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Wedding: Spaziergang auf der Sonnenseite

Auf dieser Tour entdecken wir kaum bevölkerte Parks, einen schönen See, Architektur von Weltrang und Kunst
Text: Stefanie Dörre
Veröffentlicht am: 01.04.2026
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Ein malerischer Bezirk: Gesprayte Krokusse am Weddinger Nordufer. Foto Stefanie Dörre 

Die berühmtesten Weddinger sind „Gewachsen auf Beton“. Das sagt das Mural für die drei Boateng-Brüder an der Kreuzung von Pank- und Badstraße. So werden Mythen gemacht. Doch entgegen der im Rest der Welt zementierten Meinung, der Wedding wäre quasi komplett asphaltiert, ist unsere Strecke ziemlich grün. Street-credible grün natürlich, nicht niedlich. Unsere Tour startet am S- und U-Bahnhof Wedding, wo der tipBerlin sein Domizil hat. Gleich hinter der Tankstelle beginnt der Sprengelkiez. Wir gehen die Lynarstraße entlang, wo in der Nummer 38-39 Genossenschaftsarchitektur in Holzbauweise steht. Überqueren den Sparrplatz, biegen ab in die Sprengelstraße. Hier schlägt das Herz des Sprengelkiezes, des Prenzlauer Bergs von Wedding, mit hübschen Lokalen und Geschäften, nur dass am Sonntagnachmittag vor den Cafés noch genügend Plätze in der Sonne frei sind.

Form folgt nicht immer der Funktion: der spiralförmige Rathenau-Brunnen, gestaltet von Georg Kolbe. Foto: Stefanie Dörre

Wir flanieren weiter durch den Sprengelpark und kommen zum Nordufer. Hier fließt der Hohenzollernkanal, man kann unten am Wasser auf einem Sandweg gehen. Oder oben auf dem Bürgersteig. Unten ist der Weg plötzlich zu Ende und die Böschung abgerutscht. Aber das ist ja hier kein Kurort. Gegenüber liefert das Kraftwerk Moabit Energie. Weiter geht es: am anderen Ufer der riesige Westhafen, hinter der Mauer rechts das Virchow-Klinikum. Stadtrand-Feeling in der Mitte Berlins.

Gefolgt vom Strand-Feeling. Vor uns taucht der Plötzensee auf, der hat ein hübsches Strandbad aus den 20er-Jahren (Saisoneröffnung 1. Mai). Hier sollten sich die Weddinger Arbeiter erholen. In den Sommermonaten waren das bis zu 10.000 Menschen am Tag. Heute ist im weitläufigen Volkspark Rehberge, gleich dahinter, erstaunlich wenig los. In seiner Mitte liegt der Rathenau-Brunnen. Warum auch immer er die Form einer Spirale hat. Gestaltet von Georg Kolbe. Zerstört von den Nazis. 1987 als Replik wieder aufgestellt.

Unscheinbares Welterbe: die Siedlung Schillerpark im Wedding. Foto: Imago/Joko

Im Nordosten grenzt der Park an den Teil des Afrikanischen Viertels, dessen Straßen die Namen von Kolonialverbrechern tragen. Initiativen fordern die Umbenennung. Auf dem Nachtigalplatz steht seit März die obere Hälfte der „Statue of Limitations“ des Künstlers Kang Sunkoo. Eine schwarze Fahne auf Halbmast. Die untere Hälfte ist im Humboldt Forum. Wer links unter Häusern hindurch in die Togostraße geht, steht in der neusachlichen Friedrich-Ebert-Siedlung. Von hier ist es nicht weit zur UNESCO-Welterbesiedlung Schillerpark, erbaut 1924-1930 nach Plänen von Bruno Taut. Großartig. Durch den unterschätzten Schillerpark geht’s dann zurück zur Müllerstraße.

Spaziergang durch den Wedding: Tour-Infos

Routenplaner Vom S- und U-Bhf. Wedding geht es durch die Müllerstraße, vorbei am Plötzensee und durch den Schillerpark wieder zurück zum S- und U-Bhf. Wedding.
Länge & Dauer 10,1 km, etwa 3 Stunden
Essen & Trinken Mars, gelegen im Silent Green Kulturquartier, Hausnummer 35, Wedding, Mo–Fr 12–15 Uhr Mittagstisch, Café bis 18 Uhr, Sa+So Brunch 10–15 Uhr, Café bis 17 Uhr. Hier wird Soulfood von ­Italien bis Vietnam serviert.
Kultur-Stopp Siedlung Schillerpark in der Bristolstraße/Windsorer Straße. Sie zählt seit Juli 2008 mit fünf anderen Siedlungen der Berliner Moderne zum UNESCO-­Welterbe.
Fun-Fact Vor dem Centre Français steht ein Eiffelturm en miniature. Was immerhin noch so zehn Meter Höhe sind. Wenn uns die Paris-Sehnsucht packt. In dem Gebäude ist auch das tolle City Kino Wedding.


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