Palast der Republik: Ein Asbest-of zum 50. Geburtstag

Vor 50 Jahren wurde der Palast der Republik in Ost-Berlin eröffnet. Es war ein beispielloser Prestigebau der DDR, der politisches Zentrum, Gastronomie, Kultur und Freizeit in sich vereinte. Hier beschloss die einzige jemals frei gewählte DDR-Volkskammer nach der friedlichen Revolution den Beitritt zur Bundesrepublik. Dann wurde das Haus wegen Asbest-Belastung geschlossen – und allen Protesten zum Trotz abgerissen. Wir erinnern an die Geschichte.
Baustelle der Republik: Aufbruch und Asbest

Ein zentrales Gebäude in Ost-Berlin, das mit großer Geste Staatsmacht und Volksbeglückung bündelte: Das ist, sehr kurz gefasst, die Idee des Palasts der Republik, der am 23. April 1976 feierlich eröffnet wird – nach vergleichsweise kurzer, nicht einal dreijähriger Bauzeit – hier könnte jetzt ein BER-Witz stehen – und mit eingebautem Geburtsfehler, der seine Betriebsdauer 14 Jahre später abrupt beenden sollte: die brandschutztechnische Ummantelung der Stahlträger aus Spritzasbest.
Eine hochmoderne Konstruktion an der Spree mit Flachdach, Marmorfußboden und getönten Scheiben. Und das in der politisch windschiefen Konzeptkombination der sozialdemokratischen Volkshäusertradition des ausgehenden 19. Jahrundert und von Stalins sowjetischen Kulturpalästen des frühen 20. Jahrhunderts. Ein Wunschbau des neuen Machthabers Erich Honecker, der 1971 den bisherigen starken Mann der DDR, Walter Ulbricht, kalt gestellt hat. Die Bezifferung der Kosten für den Bau reicht von offiziell angegebenen knapp 500 Millionen Mark der DDR bis zur doppelten Summe von einer Million DDR-Mark.
Honecker legt am 2. November 1973 den Grundstein, ein gutes Jahr später wird bereits das Richtfest gefeiert. Im April 1976 bestaunen die DDR-Bürger einen Bau, wie es ihn in der DDR noch nicht gegeben hatte. Es gibt einen großen Veranstaltungssaal für bis zu 4500 Zuschauer mit variabeler Konfiguration, einen kleineren Saal für das DDR-Parlament, die Volkskammer. Man kann auf einer Bowlingbahn die Kugel schieben, in einer Disko dreht sich die Tanzfläche, mehr als ein Dutzend gastronomische Einrichtungen bieten kulinarische Erlabung, es öffnet ein Theater im Palast – und es hängen tausende Kugelleuchten, die unter anderem das Foyer bescheinen. Der Spitzname „Erichs Lampenladen“ kommt nicht von ungefähr.
Der Palast der Republik ist allerdings auch ein „Erichs Abest-of“. Die Verwendung des damals bereits als krebserregend geltenen Spritzasbest war schon seit 1969 in den Bauordnungen und Vorschriften der DDR verboten. Die Staatsmacht hatte sich jedoch darüber hinweg gesetzt, bauliche Alternativen hätten Zeit gekostet, Erich Honecker war ungeduldig.
Bei der Eröffnung legt er mit Gattin Margot, die später als Volksbildungsministerin mit blauen Haaren berüchtigt wird, einen veritablen Walzer aufs Marmor-Parkett.
Zentrum der Macht: Marsch durch die neue Mitte

