Pride-Saison 2026: Berlin bekommt seinen ersten Drag March

Der Berliner CSD e. V. erweitert sein Programm, in diesem Jahr gibt es am Pride-Wochenende einige Neuerungen. Am Freitag, 24. Juli 2026, findet erstmals ein offizieller Drag* March in der Hauptstadt statt. Gemeinsam mit Travestie für Deutschland sowie dem Orden der Schwestern der Perpetuellen Indulgenz bringt der Verein damit eine aus New York bekannte Tradition nach Berlin.
Unter dem Motto „Haltung ist Hot – Segen statt Hetze!“ zieht der Demonstrationszug vom Platz der Republik bis zum Brandenburger Tor. Im Mittelpunkt stehen die Themen Sichtbarkeit, Vielfalt, Demokratie und Solidarität.
Der erste Berliner Drag* March knüpft an den traditionsreichen New Yorker Drag March an und soll die Bedeutung von Drag als Teil queerer Kultur und Geschichte hervorheben. Nach Angaben der Veranstalter:innen versteht sich die Demonstration als Zeichen gegen Ausgrenzung und für eine offene Gesellschaft – insbesondere vor dem Hintergrund zunehmender Anfeindungen gegen Drag-Künstlerinnen und queere Menschen.
„Mit dem Drag* March holen wir eine starke und sichtbare Form von Community, Kultur und Protest nach Berlin. Drag gehört seit vielen Jahrzehnten zur queeren Geschichte und Gegenwart. Gerade deshalb ist es wichtig, Haltung zu zeigen und deutlich zu machen, dass Vielfalt, Freiheit und Demokratie zusammengehören“, erklärt Thomas Hoffmann, Vorstandsmitglied des Berliner CSD e. V. laut Pressemitteilung.

Die rund einen Kilometer lange Route beginnt am Platz der Republik am U-Bahnhof Bundestag und führt über die Scheidemannstraße, die Yitzhak-Rabin-Straße sowie die Straße des 17. Juni bis zum Brandenburger Tor. Die kurze Strecke soll eine möglichst barrierearme Teilnahme ermöglichen. Eingeladen sind alle Menschen – insbesondere auch Teilnehmende in Drag. Die Veranstalter:innen betonen den offenen, solidarischen und inklusiven Charakter des Marches.
Im Anschluss geht der Drag* March nahtlos in den Demokratieabend des Berliner CSD am Brandenburger Tor über. Ab 18 Uhr sind dort Live-Musik, politische Beiträge und künstlerische Performances geplant, bevor es am nächsten Tag zur Hauptveranstaltung, dem großen CSD-Umzug, auf die Straße geht.
Zwei Tage CSD – nicht allen in der Community gefällt das
Am selben Tag findet ab 17 Uhr unter dem Motto „Dykes* auf die Straße gegen den Faschismus!“ auch der Dyke* March statt, der als politischere, direkt aus der Community heraus organisierte Demonstration einen Tag vor dem großen CSD Tradition hat. Dass der Berliner CSD sich in diesem Jahr auf zwei Tage ausgedehnt hat, bezeichneten Mitglieder des diesjährigen Dyke* March-Teams im Gespräch mit dem queeren Stadtmagazin Siegessäule als Angriff auf den Dyke* March und auf lesbische Sichtbarkeit.
Während der CSD von Teilen der queeren Community kritisch betrachtet wird, unter anderem aufgrund von Werbepartnerschaften mit großen Unternehmen und der Nähe zu politischen Institutionen (der regierende Bürgermeister Kai Wegner (CDU) wird dieses Jahr erstmals mit einem eigenen Wagen dabei sein), gelten der Dyke* March sowie die Internationalist Queer Pride (IQP) als Plattformen für radikaleren Protest, die sich neben Queerfeindlichkeit auch explizit gegen Rassismus, Ableismus und andere Unterdrückungsformen richten.
Drag* March Fr 24.7.26, 17 Uhr Start am Platz der Republik (U-Bahnhof Bundestag), ca. 17.45 Uhr Ankunft am Brandenburger Tor, 18 Uhr Demokratieabend mit Kundgebung und Bühnenprogramm an der Straße des 17. Juni/Ebertstraße
Dyke* March Fr 24.7.26, 17 Uhr Start am Roten Rathaus
Mehr queeres Berlin
Alles Wichtige zum CSD 2026 in Berlin lest ihr hier. „Drag saved my life“: Die Dragqueen Gaby Tupper im Interview. Identitätskrise? Über die Generationskonflikte im SchwuZ berichten wir hier. Das SchwuZ war der wichtigste queere Ort Westberlins – wie die Szene im Ostteil der Stadt zu DDR-Zeiten lebte, haben wir uns hier angeschaut. Die Party ist vorbei? Warum im letzten Jahr zum Pride Month in der Community wenig Feierstimmung herrschte. Feiert die lesbische Liebe: Die Berliner Rapperin Ebow im Porträt. Hier noch ein grober Überblick über queere Orte in Berlin, von Clubs und Bars, bis hinzu Buchhandlungen und Shops.