Berliner Trio: Menschen und Wildtiere

Die Taubenaufpäpplerin
Diese Ehrenamtlerin eilt zu hidden places im Stadtdschungel, um kranke Vögel zu verarzten. Exemplare einer Spezies namens „columba livia“, im Volksmund als Stadttaube verschrien. Notleidendes Getier findet sie in Lüftungsschächten und Treppenaufgängen. Auf Dächern von Altbauten. Mit Mullverband umwickelt sie Krankheitsherde. Zur Rekonvaleszenz bettet sie die Patienten in die heimische Badewanne. Die Medizin: Meisenknödel.
Der Schlangenmensch
In den zwielichtigen Einkaufsstraßen des Darknets hat er neulich eine Anakonda erworben. Unverzollt, aus Trinidad und Tobago. Ein weiteres Ungetüm fürs Terrarium im Wohnzimmer seiner Plattenbauwohnung in Hohenschönhausen – aus dem Herzen der Finsternis. Im Plexiglaskasten lauern schon Python und Mamba. Die Reptilien benötigt er wie ein Machthaber eine Armee. Sie wappnen diesen lonesome guy gegen eine Umwelt, die ihm feindlich erscheint.
Der Wolfskundler
Dieser Fährtenleser wittert die Sensation – in den geografischen Übergangszonen zwischen Beton und Brandenburg. Irgendwo hinter Staaken. Jede Spur im Boden der Brachgebiete, die er durchstreift, lässt ihn durchzucken. Die Abdrücke von Hundepfoten oder doch Zeichen für einen Wolf, jenes Dämons, der den Raubtiercharakter allen Lebens symbolisiert? Er beugt sich über die Aushöhlungen und ist unentschlossen. Aus seiner Weste zieht er ein Smartphone. Klick, eine jpg-Datei fürs Archiv. Die Ikonografie eines Hobbys.
Hier lest ihr mehr über die verschiedenen Ausprägungen von Top-Polizisten. Ebenso unterhaltsam: Vatertagsmütter oder eine kleine Gattungslehre von E-Scooter-Fahrern.