Grüne Oasen: 12 Orte für eine urbane Pause

Lietzenseepark: Flanieren am Wasser

Früher konnte man hier regelmäßig Bruno Ganz mit hochgeschlagenem Mantelkragen bei seiner täglichen Runde um den Lietzensee begegnen, aber auch andere Promis wie Maren Kroymann oder Frank Zander flanieren immer wieder gerne in der denkmalgeschützten Grünanlage rund um den See. 1920 wurde diese vom Berliner Gartendirektor Erwin Barth gestaltet, dem wir einige der schönsten Grünflächen Berlins verdanken. Der Lietzenseepark ist sein Meisterwerk. Hier finden sich alte Bäume, Skulpturen und architektonische Anlagen wie die kleine und große Kaskade. Die Uferpromenade eignet sich perfekt für Spaziergänge, ist aber auch eine der schönsten Laufstrecken in der Innenstadt. Die Strecke einmal um den See ist rund fünf Kilometer lang. Wer lieber entspannt, kann das am besten auf den vielen Bänken am Wasser oder auf der Schillerwiese tun. Besonders hübsch sind das majestätische Eckhaus am Ufer und die alten Trauerweiden, die ihre langen Arme im Wasser baumeln lassen.
Lietzenseepark Wundtstr. 40, Charlottenburg
Schafe schauen im Schlossgarten Charlottenburg

Mitten in Berlin grasen Schafe! Ja, ist das noch Großstadt? Die von einem Schäfer betreute Herde aus rund 50 Gotlandschafen gehört zur 55 Hektor großen Grünanlage, die sich hinter dem Schloß Charlottenburg entlang der Spree erstreckt. Sie hilft als tierischer Rasenmäher bei der Parkpflege. Ab 1695 wurde der Park als erster Barockgarten nach französischem Vorbild auf Wunsch der Königin Sophie Charlotte angelegt, ihre Hoheit wollte den modernsten Garten im deutschsprachigen Raum erbaut sehen. Der französische Landschaftsarchitekt Siméon Godeau schuf die facettenreiche Anlage, in der Sophie Charlotte fortan entlang der Blumen und Bäume spazieren konnte. Heute flaniert hier der jetzige Souverän: das Volk.
Der Park überzeugt durch seine vielfältige Flora und Fauna, eine Uferpromenade entlang der Spree und eignet sich im Frühjahr und Sommer auch bestens als Picknick-Location, für eine kleine Auszeit in der Sonne oder als Platz zum Toben für Kinder. Weiterhin gibt es das Mausoleum zu Ehren von Königin Luise, den Neuen Pavillon mit regelmäßigen Ausstellungen, das Belvedere und die Luiseninsel zu erkunden. Bis zum Einbruch der Dunkelheit lässt es sich hier trefflich der Hektik der Hauptstadt entfliehen.
Schlossgarten Charlottenburg Spandauer Damm 10–22, Charlottenburg, mehr Infos online
Auszeit vom Stadtlärm: der Fritz-Schloß-Park in Moabit

Nur 15 Gehminuten vom Hauptbahnhof entfernt liegt der Fritz-Schloß-Park im Sportpark Poststadion. Interessanterweise ist er selbst vielen Berliner:innen kaum bekannt. Er ist mit einer Fläche von zwölf Hektar eher klein, aber dennoch der größte Park in Moabit und bietet genug Platz für spontane Entspannung vom innerstädtischen Verkehrs- und Baulärm. Es gibt Liegewiesen zum Relaxen und Sonnen, Familien können sich über drei Spielplätze, einen Fußballplatz und eine Minigolfanlage freuen. Im oberen, hügeligen Teil des Parks befinden sich ein 1.000 Meter langer Rundweg für Läufer:innen und diverse Fitnessgeräte für sportliche Übungen im Freien. Aufs Südplateau führt ein Kletterpfad. Das gesamte Gelände ist von vier Seiten zu erreichen. Wer jedoch direkt zum Fritz-Schloß-Park möchte, sollte die Eingänge an der Seydlitz- oder Rathenower Straße ansteuern. Mehr zum Fritz-Schloß-Park erfahrt ihr hier.
Fritz-Schloss-Park Lehrter Straße, Seydlitzstraße, Rathenower Straße, Moabit
Mitgärtnern im Himmelbeet Wedding

