Das erwartet euch bei der Openart Lausitz Biennale

Frau van den Driesch, die Lausitz hat in diesem Sommer eine Kunstbiennale. Beschreiben Sie einmal den Weg dorthin.
Der Strukturwandel der Lausitz, das Ende des Bergbaus, ist im vollen Gange. Und die Politik hat viel Geld in die Hand genommen, um in eine Transformation der Region zu investieren. In die Wirtschaft, in den Tourismus. Nur wurden die Kunst und die Kultur wieder einmal vergessen. Darauf haben wir 2021, mitten in der Pandemie, mit einem eigenen Festival, dem Kunstherbst, reagiert. Ich habe etwa ein leerstehendes Barockhaus hergenommen, ein neues Barocktor gemalt und in den Durchgang eine Bar gestellt. Am Ende hat die Nachbarschaft gefragt, ob das nicht für immer so bleiben könne. Und auch die Politik hat begriffen, dass Kunst etwas macht mit den Menschen in einer Region. Damals entstand die Idee einer Lausitz Biennale. Das ist jetzt fünf Jahre her, es braucht also Geduld und Zutrauen für so ein Projekt – und viel unentgeltliche Vorarbeit.
Warum der komplexe Titel: Openart Lausitz Biennale?
Einerseits wollen wir lokale Künstler:innen sehr eng einbeziehen. Die Kunst, die vor Ort gemacht wird, ist geprägt von den Landschaften, der Geschichte, der Mentalität einer Region. Auf der anderen Seite wollten wir auch ein internationales Publikum und internationale Künstler:innen begeistern, sich mit der Lausitz und der Problematik einer sich radikal wandelnden Region auseinanderzusetzen. Der Begriff Biennale ist ja noch immer eine Währung in der Kunst. Das Open steht für eine Einladung, Kunst ganz ohne Schwellenangst zu begegnen.
Die Leute sind interessiert und zu begeistern – man muss sie nur abholen
Michaela van den Driesch
Im Vorfeld etwa der Wahlen in Sachsen-Anhalt sind Kunst und Kultur ja einmal mehr zu Kampfbegriffen geworden.
Die Frage ist virulent, spätestens seit den Wahlerfolgen der AfD. Tatsächlich ist uns in der Region aber keine Ablehnung begegnet, weder auf der politischen, noch der alltäglichen Ebene. Die Leute sind interessiert und zu begeistern – man muss sie nur abholen.
Also: Womit will die Openart Lausitz begeistern?
Mit Sandskulpturen, tatsächlich. Am Rückersdorfer See werden Monumente der Weltarchitektur, der Eiffelturm etwa, aus Sand gebaut. Natürlich sind Sandskulpturen weit weg von unserem künstlerischen Ansatz – und doch auch nicht. Wir wollen Kommunikations- und Identifikationsangebote schaffen. In diesem Sinn arbeiten gleich mehrere Künstler:innen mit den Erinnerungen und Erzählungen der Menschen aus der Lausitz. Das Künstlerinnenduo Matrosenhunde malt diese Geschichten noch während des Gesprächs. In einer anderen Arbeit werden aus Erinnerungen Stickbilder. Die Berliner Künstlerin Meggie Schneider kocht Suppen aus Zutaten, die die Leute aus ihren Gärten mitbringen. Diese Arbeiten werden im Haus am Markt in Doberlug-Kirchhain realisiert, einem ehemaligen Verwaltungsgebäude, das bereits selbst viel über diese Transformationsprozesse erzählt. Während des NS-Regimes war dort die Parteizentrale, „das braune Haus“ im Volksmund, in der DDR der „Klub der Werktätigen“ – „das rote Haus“. Heute steht es leer.

Sie sprechen es an: Die Veranstaltungsorte sind bereits selbst Programm.
Das war gesetzt, etwa dass wir sogenannte Lost Places in die Biennale einbinden. In Forst, dem „deutschen Manchester“, bespielen wir das neue, noch im Entstehen begriffene Museum für Textil- und Industriegeschichte. Wir sind im kleinen Dorf Jamlitz, ab 1943 ein Außenlager des KZ Sachsenhausen. Der Atelierhof Werenzhain steht dafür, dass die Lausitz, auch aufgrund günstiger Immobilien, längst ein Ort der Künstler:innen ist.
Wie können die Berliner:innen das auf gut zehn Wochen verteilte Programm der Biennale erleben?
Die Openart Biennale bespielt die zentralen Ausstellungsorte, den Atelierhof Werenzhain, das Museum in Forst und so weiter, jeweils 16 Tage lang. Die Eröffnungen sind immer freitags. Wenn man also am Samstag oder Sonntag kommt, sind immer zwei Ausstellungsorte parallel erlebbar. Man bekommt ziemlich viel mit. Zudem wollen wir von Berlin aus einen Shuttle-Bus anbieten, mindestens am Eröffnungswochenende. Wer länger bleiben möchte: Ich kann die günstigen Ferienbungalows am Rückersdorfer See empfehlen.
Gibt es noch einen besonderen Biennale-Moment, auf den sie uns unbedingt hinweisen wollen?
Die Berliner Performancegruppe Grotesk Maru wird am 7. August die Biotürme in Lauchhammer bespielen. In einer Art Tanz-Performance, von Industriekletterer:innen getanzt, begleitet von einer Lichtinstallation. Die Tickets zu „Whispering Towers“ sind kostenlos, allerdings dürfen nur 200 Besucher:innen auf das Gelände. Die Tickets werden im Laufe des Julis auf unserer Homepage zu finden sein.
Openart Lausitz Biennale Atelierhof Werenzhain, 03253 Doberlug-Kirchhain OT Werenzhain, Werenzhainer Hauptstr. 76, Eröffnung Fr 31.7., 17 Uhr, mehr Infos und das gesamte Programm online

Zur Person
Michaela van den Driesch gehörte 1996 zu den Gründerinnen des Atelierhofs Werenzhain. Gemeinsam mit Maysun Kellow hat die studierte Archäologin und Künstlerin die Openart Lausitz initiiert und ist die künstlerische Leiterin der Biennale.
Foto: Friederike Kalz