ABO
AusflügeTipPlus Logo

Reinickendorf: Von weißen Häusern und alten Kirchen

Ein Spaziergang durch Reinickendorf, der an einigen architektonischen Besonderheiten vorbeiführt – und zum Kern des einstigen Dorfes
Text: tipBerlin Redaktion
Veröffentlicht am: 01.04.2026
Home » Stadt » Ausflüge » Reinickendorf: Von weißen Häusern und alten Kirchen
Auf eurem Spaziergang nicht verpassen: die Dorfkirche in Alt-Reinickendorf. Foto: Martin Schwarz 

Auf dieser Tour ist einiges in Stein gemeißelt – sozusagen. Unsere Route durch Reinickendorf verheißt nämlich einige Architektur-Freuden: von zwei großen sozialen Wohnbauprojekten der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts bis zum alten Siedlungskern des Bezirks, als Reinickendorf noch genau das war: Dorf.

Los geht’s an der trubeligen Residenzstraße. Von dort führt unser Weg am kreisrunden Schäfersee entlang. Hier könnte man jetzt auch für eine Partie Minigolf verweilen, ein Boot ausleihen oder, Besitz vorausgesetzt, seinem Vierbeiner in einem eingezäunten Hundegarten mit Hindernisparcours ein Fitnessprogramm verabreichen. Aber wir sind heute nicht gekommen, um zu bleiben.

Von der Wohnanlage Residenzstraße kommt man geradewegs zur Emmentaler Straße. Zwischen Genfer Straße und Aroser Allee bestaunen wir die Weiße Stadt, das erste architektonische Highlight des Wegs. Das letzte große Siedlungsprojekt der Weimarer Neuen Sachlichkeit verblüfft – wie könnte es anders sein – besonders durch die schnörkellosen weißen Fassaden seiner Häuserzeilen.

Wer die Aroser Allee weitergeht, sollte sich Alt-Reinickendorf nicht entgehen lassen. Hier steht noch die alte Dorfkirche, deren Bau auf das 15. Jahrhundert datiert wird. Mit ihrem Mauerwerk aus unverputzten Feldsteinen fällt die Kirche schon von weitem auf. Da die Kirche wie auch der Straßen- und Häuserverlauf noch aus einer Zeit stammen, in der Reinickendorf ein kleiner Vorort von Berlin war, stellt sich hier eine ganz ungewohnt ländlich-provinzielle Atmosphäre ein. Bei einem kurzen Abstecher in den angrenzenden Kienholzpark schauen wir einigen Hunden beim Spielen zu.

Überbau mit Denkmalschutz: die Siedlung Padenpfuhl in Reinickendorf. Foto: Martin Schwarz

Unsere Route führt uns nun wieder zurück ins historische Reinickendorf. Am Freiheitsweg befindet sich die Kriegsgräberstätte Reinickendorf. Das kleine Friedhofsgelände ist den Opfern von Krieg und Gewaltherrschaft gewidmet. Hier sind vornehmlich Opfer der beiden Weltkriege zur letzten Ruhe gebettet. Etwa die Hälfte der Toten sind zivile Bombenopfer und Flüchtlinge. Verlässt man das Gelände durch das Eisengatter, grüßen von der gegenüberliegenden Hausfassade auch schon die Graffiti- Tags. Der abrupte Wechsel von kontemplativen Gedächtnisort zu temperamentvoller Großstadt könnte kaum surrealer wirken.

Über die Klemkestraße erreichen wir das andere große Sozialwohnbauprojekt unserer Tour: die Siedlung Paddenpuhl. Ihre farbig abgesetzten Fenster, Loggien und Ecken verbreiten ein gewisses Art-déco-Flair. Die Siedlung ist mit ihren dekorativen Stilelementen eine echte Besonderheit der Stadt. Seit den 50er-Jahren steht sie unter Denkmalschutz. Nach der Beschaulichkeit der Wohnhäuser in der Breitkopfstraße begrüßt uns die Residenzstraße wieder mit ortstypischem Verkehrslärm.

Text: Helge Scholz

Spaziergang durch Reinickendorf: Tour-Infos

Routenplaner Start: U-Bahnhof Franz-Neumann-Platz (U8). Dann: Schäfersee, Weiße Stadt an der Emmentaler Straße und Aroser Allee, Dorfanger Alt-Reinickendorf, Freiheitsweg, Klemkestraße, Breitkopfstraße und Mittelbruchzeile zurück zum U-Bahnhof Franz-Neumann-Platz an der Residenzstraße.
Länge & Dauer 6,3 km, etwa 2,5 Stunden.
Essen & Trinken „Churrolade“, Residenzstr. 115, Reinickendorf, Mo–Do 14–23 Uhr, Fr+Sa 12–23 Uhr. Neben Kaffee und Eis gibt es hier das ­namensgebende Schmalzgebäck, das man sich je nach Gusto mit Toppings, Soßen und Füllungen ausstatten lassen kann.
Kultur-Stopp Die Kriegsgräberstätte ­Reinickendorf, Freiheitsweg 64, für die ­Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft.
Fun-Fact Der Schäfersee wird seit 2001 jedes Jahr mit einem „Baum des Jahres“ bepflanzt. Rund 30 ausgezeichnete Bäume sind in der „Allee der Jahresbäume“ bisher angesiedelt. Baum des Jahres 2026 ist ­übrigens die Zitterpappel.


Mehr zum Thema

Schöne Feiertage: Hier sind Tipps für Ostern in Berlin. Gang zwischen zwei Türmen: Beim Spazieren durch Siemensstadt stößt man auf Architekturgeschichte.  Spaziergang durch Spandau: Zwischen Wald und wehrhafter Festung. Seentour: Unser Spaziergang durch Weißensee zeigt euch ein Gewässer nach dem anderen. Wasser und Weite (noch) in der Stadt: unser Spaziergang durch das Erpetal führt euch in die Natur. Unser Gang durch Britz zeigt euch den Stadtteil von seiner grünen Seite. Ihr wollt die Hektik der Stadt hinter euch lassen? Unsere Spazierroute durch Westend hilft weiter. Egal zu welcher Jahreszeit: Diese schönen Spaziergänge durch Berlin zeigen euch die Stadt von ihrer besten Seite. Wir stellen euch weitere Orte in Berlin vor, wo ihr im Frühjahr die Kirschblüten bewundern könnt. Für einen ruhigen, freien Kopf nach einer langen, vollen Woche empfehlen wir euch diese schönen Waldspaziergänge in Berlin. Lohnt sich auch immer: ein Ausflug nach Spandau. Wir stellen euch einige schöne Spaziergänge durch Spandau vor – zwischen Wäldern, Parks und Hügeln. Und auch die Routen durch Berlins Osten, die wir euch hier empfehlen, reichen von Friedrichshain bis Köpenick, von Weißensee bis Mahlsdorf. Wenn ihr Inspiration für Tage an der frischen Luft oder neue Orte sucht, werft unbedingt einen Blick in unsere Rubrik „Ausflüge“.

Das könnte dich auch interessieren