Comic

„Spirou in Berlin“ von Flix

Der Berliner Zeichner Flix holt den franko-belgischen Comic-Helden Spirou in die Mauerstadt

Flix/ Carlsen

Der Buschfunk trommelte es schon etwas länger über den Äther: Ein deutscher Zeichner soll angeblich einen der französischsten Comics überhaupt zeichnen, den guten alten Spirou. Im Oktober 2017 wurde der Schleier gelüftet: „Für Carlsen Comics setzt der Berliner Zeichner Flix („Faust“, „Glückskind“) eine eigene Spirou-Geschichte in Szene. Das Setting: Berlin vor dem Mauerfall in den Achtziger Jahren“.

Jetzt ist der Band da, und auf den ersten Blick ist klar: Kein anderer deutscher Zeichner hätte diese Geschichte so bringen können. Flix‘ strich-verliebter, dynamischer Stil, seine Tempo evozierenden Layouts passen perfekt zu dem franko-belgischen Pagen. Flix zitiert die großen Vorbilder – von Franquin über Tome/Janry bis hin zu Yoann, ohne sie zu beklauen, und fügt jede Menge Eigenes hinzu. Wer genau hinsieht, entdeckt nicht nur all diese franko-belgischen Künstler; auch die Berliner Mawil und Fil schleichen sich in die Panels ein. Dazu kommt, dass Flix ein manischer Rechercheur ist. Wie schon in seinem Geschichts-Comic „Da war mal was …“ stimmt einfach alles, von der Architektur im alten Ost-Berlin über die Glasbausteine im Bahnhof Friedrichstraße bis hin zum Auf- und Unterbau des Mauerstreifens.

Und über den müssen Spirou und Fantasio mehrmals hüpfen, von West- nach Ost-Berlin und umgekehrt, auf der Jagd nach einem geheimnisvollen Diamantenhändler, der die Finanzen der DDR retten soll. Gleichzeitig wird der Graf von Rummelsdorf zu einem Pilzforscherkongress ins untergehende Arbeiter-und-Bauern-Paradies geladen. Das Abenteuer, das sich daraus ergibt, hat einen klaren, aber nicht ganz ernst gemeinten James-Bond-Einschlag.

Gerade im Angesicht der ziemlich schwachen Alben, die große französische Zeichner in den letzen Jahren zur „Spirou Spezial“-Serie beigetragen haben, ist Flix’ Arbeit besonders gelungen. Und auch sein Atelierkollege Marvin Clifford, der die Seiten kolorierte, hat besonderes Lob verdient.

Spirou in Berlin von Flix, Carlsen, 64 S., 16 €

Signierstunde: Dussmann das KulturKaufhaus, Friedrichstraße 90, Mitte, Fr 31.8., 16 Uhr

Buchpremiere: Pfefferberg Theater, Schönhauser Allee 176, Prenzlauer Berg, Fr 31.8., 2o Uhr