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„Das erste Alien wird ein Mikroorganismus sein“

Haben wir Hinweise auf außerirdisches Leben übersehen? Der Planetenwissenschaftler Nozair Khawaja untersucht Forschungsmängel. Er macht damit Fans von Aliens Hoffnung – zumindest ein bisschen
Text: Maximilian Hossner
Veröffentlicht am: 27.07.2026
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Entdecken wir hier bald Hinweise auf früheres, extraterrestrische Leben? Eines der Bilder, die der Mars-Rover „Perseverance“ im Februar 2021 während seiner Mission aufgenommen hat © NASA / Imago / UPI Photo
Herr Khawaja, warum ist die Menschheit so besessen davon, außerirdisches Leben zu finden?

Die Erde ist der einzige Ort im bekannten Universum, an dem es Leben gibt. Leben an einem anderen Ort im Universum zu entdecken, bedeutet, die Antwort auf die größte Frage der Menschheit zu finden: Sind wir allein im Universum? Die Beantwortung dieser Frage hat Auswirkungen auf die Erforschung des Ursprungs und der Zukunft der Menschheit selbst im Weltraum.

Wenn man den Status quo der Erde betrachtet – die Klimakrise, die Bedrohung der Demokratie, regionale Kriege –, könnte man meinen, dass wir uns stattdessen auf unseren eigenen Planeten konzentrieren sollten. Warum ist die Suche nach extraterrestrischen Lebewesen für die Menschheit wichtig?

Es stimmt, dass wir diesen Fragen und Problemen Vorrang einräumen und sie lösen sollten. Die Suche nach Leben im Weltraum steht jedoch in engem Zusammenhang mit dem Verständnis unseres eigenen Ursprungs sowie der Zukunft der Menschheit. Außerdem tragen die Weltraumforschung und die Suche nach außerirdischem Leben dazu bei, die globale Zusammenarbeit ohne Grenzen zu stärken, insbesondere angesichts regionaler Konflikte und Kriege auf der Erde. Die Internationale Raumstation ISS ist ein hervorragendes Beispiel.

In Ihrer Studie vertreten Sie die Ansicht, dass uns aufgrund von falsch-negativen Ergebnissen in der astrobiologischen Forschung möglicherweise Anzeichen von Leben im All entgehen. Worin genau besteht das Problem solcher Irrtümer?

Falsch-negative Ergebnisse bedeuten nicht nur verpasste Chancen, Leben zu entdecken. Bei der Kolonisierung des Mars könnten wir beispielsweise wichtige Vorläufer des Lebens zerstören oder kontaminieren, die uns auch mehr über den Ursprung des Lebens auf der Erde verraten könnten. Zu diesen falsch-negativen Ergebnissen könnten auch schwache Signale gehören, die unterhalb der Nachweisgrenze von Weltrauminstrumenten liegen, die nicht in der Lage sind, Anzeichen von Leben zu erkennen.

Zur Person

Nozair Khawja arbeitet seit 2018 als Postdoc in der Forschungsgruppe „Planetologie und Fernerkundung“ an der Freien Universität Berlin.

Foto: Shifa

Liegen die Ursachen für falsch-negative Ergebnisse also neben theoretischen Falschannahmen auch an fehlenden Technologien?

Ja, etwa bei eisigen Monden mit unterirdischen Ozeanen: Mit einem Raumfahrzeug, das auf dem Mond landet, kann man nach Anzeichen von Leben suchen, indem man Proben des Materials entnimmt und analysiert, das aus den unterirdischen Lebensräumen austritt. Es stellt sich also die Frage: Was wäre, wenn Leben im Untergrund existiert, aber niemals an die Oberfläche gelangt? Da benötigen wir Technologien, um in den unterirdischen Ozean vorzudringen. Es ist auch möglich, dass wir das Signal aufgrund eines „Erd-Bias“ falsch interpretieren. Anstatt also nach einem Bakterium zu suchen, das außerhalb der Erde wahrscheinlich nicht genauso existieren wird wie die Bakterien auf der Erde, sollten wir zunächst nach Nachweisen für die Bausteine des Lebens, für präbiotische Chemie und für erste einfache Moleküle suchen, die mit Leben in Verbindung stehen könnten.

Im Jahr 2025 entdeckte der Marsrover „Perseverance“ mögliche Bioindikatoren in Form zweier Mineralien: Eisenphosphat und -sulfid. Deren Entstehung könnte durch Mikroorganismen ausgelöst worden sein. Wie wahrscheinlich ist es, dass wir endlich Beweise für Leben auf dem Mars gefunden haben?

Dies ist tatsächlich ein vielversprechendes Ergebnis, das einen potenziellen geologischen Hinweis liefert, der mit Leben in Verbindung stehen könnte, jedoch nicht aussagekräftig genug ist, um zweifelsfrei den Nachweis von Leben zu erbringen. Dafür sind fundierte Kalibrierungen erforderlich. Dies ist ein hervorragendes Beispiel dafür, dass Wissenschaftler zögern, dies als Beweis für Leben zu werten, was zu weiteren Untersuchungen in derselben Richtung anregt, um Argumente für die Existenz von Nicht-Leben auszuschließen.

Bereits 1976 gab es im Rahmen der Viking-Mission einen Versuch, auf dem Mars nach biologischer Aktivität zu suchen…

Die falsch-negativen Ergebnisse der Viking-Missionen bei der Suche nach biologischer Aktivität auf dem Mars könnten tatsächlich ein gutes Beispiel für falsch-negative Ergebnisse sein. Die Viking-Missionen waren ein gutes Beispiel dafür, dass wir zu voreilig vorgegangen sind und versucht haben, nach einem komplexen Stoffwechsel, wie wir ihn von der Erde kennen, zu suchen, ohne die Bodeneigenschaften des Mars zu kennen und zu wissen, wie diese die Viking-Experimente beeinflussen würden. Aus diesem Fehler haben wir gelernt.

Seit einigen Jahren träumen Milliardäre wie Elon Musk von der Kolonisierung des Mars. Gefährdet das die Suche nach außerirdischem Leben?

Im speziellen Kontext der Marsbesiedlung kommt es vor allem darauf an, zu wissen, welche Gebiete vermieden werden sollten, insbesondere in den frühen Phasen der Marsbesiedlung, um sicherzustellen, dass wir nicht versehentlich genau jene Spuren zerstören, nach denen wir noch suchen.

In Ihrer Studie führen Sie auch Beispiele für falsch-negative Ergebnisse an, bei denen frühes Leben auf der Erde nicht erkannt wurde. Haben Sie ein Beispiel dafür?

Ich würde vermuten, dass die frühe Erde – als lebender Planet – leblos erscheinen könnte, weil das reichlich vorhandene frühe Leben keine leicht nachweisbaren Biosignaturen wie beispielsweise atmosphärischen Sauerstoff produziert hat.

Wenn man sich die Darstellung von Außerirdischen – also intelligenten Lebensformen – in der Popkultur ansieht, fällt oft ein bestimmtes Bild auf. Wie wahrscheinlich ist es, dass es im Universum solche hochentwickelten grünen Männchen gibt?

Derzeit kann diese Frage nur die Science-Fiction beantworten. Zum jetzigen Zeitpunkt wissen wir nicht einmal, ob es auf einem anderen Planeten einzelliges Leben gibt, das beispielsweise Gemeinsamkeiten mit erdähnlichen Bakterien hätte. Ich glaube, dass der erste Außerirdische, den wir entdecken werden – falls es überhaupt einen gibt–, ein winziger Mikroorganismus sein wird.


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