Gastro-Pub

St. Bart in Kreuzberg

Alles vom Tier und ein gehäuteter Heiliger: St. Bart schüttet das Glück aus einer offenen Küche. Zu Besuch an einem leidenschaftlichen Ort

Lauro Cress

Frittierter Rosenkohl, zitronig gedippt. Fried Chicken von Brandenburger Freilandhühnern, Saftig, fleischig und mit einer perfekten Panade. Brot von Albatros, dem neuen Star am längst reich besternten Berliner Brothimmel. Danach eine Pavlova, dieses tschechische Beeren-Baiser: Und wir haben alles richtig gemacht. Haben selig gegessen an einem Ort, der das Glück aus der offenen Küche schüttet.
Lee Thompson ist daran schuld. Der Quereinsteiger am Herd hat seine Vision eines so lässigen wie leidenschaftlichen Gastro-Pups im Graefekiez nonchalant inszeniert. Diese typisch britischen Kneipenkacheln, viel mehr braucht es nicht für eine gute Atmosphäre. St. Bart deshalb, weil das St. John von Fergus Henderson, der Ort am dem es losging mit der „From Nose to Tail“-Bewegung, seine große Ikone ist. Und weil der Heilige Bartholomäus der Legende nach gehäutet worden war – auch ein, nun ja, zeitgenössiches kulinarisches Thema.

Eine auf wenige Komponenten fokussierte Produktküche, viele kleine Teller, Fine Dining mit Fettfingern: Ganz neu ist das nicht mehr im kulinarischen Berlin. Wo aber Orte wie das Lode & Stijn oder das Industry Standard gegen tradierterte Vorstellungen einer gehobenen Restaurantkultur revoltieren, will das St. Bart selbstbewusst Kneipe bleiben. Bier vom Fass gibt’s für 2,50 Euro. Die Weine – exemplarisch seien Stefan Vetter und Horst Hummel genannt, der eine Franke, der andere (Wahl-)Ungar und unbedingte Empfehlungen nicht nur für entdeckungsdurstige Quertrinker – sind etwas teurer, vor allem aber sind auch sie unglaublich fair kalkuliert. Mag diese eine Weinbar in Mitte auch für die neue Berliner Weinkultur stehen. Im
St. Bart kann man eine sehr zeitgenössische Art, Wein zu machen, nicht nur besser schmecken. Man kann sie sich auch lustvoll leisten.
Was wiederum viel mit Victor Hausladen zu tun hat, dem Mann am Frontend, sprich am Tisch und der Bar. Hier, das merkt man, hat einer Lust, gemeinsam mit seinen Gästen auf eine Reise zu gehen. Beredsam, nicht geschwätzig, ein Wirt im besten Sinne.

St. Bart Graefestraße 71, Kreuzberg, Mi – So ab 16 Uhr (Küche ab 17 Uhr), www.stbartpub.com

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