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Spaziergang durch Weißensee: Von See zu See

Unsere Multi-See-Tour in Lichtenberg und Weißensee erstreckt sich vom Fennpfuhl über den Oranke- bis zum Weißen See
Text: Erik Heier
Veröffentlicht am: 01.04.2026
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Der Obere See ist auch für Kunstfans eine gute Adresse. Foto: Erik Heier 

Der Fennpfuhl-Park ist sowas wie der Central Park von Lichtenberg. Im 9,5-Hektar großen Park träumen wir uns die rundherum aufregende erste Plattenbau-Großsiedlung Ost-Berlins , die dieses Jahr 50 wird, einfach mal zur Upper East Side des Anton-Saefkow-Platzes hoch. Muss man nur wollen. Den See rechts umkurvend, verlassen wir gen Norden den Park am Hundeauslaufplatz, wo ein Bullterrier bräsig auf Frauchen blickt. Auf der anderen Seite der Landsberger Allee drückt sich ein schmaler Grünstreifen an einem dieser sagenhaft sonderbar hakenschlagenden Baller-Bauten vorbei. Würde Wiglaf Droste noch leben, er hätte an der Friseur-Firmierung „HAiRTie“ unten im Haus viel Spaß.

Ab ins Wasser (wer sich traut): das Strandbad am Orankesee. Foto: Imago/Sabine Gudath

Auf der anderen Seite der Hohenschönhausener Straße gehen wiederum Grüße nach Stonehenge raus, als wir durch monolithisch grobe, zu einem Tor aufgeschichtete Steinquader schreiten, die in den Volkspark Prenzlauer Berg führen. Von dort steigen wir der mit Kriegstrümmerschutt vom Viertel um den Alex aufgeschütteten Oderkippe aufs Plateau. Rechts am Hang führt der Weg schnurgerade durch die Kleingartenanlage „Langes Höhe“, vorbei am Jüdischen Friedhof Weißensee – unbedingt einen gesonderten Spaziergang wert! – und hinter dem Weißenseer Weg zwischen der mächtigen Berliner-Kindl-Schultheiss-Brauerei und dem weitläufigen Sportforum Berlin bis zum Internat „Haus der Athleten“.

Nach rechts geht dahinter der Orankeweg ab – zum, genau, Orankesee, mit Blick auf dessen schönes Strandbad. Die, klar, Orankesee-Terrassen, ein griechisches Restaurant mit Biergarten, sind eine Rast-Option. Und da kommt auch schon das nächste Gewässer – Herrschaften, die Mecklenburgische Seenplatte ist ein Witz gegen unsere Tour! –: der Obersee, wo der Wasserturm aus dem Oberseepark herausragt. Vom anderen Ufer grüßt das Mies-van-der-Rohe-Haus, das letzte Wohnhaus, das der Bauhaus-Architekt 1932 vor seiner Emigration plante. Von dort gehen wir so lange geradeaus, bis wir durch ein Tor in einem typischen DDR-Zaun das Naturschutzgebiet Fauler See betreten, den kleinen See fast ganz umrunden. Ornithologen, aufgemerkt! Hier wurden rund 140 Vogelarten beobachtet. Wild ist das Gehölz, Wind fährt in fahrige Fichten. Es knackt sehr vernehmlich.

Bonusgewässer: Der Fischteich im Werner-Klemke-Park bildet den Abschluss unserer Seentour. Foto: Imago/Emmanuele Contini

Zurück also zum Orankesee, wieder ein grüner Pfad, schön, schön. Schließlich erreichen wir den Weißen See, Ziel in Sicht. Im Sommer sieht man die Wiesen im Park vor Leibern nicht, oder was von Rasen übrig ist. Wer mag, beschließt jetzt im Strandbad mit einem Drink die Seen-Tour. Aber wir hätten da noch ein Bonus-Gewässer zu bieten. Hinter dem Lokal Milchhäuschen im DDR-Flachbau-Schick mit Seeblick-Terrasse führt eine Straße zum sechsten See der Tour, dem putzigen Goldfischteich im kleinen Werner-Klemke-Park. Falls auf der anderen Teichseite die Tür zum weiten Innenhof der rot geklinkerten Woelckpromenade offen ist, unbedingt reinschauen! Man nennt die Gegend hier ja nicht aus Daffke Holländerviertel.

Dann zurück zum Weißen See. Jetzt also ein finales Strandbad-Bier. Und wir prosten der überm See versinkenden Sonne zu. Capri ist Kappes dagegen.

Spaziergang durch Weißensee: Tour-Info

Routen-Planer Von der Tramstation am Anton-Saefkow-Platz durch Fennpfuhlpark und Volkspark Prenzlauer Berg entlang am Oranke- und Obersee bis zur Straßenbahnhaltestelle an der Ecke Weißer See/Berliner Allee.
Länge & Dauer 12 km, etwa 4 Stunden
Kultur-Stopp Mies van der Rohe Haus, Oberseestr. 60, Lichtenberg, Di-So 11-17 Uhr, Eintritt frei. Museum und Galerie mit wechselnden Ausstellungen, mehr Infos hier.
Fun-Fact In der Freilichtbühne Weißensee, Große Seestr. 10, mit ihrem ans Münchener Olympiastadion erinnernden Zeltdach drehte Andreas Dresen die finale Konzertszene seines Spielfilms „Gundermann“ (2018), der die Autobiografie des singenden Baggerfahrers Gerhard Gundermann nachzeichnet.


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