Ein Sommertag an der Spree: Wasser und Wein

In der Mitte entspringt ein Fluss. Aber natürlich ist der Fluss hier an der Insel der Jugend schon gut 350 Kilometer alt. Und dennoch, zwischen Plänterwald, Rummelsburger Bucht und Elsenbrücke findet die Spree zu ihrer Bestimmung. Sie ist eine Unterhaltungskünstlerin. Und das schon seit 200 Jahren, als im Plänterwald noch kochendes Wasser verkauft wurde. Die Kaffeebohnen hatte sich die picknickende Stadtgesellschaft mitgebracht. Bald entstanden große Ausflugslokale, von denen das Zenner heute eine Ikone ist.
Sporteln und Gesehenwerden an der Spree
Warum es so lange gedauert hat, bis die Menschen den Reiz eines vertrödelten Sommertags am Ufer entdeckten? Spannender ist die Frage, warum sie es zwischenzeitlich wieder vergessen haben. In den 1990er-Jahren lagen große Teile des wiedervereinten Spreeufers brach. An der Rummelsburger Bucht, auf dem Areal der einst größten Flussbadeanstalt Berlins, entstand so ein Busdepot. Heute ist der Ort wieder dem Wasser gewidmet, mit Restaurant (Hafenküche), Bier- und Weingarten (Spreedeck), Marina und Bootsverleih.
Noch eine Story der Aneignung und Umdeutung: die Rohr-, später Abtei-Insel, die man längst als Insel der Jugend kennt. Die Landschaft ist künstlich, das Kloster (inszeniert zur Gewerbeausstellung 1896) Fake, die Stimmung aber prächtig, ob im Biergarten oder an den von einem Turnschuhgiganten gesponserten Sportgeräten. Sporteln und Gesehenwerden – auch das ist ein Sommertag an der Spree.