Nach mehreren Ortswechseln hat das Himmelbeet an der Weddinger Gartenstraße die passende Adresse gefunden. Es ist ein offener Gemeinschaftsgarten, den allerlei Hochbeete, bepflanzt mit Blumen, Kräutern und Gemüse, schmücken. In dieser grünen Oase steht neben Ruhe und Erholung auch das gemeinsame Gärtnern im Vordergrund. Mit einem grünen Daumen (oder einem, den man entwickeln will) kann man sich also gerne an dem Gemeinschaftsprojekt beteiligen und eines der 200 Pachtbeete bepflanzen. Auch für Besucher steht der Garten zu den Öffnungszeiten offen. Eigentlich gibt es auch ein Garten-Café, erbaut aus nachhaltigen, wiederverwertbaren Baustoffen wie Holz und Strohlehm, dessen Betrieb sich jedoch im Aufbau befindet, es fehlen behördliche Genehmigungen und eine Stromleitung. Gleich vis-à-vis liegt übrigens der Dorotheenstädtische Friedhof II, der zwar nicht so eine Promi-Dichte wie sein Geschwisterfriedhof in der Chausseestraße aufweist, dafür aber die historischen Gräber mehrerer Zirkusdirektoren wie Busch und Renz und auch eine grüne Oase im Herzen der Großstadt ist.
Himmelbeet Wedding Gartenstr. 77, Wedding, tägl. 10–16 Uhr, mehr Infos online
Industrierelikte im Naturpark Südgelände Schöneberg

Der Begriff „Naturpark“ ist ebenso korrekt wie irreführend. Korrekt, weil sich auf dem Gelände des ehemaligen Rangierbahnhofs in 50 Jahren eine Naturinsel mit seltenen Tieren und Pflanzen entwickelt hat, die man teilweise nur auf Stegen durchqueren darf. Irreführend, weil man eine Art Dschungel mit sagenhafter Tierwelt erwartet, es sich aber nur Bienen und ein paar Schmetterlinge zeigen. Dafür gibt es Industrierelikte: den circa 50 Meter hohe Wasserturm (mit Turmfalken), überwachsene Gleise, die alte Drehscheibe (eine der ältesten Deutschlands), mit der früher die Loks in Position gebracht wurden, und sogar eine im Jahr 1940 gebaute historische Dampflok. Und Kunstwerke sieht man auch: Stahlskulpturen der Künstlergruppe Odius, die auch den 600 Meter langen Stahlsteg konstruiert hat, der durch das Naturschutzgebiet an der Grenze zwischen Schöneberg und Tempelhof führt.
Naturpark Südgelände Prellerweg 47–49, Schöneberg, Mai bis August tägl. 9–21 Uhr, mehr Infos online
Uferpromenade Historischer Hafen in Mitte: hier dümpeln die alten Kähne vor sich hin

Wer meint, dass es in Mitte zwischen Fernsehturm und Plattenbau immer turbulent zugeht, war noch nicht am Historischen Hafen. Hier am Märkischen Ufer, eine der wenigen lauschigen Straßen mit historischem Flair, dümpeln etliche olle Kähne ruhig im Wasser des Spreekanals. Es sind Museumsschiffe aus der langen Geschichte der Binnenschifffahrt. Dampfschlepper, Motor- und Floßschlepper, Motorschiffe, Barkassen, Fähren, Schokker und Dampfeisbrecher gehören zum Ensemble. 1298 wurde der Hafen an der Fischerinsel erstmals urkundlich erwähnt, heute ist er der größte Museumshafen Deutschlands. Am besten kombiniert man den Ausflug dorthin mit einer Tour über die Fischerinsel, an deren Historie als einen der ältesten Teile Berlins durch Ende der 1960er-Jahren hochgezogene DDR-Plattenbau-Hochhäuser leider nichts mehr erinnert.
Historischer Hafen Märkisches Ufer, Inselstr. 3, Mitte, mehr Infos online
Der Botanische Volkspark Blankenfelde-Pankow bietet Artenvielfalt