In der Mitte von Ost-Berlin hatte ein städtebauliches Loch geklafft, seit die SED die Reste des im Zweiten Weltkrieg schwer zerstörte Hohenzollenschlosses 1950 sprengte. Der Palast der Republik gibt der DDR, die sich nach dem Mauerbau politisch und wirtschaftlich stabilisiert und mit wachsendem Selbstbewusstsein auftritt, ein neues Zentrum auf der Speeinsel – in Nachbarschaft von Lustgarten, Dom und dem bereits Anfang der 60er-Jahre errrichteten Staatsratsgebäude, in dem das historische Portal IV des Staatsschlosses integriert wurde. Vorher hatte es Ideen für ein Zentrales Regierungshochhaus der DDR für diese Platz gegeben, den der legendäre Architekt Werner Henselmann entworfen hatte, der auch der Ideengeber für die Stalin-Allee war. Die kühne Idee fiel später eskalierenden Kosten zum Opfer.
Entworfen wurde der Palast der Republik von einem Kollektiv der Bauakademie der DDR um den Architekten Heinz Graffunder. Ihn und weitere wichtige DDR-Architekten stellen wir hier vor. Die markant-moderne, strahlend weiß umrandete Glasfassade des Palastes der Republik mit dem DDR-Emblem im Zentrum – Hammer und Zirkel im Ehrenkranz – ist ein deutliche städtebauliche Ansage: Die Partei, die Partei, die hat immer Macht.
Eine perfekte Kulisse auch für das Wachregiment Friedrich Engels, das vor dem Palast der Republik zur Großen Wachablösung marschiert.
SED-Parteitage im Palast der Republik: Genossen-Gaudi mit Blumen

Drei SED-Parteitage finden im Palast der Republik statt, sie werden alle fünf Jahre abgehalten. Der erste, einen Monat nach der Eröffnung, beschert Erich Honecker frische Blumen – und die rückhaltlose Unterstützung der Delegierten. Diese wurden vom Zentralkomitee des SED eingeladen, das auch alle Redebeiträge vorher abnickte. Jubel, Trubel, erzwungene Einigkeit.
Obwohl die Reden der Führungskräfte hinterher vollständig und seitenlang im SED-Parteiorgan „Neues Deutschland“ abgedruckt werden, schreiben die Delegierten eifrig jedes Wort mit. Bei diesem IX. Parteitag bekommt Erich Honecker jenen Titel, den er bis zu seiner 1989 erzwungenen Abdackung unter anderem führen sollte: „Generalsekretär des ZK der SED“. Damit wird die 1953 nach sowjetischen Vorbild eingeführte Bezeichnung „Erster Sekretär“ wieder abgeschafft. Das höchste SED-Parteiamt ist fortan wieder der Generalsekretär des Zentralkomitees der SED. Und Honecker der mächtigste Mann im Arbeiter- und Bauernstaat.
Heller Wahnsinn: Erichs Lampenladen

Besonderer Blickfang ist im Foyer eine sagenhafte Lampenwolke – insgesamt sollen fast 10.000 Kugelleuchten im Palast gehangen haben –, die dem Haus des Volkes den besagten Spitznamen „Erichs Lampenladen“ eintragen. Im Foyer wird vor allem an den Wochenenden einiges für die Besucherinnen und Besucher geboten: Modenschauen, Tanzveranstaltungen für Amateure, Blasmusik-Konzerte.
In der Palast-Galerie gibt es großflächige Gemälde zu sehen, von DDR-Künstlergrößen wie Willi Sitte und Walter Womacka, die auch einem Autoren des seinerzeit West-Berliner Stadtmagazins tipBerlin auffallen, vor allem aber sauer aufstoßen: Der Palast der Republik „ist … kein normaler Bau, er ist ein kulturelles Ereignis ersten Ranges”, notiert der tipBerlin kurz nach der Eröffnung – „vollgestopft mit den geschmacklosesten Beispielen der offiziellen Kunst des sozialistischen Realismus, die man sich vorstellen kann“.
Gleichwohl: In den roten Ledersofas lässt sich trefflich der Werktätigentag vertrödeln, mit Blick auf das Marx-Engels-Forum hinter der großflächigen Glasfassade, oder auch auf die ikonische, mehr als fünf Meter hohe Glasblume im Zentrum des Hauptfoyers. Ein gern frequentierter Treffpunkt von Liebenden, die es sich danach in den breiten Sofas bequem machten, wie geschaffen zum Träumen, wie geschaffen zum Knutschen. Und danach ab in die Disko.
Kesselweise Buntes: Showtime im Großen Saal

