Konflikt um RAW-Gelände eskaliert: Eigentümer steigen aus den Plänen aus

Der Streit um die Zukunft des RAW-Geländes in Friedrichshain hat eine neue Eskalationsstufe erreicht. Laut einer Pressemitteilung der Genossenschaft RAW Kultur L vom Montagvormittag hat die Kurth-Gruppe das Bebauungsplanverfahren „RAW West“für gescheitert erklärt und ist ausgestiegen. Damit steht die Zukunft des Areals auf dem Spiel. Das Cassiopeia wurde nach Angaben der RAW Kultur L eG bereits zur Räumung aufgefordert, was zur unmittelbaren Insolvenz des Clubs führen könnte. Die Genossenschaft warnt davor, dass mit dem Wegfall auch zahlreiche soziale und kulturelle Projekte auf dem Gelände gefährdet wären, die durch die wirtschaftlich tragfähigen Clubs querfinanziert werden.
Auf dem ehemaligen Reichsbahnausbesserungswerk zwischen Revaler Straße, Warschauer Straße, Modersohnstraße und Stadtbahn haben sich über Jahre Clubs, Sporteinrichtungen, Ateliers, Märkte, Gastronomie und Kulturprojekte etabliert. Im Mittelpunkt der aktuellen Auseinandersetzung steht das sogenannte „Soziokulturelle L“, in dem zahlreiche dieser Nutzungen gebündelt sind.
Hintergrund des Konflikts ist das seit 2019 laufende Bebauungsplanverfahren „2-25a“ für den westlichen Teil des RAW-Geländes. Nach Angaben des Bezirksamts Friedrichshain-Kreuzberg hatten Senat und Bezirk der Kurth-Gruppe Mitte Mai einen Rahmenvertragsentwurf vorgelegt. Dieser sah vor, das „Soziokulturelle L“ über einen Generalmietvertrag für 30 Jahre zu sichern. Ergänzend wurden Investitionszuschüsse sowie ein vom Land Berlin finanziertes Schallgutachten angeboten – kurz sah es so aus, als gäbe es Aussicht auf Kompromisse und damit Grund zur Hoffnung, dass auch die kulturelle Vielfalt des Ortes erhalten bleiben könnte.
Aus Sicht der politischen Mehrheit im Bezirk bleibt das Ziel unverändert: Die städtebauliche Entwicklung des rund 51.000 Quadratmeter großen Areals soll mit einer langfristigen Sicherung der Kultur- und Clubstandorte verbunden werden. Ob dies nach dem erklärten Ausstieg der Kurth-Gruppe aus dem Verfahren noch gelingt, ist derzeit offen. Trotz der verhärteten Fronten wollen Senat und Bezirk die Gespräche fortsetzen und appellieren an die Eigentümerin, an den Verhandlungstisch zurückzukehren.
Für Freitag, 19. Juni, wurde nun vom Slust e.V. eine Demo angekündigt: Was ursprünglich als Geburtstagsrave für den 11. Geburtstag des Weißen Hasen geplant war, wird jetzt zur Protestveranstaltung für die Clubkultur um das RAW-Gelände. Los geht die Demo um 18 Uhr am Ostkreuz, von dort aus geht es über die Elsenbrücke und Puschkinallee zum Schlesischen Tor, über die Oberbaumbrücke zurück nach Friedrichshain und anschließend findet die Feier im Weißen Hasen ab ca. 21.45 Uhr statt.