Das Gute liegt nah

Fährt man von Werder auf der Bundesstraße 1 gen Nordwesten, so hat man im pittoresken Ortsteil Plessow gleich zwei Möglichkeiten, Jochen Fritz und seinem Biohof Werder zu begegnen. Entweder man biegt in das Dorf ein und folgt, vorbei an der backsteinschönen Kirche, einer Straße mit dem ortstypischen Namen „Plessow Ausbau“. Und sieht dann, wenn es nicht mehr weiter geht, schon die Wasserbüffel grasen. Wasserbüffel sind, obwohl ja Rinder, wahre Game Changer in Fragen des Klimawandels. Auf denen von ihnen beweideten Flächen sinkt die CO₂-Bilanz um bis zu 75 Prozent.
Man könnte aber auch links von der Bundesstraße abbiegen. Dann landet man, den Hügel hinauf, bald unter einer riesigen Streuobstwiese. Hunderte knorrige Bäume unter denen Schafe dösen, so wildwuchsig sieht Werder, die Obststadt, sehr selten aus. Aber Menschen wie Jochen Fritz sind ja gekommen, um das zu ändern. Hier unter den Streuobstwiesenbäumen veranstaltet der Biohof Werder – drei Familien betreiben die Ökolandwirtschaft im Nebenbetrieb – parallel zum Werderaner Baumblütenfest die Biobaumblüte: „Am Anfang“, so Jochen Fritz, der im Hauptberuf Naturschutzprojekte koordiniert, „kamen vielleicht 50 Gäste, heute brauche wir alleine 50 Helfer:innen.“
Von Acker und Weide auf die Streuobstwiese
In und um Werder, und sowieso in Berlin, ist das Interesse gewachsen an einer anderen Art von Landwirtschaft. Zumal es ja auch schmecken kann. Wasserbüffelfleisch, Rübchen und Mangold, Naturweine von Joachim Swillus, der eigentlich mal als Architekt nach Werder gekommen war und, seit er im vergangenen Jahr auch den Klosterhof Töplitz auf der anderen Havelseite übernommen hat, inzwischen Winzer im Hauptberuf ist.
Gemüsekistenabo vom Biohof Werder
Überhaupt: die kulinarischen Aspekte einer nachhaltigen, bio-zertifizierten Landwirtschaft. Gemeinsam mit der Blumen- und Gemüsegärtnerei aus dem Werderaner Ortsteil Glindow bietet der Biohof Werder seit diesem Frühjahr ein Gemüsekistenabo an. Gleich fünfmal in diesem Sommer wird auf den Streuobstwiesen brutal lokal diniert. Am Herd, am Grill und am Smoker steht dann Christian Heymer. Er war lange Küchenchef im Fritz am Markt eben am Marktplatz von Werder und hat auch dort nur mit lokalen Produkten gearbeitet.
„Die Weine von Joachim, die Küche von Christian“, sagt Jochen Fritz, „das ist eben das Gute an diesen noch jungen Strukturen, man ist sofort miteinander vernetzt.“ Und davon profitieren dann alle, vor allem Werder.
Biohof Werder Eisenbahnstr. 158, 14542 Werder (Havel), Farm-to-Table-Dinner am Fr 19.6.,
Sa 20.6., Fr 26.6., Sa 27.6., Sa 11.7, auf der Streuobstwiese in Plessow, 139 € inkl. Weinbegleitung, Shuttles vom Bahnhof Werder, Buchung und Informationen online
Und weiter in Werder
Weingut Joachim Swillus
Selbst Sohn eines Winzers, hat der Architekt mit einer kleinen Lage am Werderaner Wachtelberg angefangen. Inzwischen bewirtschaftet er auch den Klosterhof Töplitz samt sympathischer Besenwirtschaft.
Weingut Swillus Am alten Weinberg 7, 14542 Werder (Havel) OT Töplitz, Infos und aktuelle Öffnungszeiten der Besenwirtschaft online
Drei Kähne
Zum wunderbaren Café in Petzow (Schinkelkirche!) gehört auch ein denkmalgerecht rekonstruierter Schlossgarten, dessen Ernte in der Alten Überfahrt auf die Teller kommt, dem besten Restaurant Werders und vielleicht auch Brandenburgs.
Drei Kähne Zelterstr. 10, 14542 Werder (Havel) OT Petzow, Sa+So 13–18 Uhr, erster Freitag im Monat 18-22 Uhr, online
Havel-Therme
Direkt am Ufer des Großen Zernsees bietet sich Erholungssuchenden ein vielfältiges Angebot an Pools, Saunen, Dampfbädern und Spa-Anwendungen. Angenehme Gestaltung aus natürlichen Farben und Materialien. Man beachte die nachtaktiven Öffnungszeiten.



