Danke, Panke: Ein Spaziergang durch die Geschichte Berlins

Wie schmal, wie leise, wie verletzlich dieses Gewässer ist, das sieht man am besten im Nordosten Berlins. Dort, im Schlosspark Buch, angelegt im 17. Jahrhundert zum Vergnügen eines Gutsherrn namens Gerhard Bernhard von Pölnitz, fließt die Panke in Gestalt eines Bachs durch die Forstlandschaft. An dieser Stelle findet der Strom ins Stadtgebiet. Der Ursprung der Panke liegt in den Mooren im Barnimer Land, von dort windet sie sich durch Bernau und Zepernick.
Die Panke beschäftigte Theodor Fontane, Kurt Tucholsky und Wolf Biermann
Theodor Fontane, Kurt Tucholsky und Wolf Biermann haben über dieses Flüsschen gedichtet. An der Panke siedelten Slawen im frühen Mittelalter, später deutsche Bauern. Als Lebensader ist sie in der Entstehungsgeschichte der Stadt fast so bedeutend wie die Spree.
Heute ist dieses Symbol von Urbanisierung und Industrialisierung gezeichnet: Seit der Moderne ist die Panke immer wieder begradigt, eingezwängt und überbaut worden. Landschaftspfleger wollen sie im 21. Jahrhundert ursprünglicher erscheinen lassen, der Senat hat ein Renaturierungsprogramm aufgesetzt. Wer ihrem Lauf folgen will, ob zu Fuß oder mit dem Rad, folgt dem Pankewanderweg, der bis an ihre Mündung in den Berlin-Spandauer Schifffahrtskanal am Weddinger Nordhafen führt. Mal gondelt man die Böschung entlang. Mal rückt das Objekt des Interesses aus dem Blick, weil Straßen und Gebäude den Raum einnehmen. Hin und wieder verfranst man sich, weil die Route nur spärlich ausgeschildert ist.
Nach der Ouvertüre im Schlosspark Buch gluckert die Panke erst einmal durch die verschlafenen Ortschaften Karow und Blankenburg. In einem natürlichen Bett, von Biotopen und dörflichen Gegenden umgeben. Sie fließt durch eine Unterführung, während oben Blechkolonnen über die A 10 heizen. In Niederschönhausen ist dieses Ur-Ereignis gebändigt. Erst recht in Pankow: ein Strich, der sich durch die parzellierten Territorien der Kleingartenanlage „Schüßler e. V.“ zieht. Ebenso domestiziert in Schloss- und Bürgerpark. Langsam treibt das Wasser dort in trichterförmigen Gräben dahin. Gräser biegen sich in der Strömung, kleine Mädchen waten nahe der Uferkämme.
Von Filzfabrik bis Fischtreppe
„Stinkepanke“, so verleumdeten die Anrainer vom 19. Jahrhundert an den Fluss. Vor allem im Wedding. Ein Moloch, das Kulisse im letzten Abschnitt des 29-Kilometer-Verlaufs ist. Exkremente ergossen sich im Arbeiterbezirk in die Panke, später auch die schmutzigen Emissionen von Gerbereien und Färbereien sowie von Filz-, Hut-, Papierfabriken.
Von Steingemäuern ist das Rinnsal im Wedding noch heute eingefasst. Keine wilde Natur sollte anno dazumal den Bau von Mietskasernen und Gewerbehöfen durchkreuzen. An der Walter-Röber-Brücke, benannt nach einem SPD-Mann, der in der Weimarer Republik für soziale Gerechtigkeit kämpfte, steht ein Gedenkstein.
Auf Höhe der Chausseestraße – unweit des einstigen Schering-Gebäudekomplexes, der heute Bayer-Filiale ist – nimmt die Panke eine leichte Kurve. Das Wasser schleppt sich durch eine kanalähnliche Struktur, vorbei am Erika-Heß-Eisstadion. Zeichen für den menschlichen Zerstörungsdrang.
Mittlerweile ist diese Passage immerhin etwas umweltfreundlicher geworden. Zuvor ist an deren Ende das Wasser jäh ins Vorbecken des Nordhafens gestürzt – knapp drei Meter tief. Nun schwimmen und hüpfen Döbel, Hecht & Co. auf einer Fischwandertreppe in die nächste Kapillare im lokalen Wassernetz. Safety first! Vom Becken geht’s in den Berlin-Spandauer Schifffahrtskanal. Die Panke ist eben auch Lebensraum für Tiere. An einem anderen Flussmeter sind indessen an einem Rechengitter, erbaut in den späten 1980ern, um Dreck abzufangen, Lücken für den Fischverkehr geschaffen worden. Vorkehrungen, um mehr heimische Arten anzulocken.