Aus einem 1909 angelegten Schulgarten entwickelte sich diese Botanische Anlage mit Wasser- und Steingärten, Staudenbeeten und altem Baumbestand. Rund 6.000 Pflanzenarten wuchern auf der unter Denkmalschutz stehenden, 34 Hektar großen Anlage im Nordosten Berlins. Auf dem Areal finden sich Schaugewächshäuser, eine geologische Wand, die 150 Gesteinsarten der Steinschichten der obersten Erdkruste Mitteleuropas zeigt, das Arboretum mit Berliner Baumarten und der Bauerngarten, ein urbanes Gemeinschaftsprojekt. Eine nur temporäre, aber spektakuläre Attraktion ist der Auftritt der „Königin der Nacht“, womit nicht Mozarts Figur aus der „Zauberflöte“ gemeint ist, sondern ein lateinamerikanischer Kletterkaktus, dessen Blüte sich nur für wenige Stunden in einer einzigen Sommernacht voll öffnet. Auch diverse besondere Vogelarten kann man hier finden, in einem Gehege lassen sich Rehe, Hirsche und Schafe bewundern.
Botanischer Volkspark Blankenfelde Blankenfelder Chaussee 5, Pankow, Eintritt 1 €
Dorfanger Alt-Marienfelde: Grüne Oase mit Historie

Der Dorfanger in Marienfelde gilt als einer der ursprünglichsten und am besten erhaltenen Anger in Berlin. Der von ein- bis zweigeschossigen einstigen Bauernhäusern umgebene Dorfkern liegt ein wenig versteckt zwischen Friedenfelser Straße, Nahmitzer Damm und Marienfelder Allee, aber westlich neben dem schönen Gutspark Marienfelde mit seinen Spazierwegen gelegen, ist der alte Dorfanger dann doch nicht zu verfehlen. Dominiert wird er durch die grandios anzuschauende, fast 800 Jahre alte Dorfkirche, eine der ältesten in unserer Region. Daneben befinden sich der obligatorische Dorfteich und auch ein Kriegerdenkmal – ein Anblick wie in vielen Brandenburger Dörfern. Zur Einkehr lädt der Gasthof „Zur Grünen Linde“ mit regionaler Küche, der um 1830 gegenüber der Dorfkirche erbaut wurde. Daneben befindet sich die Feuerwache. Eben alles da, was ein Dorf braucht
Dorfanger Alt-Marienfelde Straße Alt-Marienfelde, Tempelhof
Weltreise in Berlin: Gärten der Welt in Marzahn

Die lange Anfahrt aus der Innenstadt lohnt sich, denn hier kann man eine Weltreise im Kleinen antreten: Die Gärten der Welt schicken Besuchende auf eine gärtnerische und geschichtliche Reise nach Bali, Japan, China, Korea, in den Orient und nach Europa. Während Eltern die asiatische Gartenbaukunst bewundern oder im italienischen Renaissance-Garten lustwandeln, irren Kinder mit Eis um die Schnute durch das Heckenlabyrinth oder toben auf den Spielplätzen herum. Die besonders mutigen Kleinen versuchen sich an die beiden Riesenschaukeln zu hängen oder erklimmen den angrenzenden, rund 100 Meter hohen Kienberg. Auch eine Natur-Bobbahn befindet sich auf dem Gelände. Da schwebt auch Berlins einzige Seilbahn, mit der man aus 35 Meter Höhe über das Wuhletal direkt in den Park schaukeln kann. Außerdem gibt es den „Wolkenhain“, ein Aussichtsturm aus circa 170 Stahlknoten, der die Blicke der Besuchenden auf einer Höhe von 120 Meter über dem Meeresspiegel in das brandenburgische Land oder das Berliner Zentrum schweifen lässt.
Gärten der Welt Blumberger Damm 44, Marzahn, tägl. von 9 Uhr bis Einbruch der Dunkelheit, Eintritt 9/4 €, mehr Infos online
Grüne Weiten in der Stadt: Tempelhofer Feld

