist.

Mit mobilen Endgeräten und Handy-Apps lassen sich so künftig per Funk prinzipiell sämtliche WLAN-fähige Kücheneinbaugeräte nicht nur steuern und kontrollieren. Auch ein Auslesen von Programmstatus auslesen und Empfangen von Geräte-Benachrichtigungen wird möglich.

Morgens etwa wird per App der Kaffeeautomat eingeschaltet, digitale Kochbücher lassen sich auch gleichzeitig mit Herd oder Backofen koppeln. Per App optimal kochen und backen zu können bedeutet etwa auch, Rezepte für Lieblingsgerichte bequem im Backofen speichern zu können, sodass er für die Zubereitung bereits voreingestellt ist.

Auch Kochfeld und Dunstabzugshaube können miteinander kommunizieren. Sobald das Kochfeld in Betrieb ist, werden die gewählten Einstellungen direkt an die Haube übermittelt, welche dann automatisch die richtige Leistungsstufe für ein perfektes Raumklima wählt.

Es soll sogar irgendwann intelligente Kühlschränke geben, die das Haltbarkeitsdatum der Lebensmittel prüfen und neue Lebensmittel nachbestellen – praktisch für diejenigen, die sich nicht nur den Berliner Straßenverkehr oder in überfüllte U-Bahnen begeben wollen, um einkaufen zu gehen.

Stets den optimalen Durchblick behalten

Moderne, intelligente Fenster-Flachglas-Systeme sind schon heute per Knopfdruck elektronisch dimmbar und per Funk vernetzbar. Sogenanntes elektrochromes Glas oder EC-Glas dunkelt sich wie eine virtuelle Sonnenbrille bei höherer Sonneneinstrahlung ab, indem sich bei höherer Sonneneinstrahlung das äußere Glas blau einfärbt, ohne an Transparenz zu verlieren. Zudem bietet das gedämmte Glas Schutz vor unerwünschten Einblicken, ohne dass der Lichteinfall reduziert wird.

Zwischen den Scheiben ist eine lithiumionenleitfähige, beschichtete Folie platziert. Bei Knopfdruck entsteht eine elektrische Spannung (bis zu fünf Volt) die den Ionenaustausch aktiviert. Dadurch verfärbt sich die Glaseinheit in einen Blauton und vermindert damit die Lichtdurchlässigkeit der Verglasung. Die Energieemission wird wirkungsvoll gedrosselt.

Bei der Nanotechnologie wird das Glas mit bis zu fünf Beschichtungslagen versehen, die eine Gesamtstärke von oftmals weniger als ein Fünfzigstel eines menschlichen Haares aufweisen. Die Lagen des transparenten Leiters umschließen dabei die elektrochrome Schicht, den Ionenleiter und die Gegenelektrode. Die leitfähige Schicht sorgt für die Tönung des Glases – auf Knopfdruck je nach Witterung und Lichtverhältnissen veränderbar.

Eine Dimm-Schaltung ermöglicht eine freie Wählbarkeit in den Abstufungen. Damit ist eine optimale Abstimmung der intelligenten Verbund-Flachgläser auf den jeweiligen Lichteinfall gewährleistet.

Zwei Seiten einer Technik-Medaille

Trotz aller Segnungen modernster Technik und visionärer Smart Home-Chancen mehren sich jedoch auch kritische Stimmen derer, die vor Gefahren von Missbrauch und zu großer Kundendaten-Transparenz warnen. Fast zwei Drittel befürchten in Umfragen eine zu große Abhängigkeit von Technologien und hohen Kostenfaktoren.

Vor dem Hintergrund allgemeiner Kritik an zunehmender Digitalisierung befürchtet fast jeder zweite Bundesdeutsche einen schleichenden Verlust an Eigenständigkeit, hervorgerufen durch intelligente Alltagstechnik, die menschliche Entscheidungen abnimmt und selbstständiges humanes Denken in Zukunft zumindest in Frage stellt.

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