Luisenstädtischer Kanal: Der Phantom-Strom der Stadt

Der Luisenstädtische Kanal ist eine Narbe, die sich quer durch Kreuzberg zieht. Erbaut 1848, zugeschüttet 1926, kann man ohne Übertreibung sagen: Ohne dieses kleine, nur 2,5 Kilometer lange Gewässer würde es Teile von Kreuzberg gar nicht geben.
Hier wurden die Materialien angeliefert, mit denen die spätklassizistische Luisenstadt erbaut wurde. Der Eingang zum Kanal befand sich am Landwehrkanal, gegenüber vom Urban-Krankenhaus, er mündete dort in die Spree, wo heute die Verdi-Zentrale steht. Sein städtebaulicher Mittelpunkt existiert heute noch: das Engelbecken am Michaelkirchplatz. Mit seinen Ufermauern aus Klinkersteinen erinnerte es an die Grachten Amsterdams.
Luisenstädtischer Kanal: vom Sumpf zum Todesstreifen
Doch nur wenige Jahre nach ihrem Bau verlor der Wasserweg seine Bedeutung, versumpfte immer mehr, wurde zur Brutstätte für Mücken. Während der Teilung der Stadt war der Boden des trockengelegten Kanals Teil des Todesstreifens. An wenigen Stellen in Berlin kann man deutsche Geschichte vom Kaiserreich bis zur Wiedervereinigung so nachvollziehen wie hier. Nach der Wende wurde die Anlage aufwendig rekonstruiert und zum Park umgebaut, den das Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg zuletzt leider zunehmend verkommen ließ.