Mit 300 Hektar ist das Tempelhofer Feld der größte Park Berlins. Und die Hauptstädter lieben ihre Freifläche: Wo in der dicht bebauten Stadt kann man sonst noch solche Weite genießen, weswegen alle Randbebauungspläne des Senats mit Widerstand rechnen müssen und eigentlich mit dem Volksentscheid 2014 grandios gescheitert sind. Das ehemalige Flugfeld ist ein Spielplatz für die ganze Stadt, die richtige Ecke finden alle hier – zum Joggen, Kitesurfen, Spazieren oder Entspannen. Platz genug gibt es ja. Die Berliner:innen entwickeln immer neue Ideen: Gemüsebeete, Kiteboarden, Yoga, auf drei Freiflächen darf gegrillt werden. Auf dem Gelände begegnet man den verschiedensten Typen, es erfindet sich auch nicht zuletzt dank ihnen immer wieder neu. Wo früher Rosinenbomber landeten, starten heute Lenkdrachen. Landsurfer wehen mit dem Wind über den Asphalt, Kitesurfer wagen Luftsprünge. Der Park ist mit seiner sechs Kilometer langen Rundstrecke genial für Läufer:innen und Fahrradfahrende. Wer lieber faulenzt, schaut in die Wolken und genießt die Weite.
Tempelhofer Feld Tempelhofer Damm, Tempelhof, tägl. ab 6 Uhr, Schließzeiten variieren, mehr Infos online
Kein Geheimtipp, trotzdem sehenswert: Großer Tiergarten in Mitte

New York hat den Central Park, London den Hyde Park und Berlin den Tiergarten – einen großen Park als grüne Lunge im Herzen der Stadt. Es ist zugleich Berlins älteste Parkanlage. Natürlich ist der rund 210 Hektar große Park, der gleich einem ganzen (ehemaligen) Bezirk seinen Namen gegeben hat und in dessen Zentrum sich 69 Meter hoch die Siegessäule erhebt, kein Geheimtipp. Dem Großen Tiergarten – der Kleine grünt drüben in Moabit – geht es wie dem Ku’damm: Man kennt ihn oder meint ihn zu kennen. Und doch gibt es immer etwas zu entdecken, den Michael-Jackson-Baum etwa. Obwohl der Tiergarten gleich von mehreren auf den Großen Stern zusteuernden Straßen zerschnitten wird, bietet er zwischen Zoo und Brandenburger Tor viel Erholungsfläche. Die vom Gartenbau-Architekt Peter Joseph Lenné entworfene abwechslungsreiche Landschaft mit Wiesen, Bäumen, Teichen und Kanälen ist auch ein Lebensraum für mehr als 1.400 Tier- und Pflanzenarten ist; darunter sind mehr als 100 auf der Roten Liste der gefährdeten Arten in Berlin.
Großer Tiergarten Großer Stern, Tiergarten
Alter Park in Tempelhof: eine kleine grüne Oase

Unter den vielen schönen Berliner Parks ist der Alte Park in Tempelhof eine Besonderheit. Er ist weniger bekannt als die Parks in Kreuzberg, Friedrichshain oder Tiergarten, aber eine kleine Oase der Ruhe und gehört zu den schönsten Orten im Bezirk. Die Geschichte des Parks reicht bis ins 19. Jahrhundert zurück. Inmitten der Anlage befindet sich der Klarensee, über den an seiner schmalsten Verengung eine kleine Brücke führt – gleich daneben steht die alte Dorfkirche, die Alt-Tempelhof eine dörfliche Atmosphäre inmitten der Stadt verleiht. Besonders bei Jogging-Fans ist der Park sehr beliebt.