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Ausflüge

Ein Gang durch Lübars: We want Moor!

Rund um Lübars verheißt unser Spaziergang so manche Zeitreise, einen Abstecher nach Brandenburg und eine Höhe für sich
Text: Erik Heier
Veröffentlicht am: 01.04.2026
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Auf dem Weg durch Lübars sind wir auf dem Holzweg – aber auf einem sehr schönen. Foto: Erik Heier 

Eine Zeitreise ohne Fluxkompensator, das ist Alt-Lübars, dieses kleine Dorf im Norden Reinickendorfs, wo es noch echte Landwirtschaft gibt und viele Pferdehöfe und wo das grobe Kopfsteinpflaster im putzigen Dorfanger ein Tempolimit durchsetzt, gegen das selbst eine FDP nichts ausrichten könnte. An der schlicht-barocken Dorfkirche, Start- und Zielpunkt, starten wir gen Westen, lassen den Alten Dorfkrug mit dem von prächtiger Patina gekrönten Veranstaltungsort Labsaal hinter uns und nehmen den ersten Schotterweg, der geradeaus weitergeht. Nach rechts öffnet sich der Blick weit in die Ebene. Pferde, Weiden, Wald. Himmel auch.

Wir biegen rechts in den Büchenbronner Steig ein, wandern auf den Hermsdorfer See zu, ein Teil des Tegeler Fließes. Rechts, hinter einem grünen Zaun, ist der Ziegeleisee mit seinem urigen Strandbad kaum zu erahnen hinter zersägten Stämmen, die sich zwei Meter hoch auftürmen. Ein wackliger Hochsitz sieht aus, als hätte ihn ein Witzbold nur mal kurz gegen einen Baum gelehnt, das „Betreten verboten“-Schild des „Jagdausübungsberechtigten“ (schöner deutscher Ausdruck!) hätten wir wirklich nicht gebraucht. Da bringen uns keine zehn Wildschweine hoch.

Auf dem Weg durch Lübars: Mauerweg mit Radler. Foto: Erik Heier

Nach links schlängelt sich der pittoreske Eichwerder Steg durch die Eichenwerder Moorwiesen, sein Vorgänger-Holzweg verband ab 1927 die Dörfer Lübars und Hermsdorf. Am Schild „Nur für Fußgänger“ kachelt uns beinahe ein Radfahrer um. Tafeln stellen diverses Moor-Leben vor. Krebsschere, Eisvogel, Wasserralle. Kurz machen wir hier rüber nach Brandenburg. Der Weg wird sandiger, führt an einer Magerwiese vorbei, die im Herbst von Eseln beweidet wird. Aber: We want Moor! Kommt sofort. Nächster Steg.

Unter einem der Moor-Infoschilder baumeln Liebesschlösser. „Sylvia & Olaf“, zwei Ringe, „22.8.2008“. Hoffentlich hat euer Glück seither gehalten, Sylvia und Olaf. An der Alten Schildower Landstraße, vor der wir rechts abbiegen, können die Anwesen schon mal etwas üppiger ausfallen. Der rissige Asphaltstreifen unter unseren Füßen ist der Mauerweg, „Betreten auf eigene Gefahr“, donnert ein Schild, das hätten die DDR-Grenzer dereinst nicht treffender formulieren können.

Von der Lübarser Höhe hat man perfekten Ausblick auf das Märkische Viertel. Foto: Imago/Funke Foto Services/Sergej Glanze

Vorbei am Köppchensee, durch Torfabbau entstanden, steigt der Weg an. Hinter der Blankenfelder Chaussee biegt der Alte Bernauer Heerweg nach Westen ab. Nach links lohnt der Aufstieg zur Lübarser Höhe, 85,3 Meter misst die zum „Freizeitpark Lübars“ umdekorierte Ex-Mülldeponie. Im Natursteinkreis auf seinem Gipfel chillen Mädchen und Jungen, kippen Bier, hören seichten Pop und blicken erheblich entschleunigt auf das Märkische Viertel hernieder, das dort unten in der Abendsonne liegt, als hätte es dort jemand zum Trocknen ausgebreitet. Runter vom Berg, kriegt man auf einem Pfad zurück nach Lübars noch mal eine Ladung Weite kredenzt: rechts Feld, links Feld, überall Wind. Und dann ist die Kirche Alt-Lübars schon ganz nah.

Spaziergang durch Lübars: Tour-Infos

Routenplaner Von der Bushaltestelle an der Kirche Alt-Lübars geht es über die Benekendorffstraße, den Büchenbronner Steig und durch die Lübarser Höhe zurück zur Bushaltestelle Alt-Lübars.
Länge & Dauer 12 km, etwa 4 Stunden.
Kultur-Stopp Labsaal, Festsaal direkt neben dem Alten Dorfkrug, Alt-Lübars 8, Lübars. Hochzeits- und Veranstaltungslocation, u.a. mit Gesprächsreihen, Tanzkaffee, Kleidertauschbörsen u.v.m., mehr Infos hier.
Fun-Fact Eine Gedenkstätte zwischen Lübars und Glienicke stellt zwei furchterregende Stachelmatten aus, die 2013 in den Eichwerder Moorwiesen entdeckt wurde. Die Gitter aus Baustahl sind mit zehn Zentimeter langen, nach oben stehenden Dornen versehen. Diese Matten wurden von der DDR im Grenzgebiet versteckt, um ihren Bürgern die Republikflucht noch unangenehmer zu machen. Bei den DDR-Grenztruppen hießen sie „Spargelbeet“. Im Westen hießen sie, zutreffender, „Stalinrasen“.


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