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Stadtleben

Tag des offenen Denkmals: 12 Tipps zur Stadterkundung

Am 12. und 13. September ist Tag des offenen Denkmals. In Berlin öffnet das Corbusierhaus die Pforten, die Papageiensiedlung ist neuerdings Weltkulturerbe, und am Teufelsberg könnt ihr umsonst die Kuppeln besuchen
Text: Daria Rabes
Veröffentlicht am: 07.09.2026
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 © Roland Rossner/Deutsche Stiftung Denkmalschutz
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Wohnhaus über der Autobahn: Die „Schlange“ der Schlangenbader Straße

Seit 2007 unter Denkmalschutz: Das Gebäude wird von seinen Bewohner:innen liebevoll als „Schlange“ bezeichnet © Imago/Schöning

Die Autobahnüberbauung Schlangenbader Straße, die unter Berliner:innen liebevoll die „Schlange“ genannt wird, ist eines der markantesten Gebäude der Stadt. Und es polarisiert heftig:  „Wenn der Teufel dieser Stadt etwas Böses antun will, lässt er noch einmal so etwas wie die Schlange bauen“ soll etwa Richard von Weizsäcker gesagt haben, der zur Zeit der Erbauung Regierender Bürgermeister von Berlin war. Ob ansehnlich oder nicht, besonders ist die Schlange allemal: Über 3000 Bewohner:innen leben in den rund 1500 Wohnungen – gemeinsam bilden sie einen der größten zusammenhängenden und durchgängig begehbaren Wohnkomplexe Europas. Und: sie schlängelt sich über einen hunderte Meter langen Autobahntunnel. Bernhard Kohlenbach vom Landesdenkmalamt Berlin bezeichnet das Gebäude als „einzigartig auf der Welt“: Seit 2007 steht es unter Denkmalschutz. Die Wohnungsgesellschaft „Degewo“ lädt auch dieses Jahr faszinierte Besucher:innen zum „Tag des offenen Denkmals“ ein und bietet Führungen durch das Wohngebäude an.

Autobahnüberbauung Schlangenbader Straße Wiesbadener Str. 50A, Wilmersdorf, Sa 12.9., 10.30+11+12.30+13 Uhr, Führungen nur mit Voranmeldung, mehr Infos hier.


Corbusierhaus

Ein Einblick ins Corbusierhaus ist beim Tag des offenen Denkmals 2026 möglich © Imago / Depositphotos

Als eines von 17 Bauwerken entwarf der Architekt Le Corbusier auch in Berlin einen Beitrag zur Internationalen Bauausstellung 1957: Ein 17-stöckiges Haus mit 530 Wohnungen in unmittelbarer Nähe des Olympiastadions – unverwechselbar unter Anderem durch die geometrischer Farbgestaltung  der Balkone. Einen seltenen Einblick ins Innere des bunten Hauses könnt ihr beim Tag des offenen Denkmals erhaschen: Eine historische Zwei-Zimmer-Wohnung, die in ihrer Bauweise und Aussstattung seit 1958 unverändert ist, kann innerhalb der Öffnungszeiten besichtigt werden. Heute lebt eine Künstlerin darin, die auch ihre Arbeiten präsentieren wird. Das Haus wird bewohnt, daher wird um Rücksicht und Ruhe bei der Besichtigung gebeten.

Corbusierhaus Flatowallee 16, Westend, Sa 12.9. 14–17 Uhr, So 13.9. 11–17 Uhr, keine Anmeldung erforderlich, mehr Infos hier


Kino International: Frisch saniert

Sozialistische Moderne: Das Kino International ist eines der eindrucksvollsten Gebäude auf der Karl-Marx-Allee © Imago/Zoonar.com/ArTo

1963 nach Plänen von Josef Kaiser eröffnet, wurde das Kino International zu einem der berühmtesten Kinos der Nachkriegszeit und gilt bis heute als vielleicht schönstes Kinogebäude der Stadt. Knapp zwei Jahre blieb es während seiner Sanierung geschlossen. Mittlerweile ist das Kino International zurück: Was sich verändert hat, lest ihr hier. Mehr zum Kino International und seiner politischen Bedeutung erfahrt ihr in unserem Artikel: Moderne Architektur trifft auf glitzernde Filmwelt. Eine exklusive Führung zum Tag des offenen Denkmals bringt euch die Baugeschichte des Kinos näher.

