Familiensonntag im Jüdischen Museum

Sonntags ins Museum, ohne Eintritt zu bezahlen– dreieinhalb Jahre lang gab es einmal im Monat dieses beliebte Angebot vieler Berliner Museen, Ende 2024 war damit angesichts der Sparmaßnahmen Schluss. Im Jüdischen Museum Berlin (JMB) aber sind der Eintritt in die Dauerausstellung und die Kinderwelt ANOHA grundsätzlich kostenlos. Nun hat das Museum anlässlich seines 25-jährigen Jubiläums auch noch ein kostenfreies, monatliches Sonntags-Programm von Juni bis Jahresende voller Workshops, Aktionen, Führungen und mehr auf die Beine gestellt.
Kostenlose Familiensonntage im Jüdischen Museum Berlin mit Workshops, Führungen und Mitmachaktionen
Angebote für Kinder sind der Schwerpunkt, den Kurator:innen war es aber wichtig, möglichst viele Altersgruppen und überhaupt ein möglichst buntes Publikum anzusprechen: „Wir wünschen uns, dass ganz unterschiedliche Menschen zusammen kommen, Neugier mitbringen und gemeinsam etwas erleben und kreativ werden“, sagt Nina Wilkens, Mitarbeiterin der Bildungsabteilung im JMB. Sie hat das Programm gemeinsam mit zwei Kolleginnen aus dem Kindermuseum ANOHA und der ebenfalls im Museumskomplex beheimateten öffentlichen Bibliothek in der W. Michael Blumenthal Akademie zusammen gestellt.
„Wir haben zum einen recherchiert, welche Angebote in der Vergangenheit besonders gut ankamen, und andererseits auch neue Programmpunkte entwickelt,“ sagt Nina Wilkens. Vieles sind Drop-in-Angebote, bei denen es ein stetiges Kommen und Gehen gibt, andere haben feste Startzeiten und eine begrenzte Teilnehmer:innenzahl. Manche Angebote kehren immer wieder, andere sind nur an bestimmten Sonntagen im Programm.

© Jüdisches Museum Berlin, 2003/9/0, Foto: Roman März
„Zum Start im Juni haben wir den Schwerpunkt auf das Thema Architektur gelegt“, sagt Nina Wilkens. Anlass ist die Sonderausstellung „Between the Lines“ über den Museumsbau von Architekt Daniel Libeskind, der im Mai seinen 80. Geburtstag feierte. Mit dem Workshop „Das ver-rückte Haus“ steht ein echter Klassiker auf dem Programm. Kinder erkunden, was passiert, wenn wie im Museumsbau die Wände schief sind oder Treppen im Nichts enden und bauen anschließend eigene Häuser aus Pappe, Draht und Modelliermasse. Für Jugendliche ab 14 gibt es mit „Scribble – die Libeskind-Architektur im Zeichenblock“ ein neues Format, bei dem sie ihre Erlebnisse mit dem ungewöhnlichen Gebäude zeichnerisch festhalten.
Jüdisches Leben, Vielfalt und Menschenrechte für Kinder erklärt
Auch jüdisches Leben und jüdische Traditionen sind immer wieder Thema. Im Workshop „Wort. Die Bedeutung von Worten im Judentum“ geht es, ausgehend von der Tora-Rolle, um die Frage, was Sprache kann, oder um die Klänge verschiedener Sprachen wie Jiddisch oder Hebräisch. Die Kinder lernen hier auch, den eigenen Namen in hebräischer Schrift zu schreiben. Die Führung „Über Brote“ dreht sich um biblisches Gebäck, anschließend können Teilnehmer:innen besondere Backwaren wie die Challa probieren, ein Hefezopf, der traditionell zum Schabbat gegessen wird.
Der Schabbat und die Frage, wie man sich am besten ausruht, sind dann nochmal ganz explizit Thema im September, wenn die Comic-Autorin Nathalie Frank zum Workshop „Ruhezeit in Bildern“ einlädt. Im Dezember wiederum steht das Lichterfest Chanukka im Mittelpunkt. Auch spannend zu erfahren: Jüdische Menschen feiern Feste wie Chanukka, Pessach oder das Neujahrsfest Rosh-ha-Schanah unterschiedlich und legen Regeln wie die Speisegesetze sehr individuell aus: „Es gibt nicht die eine jüdische Perspektive, sondern es gibt ganz viele jüdische Perspektiven“, sagt Nina Wilkens.
Wie willkommen alle noch so unterschiedlichen Besucher:innen sind, zeigt auch der wiederkehrende Workshop „Symbole und Menschenrechte als Patchwork“ der Textilkünstlerin Adi Liraz. Hier halten die Teilnehmer:innen ihre Ideen und Wünsche für Gerechtigkeit und ein gutes Miteinander auf textilen Formen fest, die zu einem ständig wachsenden Teppich verwoben werden. Ähnlich funktioniert auch der Workshop „Regenbogenfragen“. Im Vorfeld haben Kinder Fragen ausgewählt wie „Was macht dir Freude?“, „Wofür bist du dankbar?“, „Was gibt es zu wenig und was zu viel auf der Welt?“. Die Teilnehmer:innen notieren ihre Antworten auf farblich sortierten Zetteln, die nach und nach zu einem Regenbogen zusammen wachsen – ein starkes Symbol für Vielfalt.