Ausstellung

Sprechblasen aus dem Kriegsgebiet – Im Museum für Kommunikation geht es um Comics und Journalismus

Der Journalismus in Deutschland übt sich schon länger in cross-medialer Berichterstattung à la Social Media. Mit den besten Comic-Reportagen aus den letzten zehn Jahren zeigt das Museum für Kommunikation nun einen weiteren Ansatz, der in der deutschen Medienwelt Fuß fassen könnte­

Sarah Glidden

Von Superhelden über Entenfamilien bis hin zu wehrhaften Galliern – Comics erzählen zumeist fiktive Geschichten. Seit einigen Jahren erlebt das Genre aber auch eine Annäherung von journalistischer Seite. Die neue Ausstellung „Zeich(n)en der Zeit. Comicjournalismus weltweit“ im Museum für Kommunikation widmet sich dem neuen Präsentationsfeld und zeigt, wie es aussieht, wenn Kunst und Information zum Zeitgeschehen zusammentreffen. Unter anderem wird es Originale von der Bostoner Karikaturistin Sarah Glidden zu sehen geben.
Verwundern tut es nicht, dass das Genre des Comicjournalismus seine Ursprung in den USA hat. Seit Jahrzehnten befindet sich die US-amerikanische Welt der Berichterstattung in einer tiefen Krise zwischen Profitgier und fehlender Transparenz. Joe Sacco schuf bereits 1993 mit seiner ersten Comicreportage „Palästina“ einen Gegenentwurf zum kommerziellen Journalismus und leistete damit Pionierarbeit auf einem völlig neuen Feld. Sacco widmete sich dabei vermehrt der Kriegsberichterstattung. Das Sujet ist heikel. Viele Journalist*innen sahen aufgrund der klaren Positionierung Saccos zum Nahostkonflikt und Bosnienkrieg das Neutralitätsgebot verletzt und warfen ihm Meinungsmache vor. In einem Interview mit der NZZ erklärte er: „Ich glaube nicht an Objektivität.“ Für Sacco ist die politische und moralische Positionierung ein essentieller Bestandteil seiner Arbeit. Er will sich auf die Seite der Schwächeren stellen und ihnen eine Stimme geben. Dabei basieren die jeweiligen Darstellungen aber ebenso auf Fakten und Recherche wie im klassischen Journalismus. „In allen Reportagen ist es mir wichtig, dass der Leser versteht, wie ich arbeite, wie ich an meine Informationen komme und damit umgehe“, sagt Sacco.

Victoria Lomasko

Der Kragen scheint in Journalismus-Deutschland zugeknöpfter als im angloamerikanischen Raum, hat sich Comic als berichterstattendes Genre hierzulande doch bisher nicht wirklich einen Weg bahnen können. Die bald stattfindende Ausstellung „Zeich(n)en der Zeit. Comicjournalismus weltweit“ könnte dafür aber vielleicht einen wichtigen Anstoß geben. Nachdem Lilian Pithan und Nathalie Frank im vergangenen Jahr bereits in Erlangen eine Comic­ausstellung mitentwarfen, haben sie nun das Konzept adaptiert und nach Berlin geholt. Präsentiert werden die besten Comicreportagen der letzten zehn Jahre, so etwa auch die von Sarah Glidden. Die Zeichnerin reiste durch den Irak, Syrien und die Türkei. Das Ergebnis: eine 300-seitige Comicreportage mit Namen „Im Schatten des Krieges“- ein Zeitdokument und Genrestück, dass das Zeug hat, eine neue Leserschaft zu generieren. „Wir hoffen, mit der Berliner Ausstellung die hier ansässigen Medien für das Potenzial dieser Form der Berichterstattung zu sensibilisieren und damit einen Beitrag für die Zukunft des deutschen Comicjournalismus zu leisten“, sagt Nathalie Frank.

Zeich(n)en der Zeit. Comicjournalismus weltweit Museum für Kommunikation ­Leipziger Straße 116, Mitte, 23.5. bis 25.8.