Das Show-Epizentrum des Palastes ist der sechseckige Große Saal, der sich mittels schwenkbarer Parkettteile und flexibler Wänden überaus variabel auf eine Zuschauerzahl zwischen 1000 und 4500 Zuschauern konfigurieren lässt – mit dem seinerzeit vernachlässigten Schönheitsfehler, dass mit der Transformation des Innenraums auch einiger Asbest-Staub hernieder rieselt.
Der Saal ist einer der Aufzählungsorte der DDR-Straßenfeger-Veranstaltung „Ein Kessel Buntes“, bei dem auch die Volksentertainerin Helga Hahnemann das Publikum ergötzt, Spitzennahme „Henne“, eine Frohnatur mit erheblichem Kippenkonsum, die 1991 an Lungekrebs verstirbt und posthum zum Namensgeber für den Fernseh- und Publikumspreis „Goldene Henne“ wird.
Eine weitere bedeutende Veranstaltung ist das „Festival des politischen Liedes“, das zwischen 1970 und 1990 jährlich im Februar von der DDR-Jugendkaderschmiede FDJ ausgerichtet wird und mit internationalen Stars wie Mikis Theodorakis, Miriam Makeba und Pete Seeger auftrumpft. Carlos Santana spielt hier 1987 zwei ziemlich legendäre Konzerte. Außerdem treten DDR-Vorzeigebands wie die Puhdys zu den Festivals „Rock für den Frieden“ an.
Der vielleicht legendärste Gig im Palast dauert allerdings gerade mal eine Viertelstunde. Und bringt dem Interpreten überschaubaren Jubel ein: aus Gründen.
Nur der kleine Udo: Die Panik vor Lindenbergs Orchester im Palast der Republik

Die Staatmacht in Panik – vor dem Panik-Orchester. Udo Lindenberg tritt mit seiner Begleitkombo am 25. Oktober 1983 im Palast der Republik auf. Die dafür gern gebrauchte Bezeichnung „Konzert“ ist freilich nicht ganz richtig. Es ist ein Auftritt mit drei Liedern, zwei Reden – und einer jahrelangen Vorgeschichte, der kein Happy End folgen sollte. Denn die DDR-Tournee, die der damals 33-jährigen Filzhut-Fan in Röhrenhosen mit Tänzel-Taktschritt danach antreten will, kommt nie zustande. Sein einziges „DDR-Konzert“ bleibt daher tatsächlich: eine rund 20-minütige Show vor freundlich desinteressiertem Publikum.
Die Stasi hatte Lindenbergs Werdegang schon Jahre vorher mit einigem Missvergnügen verfolgt. Der lässt sich aber nicht von seinem Vorhaben, die DDR zu bespielen, abbringen, und dichtet 1983 einen deutschen Text auf eine alte Glen Miller-Nummer, die „Sonderzug nach Pankow“ hieß und unter anderem so geht: „Und ich sag: Ey Honey/ ich sing für wenig Money/ Im Republik-Palast/ wenn ihr mich lasst/ All die ganzen Schlageraffen dürfen da singen/ Dürfen ihren ganzen Schrott zum Vortrage bringen/ Nur der kleine Udo/ nur der kleine Udo/ Der darf das nicht und das verstehen wir nicht.“
Tatsächlich lädt die FDJ Lindenberg zu einem Friedenskonzert gegen den Nato-Doppelbeschluss ein, bei dem unter anderen auch der progressive US-amerikanische Musiker Harry Belafonte auftritt. Lindenbergs Konzert-Manager Fritz Rau hatte für Belafontes Teilnahme zur Bedingung gemacht, dass auch „der kleine Udo“ nun tatsächlich im Palast spielen darf. Während sich viele wahre Lindenberg-Fans vor dem Palast der Republik mit einem kurzen Gruß ihres Idols begnügen müssen, besteht das Publikum im Saal vornehmlich aus linientreuen FDJ-Anhängern, die Lindenbergs Set mit den Songs „Wozu sind Kriege da“, „Kleiner Junge, Ostsee“ und „Ich bin Rocker“ reichlich unbeteiligt über sich ergehen lassen.
Die Stasi überwacht Lindenbergs DDR-Besuch rund um die Uhr. Und als der darob verärgerte Rocker in seiner Rede nicht nur die Stationierung der amerikanischen Pershing-Raketen in der BRD, sondern auch der sowjetischen SS-20-Raketen in der DDR kritisiert, zieht die Staatsmacht die Reißleine. Udo Lindenbergs DDR-Tour wird gestrichen. Cancel-Culture made in GDR.
Später versucht es Lindenberg sogar mit einer Brieffreundschaft mit Erich Honecker, die beiden tauschen auch Konsumgüter aus. Lindenberg schenkt Honecker eine Lederjacke, der revanchiert sich mit einer Schalmei. Eine neuerliche Auftrittsgenehmigung gibt es aber nicht mehr für Udo Lindenberg.
Sein Auftritt im Palast der Republik bleibt daher: legendär.
Letzte Runde zum 40. der DDR: Geburtstag mit Gorbi

