Spaziergang durch Hobrechtsfelde: Rieselfelderrunde

Lassen Sie sich von dem Plattenbau, der sich da über die Schlosskirche von Buch erhebt, nicht verschrecken: Diese Wanderung führt durch die schönsten Naturräume des Berliner Nordens. Und sie führt tief hinein in das Werden der Metropole Berlin. Beides hat ganz unbedingt miteinander zu tun. Gleich am Anfang aber will man schon gar nicht mehr weiter. Vom S-Bahnhof Karow sind es kaum 1.500 Meter bis zu den Karower Teichen. Wir versprechen: Die Kraniche sind bereits da. Und die Vegetation noch so jung, dass weite Blicke möglich sind. Vogelbeobachtungen im Frühjahr. Und weiter auf wogenden Wurzelwegen, schmal genug, damit aus dem Spazierengehen Wandern wird.

Hinter Eisen- und Autobahn (beides unterqueren wir galant) werden die Namen einfallslos. Mindestens die der stehenden ¬Gewässer: Karpfenteich 1, 2 und 3. Tatsächlich darf hier geangelt werden. Leichter beobachten lassen sich die Schottischen Hochlandrinder, denen man sich, obgleich weitläufig eingezäunt, auch vorsichtig nähern darf. Auf eigene Gefahr, warnt ein Schild. Aber die Rinder sind so dösig wie die die ebenfalls im Bucher Forst angesiedelten Fjordpferde scheu. Birken schieben sich ins Bild, die Landschaft bekommt beinahe etwas Finnisches.
Bis man dann zur Rechten einen historischen Kornspeicher erahnt: das Gut Hobrechtsfelde, in den 1890er-Jahren als Teil einer, nun ja, frühindustriellen Kreislaufwirtschaft angelegt: Großflächige Rieselfelder, die Karower Teiche waren ihre letzte Klärstufe, sollten aus den Fäkalien der Millionenmetropole nährstoffreichen Dung machen. Tatsächlich waren die Erträge des Guts Hobrechstfelde exorbitant. Bis die Ernte dann irgendwann ausbleiben sollte, die Böden waren toxisch geworden, vom ganzen Scheiß der Großstadt überdüngt. Heute ist das Gut Hobrechtsfelde ein Kultur- und Naturort, vor allem aber eine Reiter:innenvergnügung samt Helikoptereltern.

Es folgt der Endspurt: die letzten vier Kilometer bis nach Buch, das einmal das Krankenhaus Berlins war. Etwas vorgelagert mitten im Wald: ein ehemaliges Lungensanatorium, es sollte die größte Tuberkolose-Heilanstalt Europas werden. Erst kürzlich saniert, ist es nun eine Gated Community für Menschen mit, nun ja, Sicherheitsbedürfnis. Am Ortseingang dann das Ludwig Hoffmann Quartier, als „Irrenanstalt“ konzipiert, 1915 als Kriegslazarett eröffnet und inzwischen auch eine Wohnanlage. Vis-a-vis des Bahnhofs noch flink in den historischen Schlosspark. Wegen der Schlosskirche, das eigentliche Schloss wurde 1964 gesprengt.
Spaziergang durch Hobrechtsfelde: Tour-Infos
Routenplaner Startpunkt ist am S-Bahnhof Karow, es geht vorbei an den Karower Teichen, durch den Bucher Forst, und Hobrechtsfelde, bis zum S-Bahnhof Buch.
Länge & Dauer 13 km, 4 Stunden (mit ausgiebiger Rast). Die Wanderung ließe sich als Rundtour ab S-Bahnhof Buch um rund drei Kilometer verkürzen. Dann allerdings ohne Vogelbeobachtungen.
Kultur-Stopp Installation in der Ortsmitte von Hobrechtsfelde. Diese erinnert daran, dass in den ertragreichen Jahren des Gut Hobrechtsfelde um 1910 die Ernte mit einer Lorenbahn bis zum Bahnof Buch geschaukelt wurde.
Fun-Fact In den 1970er-Jahren wurde am westlichen Rand von Buch ein versteckt gelegenes damals hochmodernes Regierungskrankenhaus errichtet, heute Ruine und Lost Place. Die Adresse: Hobrechtsfelder Chausee 100.