Spaziergang durch Westend: Ruhe und Skulpturen

Warum gehen wir spazieren? Zum Beispiel, um zu entspannen, runterzukommen. Damit die Route durchs Westend ihre volle Wirkung entfaltet, treiben wir zunächst den Puls in die Höhe und starten vorm ExpoCenter (Berliner Messe). Fünfspurige Straßen, Brücken, oben, unten, links, rechts Bewegung. Stressgebeutelte Menschen stampfen Kippenstummel in den Asphalt, auf Ampeln wartend, die die Blechlawinen zumindest kurz stoppen. Tja, die Berliner Messe, Hektik seit 1822, als sie erstmals zu einer Gewerbeausstellung lud. Stress war wohl vorbestimmt. Bevor der Ort zum Abenteuerspielplatz für Industrie und Werbetreibende wurde, diente er als Exerzierplatz für die Garnison Charlottenburg. Die Luft dürfte damals besser gewesen sein.
Erreicht der Cortisolspiegel Fluglotsenniveau, geht’s in Richtung Georg Kolbe Museum – Achtung, langer Weg. Bestenfalls sollte man über die Wandalenallee starten, eine schöne Strecke mit unzähligen Kirschblütenbäumen. Hat was Meditatives, was nach dem Einstieg nicht schadet. Am Georg Kolbe Museum hat man die Hektik endgültig hinter sich. Im früheren Atelierhaus des Bildhauers findet man den Nachlass von Georg Kolbe, gemeinsam mit Werken von Hermann Blumenthal, August Gaul und Gerhard Marcks. Und zwar meist in Kombination mit Ausstellungen zeitgenössischer Kunst.

Wenige Meter daneben: der Georg-Kolbe-Hain, ein Kleinod für Natur- und Kunstfreunde mit Skulpturen von, wenig überraschend, Georg Kolbe. Hier verschnaufen wir, lassen das alles auf uns wirken. Wer hungrig ist, stärkt sich im Café Benjamine (wir sagen: Berlins bestes Museumscafé) direkt im Museumsgarten, auch umgeben von Skulpturen. Die überschüssigen Kalorien wird man anschließend sowieso los.
Nach einem kleinen Fußmarsch – vorbei am Corbusiershaus in der Flatowalle, der Wohnmaschine mit 530 Wohnungen, was ja beinahe für einen eigenen Spaziergang reicht – erkennen wir schon von Weitem das Olympiastadion, diese Monstrosität aus Stahlbeton, was natürlich Geschmackssache ist. 1936 eröffnete es als Kind des NS-Regimes. Es war das erste von Hitlers Großbauprojekten und diente als Ausrichtungsort für die XI. Olympischen Spiele 1936. Der Bau war in nur 28 Monaten fertig. Bei Bedarf könnte man in den angeschlossenen Olympiapark und Athlet:innen beim Training zuschauen.

Deutlich interessanter wird es, wenn man um den Park herum zum Wanderweg Richtung Ruhleben läuft. Ein Schild weist uns den Weg. Umgeben von Grün, abseits der Straßen, gibt es auf der Strecke den hübschen Murellenteich mit vielen Bänken und viel Ruhe. Für solche Orte sind wir hier. Wenige Meter weiter überlegen wir kurz, ob wir jetzt zurückfahren (Haltestelle Ruhleben) oder noch einen Abstecher in den Ruhwald machen. Und wir entscheiden uns natürlich für den Abstecher. Mit dem Arkadengang und der ehemaligen Villa Rheinberg haben wir hier gleich zwei Sehenswürdigkeiten, die uns das Olympiastadion glücklicherweise gleich wieder vergessen lassen.
Spaziergang durch Westend: Tour-Infos
Routenplaner Start am U-Bahnhof Kaiserdamm (U2), Richtung Sensburger Allee, über Rominter Allee und einen Wanderweg Richtung Ruhleben bis zur U-Bahn-Station Ruhleben (ebenfalls U2).
Länge & Dauer 10 km, etwa 3,5 Stunden
Essen & Trinken Café Benjamine, Sensburger Allee 26, Westend, Mi–Mo 10–18 Uhr. Für Kunstfreunde stehen im Garten Kolbe-Skulpturen, für Zuckerfreunde gibt es herrlichen Kuchen.
Kultur-Stopp Georg Kolbe Museum, Sensburger Allee 25, Westend. Das Museum beherbergt eine große Kolbe-Sammlung und zeigt zeitgenössische Kunst.
Fun-Fact Auf dem Stendelweg, angrenzend an den Wanderweg Richtung Ruhleben, finden sich vor vielen Häusern kleine Marmeladen- und Honigbriefkästen. Dort kann man Selbstgemachtes kaufen und weiterziehen.