Während es im Land gärte, den ganzen Sommer über viele Bürger der DDR den Rücken zukehrten, sich über die von Ungarn geöffnete Grenze nach Österreich und von dort aus in die BRD verabschiedeten, feiert die DDR ihren 40. Jahrestag, als gäbe es ein Morgen. Im Palast der Republik findet, nach Fackelzug tags zuvor, die Festveranstaltung statt. Gekommen ist auch der sowjetische Staats- und Parteichef Michail Gorbatschow, ein Reformer, dessen Versuche, die Diktatur des Proletariats in seiner Heimat mit „Glasnost“ und „Perestroika“ zu einem Sozialimus mit menschlichen Antlitz zu überführen, später krachend scheitern und einem gewissen Wladimir Putin ein ewiges Ärgernis sein sollten.
Vor dem Palast demontrieren DDR-Bürger für „Gorbi, Gorbi“, skandieren „Gorbatschow, rette uns“, wie dieser sich später erinnert. Dass das ganze Land nicht mehr zu retten sein würde, ahnt zu diesem Zeitpunkt kaum jemand. Es würde keinen 41. DDR-Geburtstag mehr geben. Und der Palast der Republik sollte kein ganzes Jahr mehr bis zu seiner Schließung haben.
Friedliche Revolution: Demokratie jetzt

Die größte nicht vom Staat organisierte Demonstration findet am 4. November 1989 auf dem Alexanderplatz statt. Die Veranstalter zählen eine halbe Million Teilnehmer, auf Transparenten werden freie Wahlen und eine Ende der SED-Herrschaft gefordert, und der gerade inthronisierte Staatschef Egon Krenz, der Erich Honecker zum Rücktritt gezwungen hat, findet sich auf einem lustigen Plakat als Großmutter mit großem Zähnen wieder. Auf der improvisiert aussehenden Rednerbühne sprechen so unterschiedliche Charaktere wie der regimekritische Schriftsteller Stefan Heym, der junge Schauspieler Jan Josef Liefers, der Rechtsantwalt und spätere letzte SED- und erste PDS-Chef Gregor Gysi, die Schriftstellerin Christa Wolf (die Thomas Brussig späterin seinem Roman „Helden wie wir“ mit Katarina Witts Trainerin Jutta Müller „verwechselt“) und der einstige Auslandsspionage-Chef Markus Wolf.
Danach zieht ein Teil der Demonstranten in Richtung Palast der Republik, aber nicht weiter zum Brandenburger Tor, wie die zunehmend konfuse Partei- und Staatsführung bangt. Das schwere Militärgerät, das außerhalb der Sichtweite der Demonstranten geparkt wird, nahe der Schönholzer Heide in Pankow zum Beispiel, kommt nicht zum Einsatz. Der Alexanderplatz und das Marx-Engels-Forum werden keine Plätze des Himmlischen Friedens, wie zuvor nicht der Leipziger Ring im Oktober. Zum Glück.
Letzte DDR-Volkskammer: Die freie Wahl

