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Bob Young ist tot. Nachruf auf eine Club-Legende

Wollte man die Geschichte der Berliner Partyszene nach der Wiedervereinigung schreiben, dann gebührte Bob Young darin ein eigenes Kapitel. Ein Nachruf
Text: Stefan Sauerbrey
Veröffentlicht am: 19.06.2026
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Bob Young 2006 im Café Moskau. © Imago/David Heerde

Anfang der wilden 90er-Jahre gründete er das 90 Grad mit. Der Name entstand in seiner Küche – dort stand, wie so oft im Berlin jener Zeit, die Waschmaschine. Seine 90°-Partnerin Britt Kanja fuhr auf Rollerblades durch Berlin-Mitte und verteilte Flyer an Menschen, von denen sie glaubte, dass sie in diesen Club passen würden. Auf diesem Weg gelangte auch ich in das Universum von Bob Young.

Es war ein Universum voller Partys, die eine ganze Stadt prägten. Im WMF übernahm er den Sonntag und schuf damit seine langlebigste Reihe: das GMF. Hier legten die aufstrebenden DJ-Stars ihrer Zeit auf, später kamen Größen wie Paul van Dyk und Westbam regelmäßig vorbei. Doch Bob Youngs Kosmos bestand aus weit mehr als Musik. Er schenkte Berlin seine Partykidz – jene wunderbaren Gestalten der Nacht, die jede Veranstaltung in eine Party verwandelten. Selbst seine Türsteher wurden zu Szenepersönlichkeiten.

Bob war Amerikaner, blickte jedoch oft kritisch auf seine Heimat. Berlin dagegen liebte er. Der Stadt schenkte er unter anderem die legendären Halloween-Partys der frühen 2000er-Jahre. In seiner Charlottenburger Wohnung bewahrte er ein ganzes Zimmer voller Fotografien aus dieser Zeit auf – ein Archiv der Berliner Nachtkultur. Viele wünschten sich, dass er diese Geschichten eines Tages aufschreiben würde.

Vor zwei Wochen trafen wir uns zuletzt auf der Feier eines Berliner Filmemachers. Nach einem schweren Fahrradunfall war er in der Reha. Doch Bob war gut gelaunt, scherzte und erzählte lachend, dass er dort der Jüngste sei.

Nun ist Bob Young gestorben.

Der Zeremonienmeister meiner frühen Partyjahre ist gegangen. Mit ihm verliert Berlin eine Persönlichkeit, die das Nachtleben dieser Stadt über Jahrzehnte mitgeprägt hat. Viele Menschen werden sich jetzt an die besten Nächte ihres Lebens erinnern. Denn bei Bob waren alle willkommen.

Er wird schmerzlich vermisst werden. Doch die Erinnerungen bleiben – an einen Gastgeber, der Menschen zusammenbrachte, Räume für Freiheit schuf und Berlin unzählige unvergessliche Nächte schenkte.


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