Die Volkskammer tagt im kleineren Saal des Palast der Republik. Dominiert wurde sie durch die SED, die freilich nie eine absolute Mehrheit hatte. Eine demokratische Wahl war die Prozedur zu ihrer Zusammensetzung gleichwohl nicht. Die Bürger konnten ihre Stimme nur im Block abgeben, für die Wahlliste der Nationalen Front, zu der neben der Einheitspartei auch die sogenannten Blockparteien wie die CDU, die liberale LDPD und die Bauernpartei DBD sowie die Jugendorganisation FDJ gehörten.
Nach dem gesellschaftlichen Umbruch 1989/90 kommt es am 18. März 1990 zur einzigen freien, demokratischen DDR-Volkskammerwahl, bei der – überraschend – die eine schnelle deutsche Einheit befürwortende Allianz für Deutschland, geführt von der CDU mit dem Rechtsanwalt Lothar de Maizière, eine deutliche Mehrheit gewinnt. Dank der Unterstützung durch Helmut Kohls West-CDU – und weil der SPD-Spitzenkandidat Ibrahim Böhme kurz vor dem Wahltag als Informeller Mitarbeiter des Stasi enttarnt wird.
Das DDR-Emblem verschwindet von der Wand der Volkskammer, wie es auch aus der Glasfassade des Palastes getilgt wird. Jammer, kein Zirkel, kein Ehrenkranz.
Die weitere Besonderheit an der letzten Volkskammerwahl ist das Fehlen einer Fünfprozenthürde, was einem satten Dutzend Parteien beziehungsweise Wahllisten den Einzug in die Volkskammer ermöglichte, bishin zum marxistisch-realsozialistischen Aktionsbündnis Vereinigte Linke, deren Stimmenanteil von 0,2 Prozent für einen Sitz reichte.
Am 23. August 1990, in den frühen Morgenstunden, beschließt die Volkskammer mit deutlicher Mehrheit den Beitritt zur Bundesrepublik am 3. Oktober 1990. Es gibt 363 Ja-Stimmen gegen 62 Nein-Stimmen bei sieben Enthaltungen.
Knapp einen Monat später muss die Volkskammer aus dem Palast ausziehen. Wie alle anderen Einrichtungen auch.
Hausverbot: You’re simply the Asbest

Gerüchte um eine Asbest-Verseuchung des Palastes hatte es schon lange gegeben. Die blieben aber lange unter der Decke. Bis 1990. Dann stießen Beschäftigte des Palastes eine Messung der Asbest-Werte an, aus Sorge um die Gesundheit. Mit dramatischen Folgen. Das folgende Gutachten einer Spezialfirma bestätigten die schlimmen Befürchtungen. Es empfahl eine sofortige Schließung der öffentlichen Räume. Und der Ministerrat der DDR, aufgeschreckt durch die Messungen und die öffentliche Diskussion, verfügte die komplette Schließung des Palastes zum 19. August 1990. Kurz vor der Wiedervereinigung.
14 Jahre hatte das Haus dem Volk und der Staatsmacht offen gestanden. Nun begann eine jahrelange Debatte, was aus dem Riesenkasten an der Spree noch werden sollte. Und werden konnte. Aber schlussendlich nicht wurde.
Jahrelang debattieren Befürworter eines Erhalts des Baus und Advokaten der Wiederherstellung der historischen Mitte erbittert. 1989 verschwindet der Palast hinter Planen, wird bis auf die Grundfesten entkernt, 2003 wird die Asbestsanierung abgeschlossen.
Aber im Jahr zuvor ist bereits der Wiederaufbau des Stadtschlosses in leicht veränderter Form beschlossen wurden. 2003 folgt der Abrissbeschluss, jeweils durch den Bundestag, der seit 1999 in Berlin im Reichstagsgebäude tagt. Es beginnt eine zweijährige Zwischennutzung bis zum endgültigen Abriss.
Eine letzte Ehrenrunde.
Feuchtgebiet: Volkspalast der Fassadenrepublik

Zwei Jahre lang bespielen verschiedene Kulturinitiativen den brach liegenden, entkernten Palast. Dafür wird er in „Volkspalast“ umbenannt. Kunst wird ausgestellt, Theaterstücke kommen zur Aufführung, es gibt provisorische Zuschauerbühnen. Bei der Eröffnung am 18. August an dem Ort, wo einst „Erichs Lampenladen“ residierte, bekommen Besucher mit Stehlampen freien Eintritt.
Im Rahmen der Kunstaktion „Fassadenrepublik“ von Sophiensäle, HAU und Urban Catalyst wird beispielsweise der Innenraum des Palastes geflutet. Man kann mit Schlauchbooten durch die entkernten Räume schippern.
Kulturkampf um den Palast der Republik: Im Zweifel gegen den Zweifel

Zwischen 2004 und 2006 besuchen nach Medienberichten 650.000 Besucher die mehr als 900 Kunst-Events im Volkspalast. Der norwegische Künstler Lars Ramberg installiert im Januaer 2005 den Schriftszug „Zweifel“ auf dem Dach, der im Dunklen leuchtet und im Hellen strahlt. Auch die Musikmesse Popkom feiert hier in ihrer zweiten Auflage ihre Partys.
Sag zum Abschied laut Servus.
Rückbauoffensive: Abriss der Geschichte

Am 6. Februar beginnen sich sechs Abrisskräne über den Resten des Palastes zu drehen, um die verbliebenen Spuren des Prestigebaus Schritt für Schritt abzutragen. Der Blick auf den Fernsehturm von Westen aus ist für ein paar Jahre wieder frei. Über das Palast-Areal wächst Gras. Eine grüne Wiese mitten im Zentrum. Es ist ein Platz, auf dem man im Sommer gut liegen, die Sonne genießen, die Gedanken schweifen lassen kann. An einem Ort im Herzen der Stadt, der zum Sinnbild von Abriss vor Erhalt geworden ist. Wo sich eine Debatte wie in einem Brennglas verdichtet hat, in der so vieles mitschwingt. Geschichte und Geschichtsblindheit. Machtanspruch und Ohnmacht. Ostalgie und Nostalgie. Siegermentalität und Identitätsverlust. Debatte und Demagogie.
Die Erinnerung an den Palast der Republik flackert immer mal wieder auf, hier und da, in Artefakten und Hommagen. Im DDR-Museum gleich um die Ecke, wo er als Modell im Maßstab 1:125 gezeigt wird. Das Potsdamer Museum Palais Barberini stellte bereits 2017 alle 16 großformatigen Wandgemälde aus dem Palast aus. Das Haus der Berliner Festspiele lieh vor ein paar Jahren seine Fassade der Einnerung an den DDR-Bau.
Vielleicht aber, nur so ein Gedanke, eine wilde Spielerei, ein Vorschlag, war diese große Rasenfläche, die ein paar Jahre dort wuchs, wo einst der Palast der Republik war und jetzt das Humoldt Forum steht, sogar das Schönste, Friedlichste, Entspanneste und Unumstrittenste, das dieser Platz je gesehen hat. Eine duftende Leerstelle im Herzen der Macht. Aber wer will das schon entscheiden?
Alles Gute zum 50., Palast der Republik.