Kino International Karl-Marx-Allee 33, Mitte, Führung Sa 12.9. 10+12+14 Uhr, mehr Infos und Anmeldung (erforderlich) hier


Roxy-Palast: Denkmalschutz in Friedenau

Der Roxy-Palast auf der Hauptstraße ist ein Beispiel der Neuen Sachlichkeit in Berlin © Imago/Joko

1929 als Büro- und Geschäftshaus mit Lichtspieltheater entworfen, ist der Roxy-Palast ein denkmalgeschützter Bau im Südwesten Berlins. Ursprünglich war darin auch ein Kaufhaus untergebracht, dessen Fläche später in Läden und eine Diskothek aufgeteilt wurde. 1986 wurden in dieser Diskothek („La Belle“) bei einem Sprengstoffanschlag drei Menschen getötet. Auf einer Führung lernt ihr mehr zur durchwachsenen Geschichte des Hauses.

Roxy-Palast Hauptstr. 78/79, Friedenau, So 13.9. 12+14+16 Uhr, Anmeldung (erforderlich), mehr Infos hier


Waldsiedlung Zehlendorf: UNESCO-Welterbe im Bauhausstil

Die Onkel-Tom-Siedlung in Zehlendorf hat sich den Namen „Papageiensiedlung“ zurückerobert. Und zählt heute zum Weltkulturerbe. © Imago/Joko

Die Waldsiedlung Zehlendorf wurde lange, gerade in der NS-Zeit, als „Papageiensiedlung“ verspottet. Heute ist sie eine Ikone der Moderne und Musterbeispiel des ökosozialen Wohnungsbaus. Hier entstand in den praktisch angelegten Wohnungen attraktiver Wohnraum im Grünen auch für einkommensschwächere Haushalte. Die Anlage im Berliner Südwesten ist als Siedlung der Berliner Moderne seit Kurzem Teil der UNESCO-Welterbe-Liste. Einblicke in des nachbarschaftliche Leben und den Alltag in der Waldsiedlung erhaltet ihr auf zahlreichen Touren in Zehlendorf, wobei die Startpunkte variieren.

Waldsiedlung Zehlendorf verschiedene Adressen, Führungen am Sa 12.9. + So 13.9., weitere Infos zu Startzeiten und Treffpunkten hier.


Berliner Moschee: Hundertjähriges Bestehen

Vor etwa einhundert Jahren begannen die Bauarbeiten an dem Kuppelbau mit den beiden Minaretten. Beim Tag des offenen Denkmals öffnet die Moschee ihre Türen.  © Imago/epd/Christian Ditsch

Der Bau der Berliner Moschee begann 1924, vor mehr als 100 Jahren. Als einen „historischen Moment“ beschrieb der Imam Amir Aziz es, als aufwendige, rund fünf Jahre dauernde Sanierungsarbeiten den Ursprungszustand der Moschee 2022 wieder herstellten. Imam Amir Aziz selbst führt am Tag des offenen Denkmals durch die älteste Moschee Deutschlands und berichtet über Geschichte und Aktivitäten der Einrichtung. Der Berliner Architekt Karl August Herrmann entwarf die Moschee nach Vorbild des Taj Mahal.

Berliner Moschee Brienner Str. 7–8, Wilmersdorf, Sa+So 11–17 Uhr Führung „(Bau-)Geschichte und Aktivitäten der Moschee“ Sa+So 11+12+13+14+15+16 Uhr, mehr Infos hier.


Flughafen Tegel: In Erinnerungen schwelgen beim Tag des Offenen Denkmals

Der ehemalige Flughafen: Wer Heimweh nach TXL hat, kann am 12. und 13. September vorbeikommen © Imago/Schöning

Den kompakten und überraschend praktischen Flughafen Tegel hatten viele Berliner:innen ins Herz geschlossen, und so schmerzte der Abschied von TXL. Und das nicht nur, weil die Erwartungen an den BER denkbar niedrig waren (und sich bestätigen sollten). Heute ist das ehemalige Flughafenareal ein sogenannter „Innovationsstandort“. Was das konkret bedeutet, soll eine Führung am Samstag, den 12.9. vermitteln. Mit der Vision einer erfinderischen und zugleich nachhaltigen Stadtentwicklung entsteht Berlin TXL als eines der größten Stadtentwicklungsprojekte Europas. Wer statt nach vorne lieber den Blick zurück richtet, findet hier 12 Dinge, die wir am Flughafen Tegel vermissen.

Ehemaliger Flughafen Tegel Flughafen Tegel 1, Tegel, Sa 12.9.+So 13.9. je 11–16 Uhr, Infos hier.


U-Bahn-Museum am Olympiastadion

U-Bahnhof Olympia-Stadion ist Teil der Linie U2 – und beherbergt das U-Bahn-Museum. Besichtigungen sind am Tag des offenen Denkmals möglich.  © Imago/Manngold

Das Berliner U-Bahn-Museum am Olympiastadion zeigt die 124-jährige Geschichte der U-Bahn. Am Samstag, den 12.9. werden Einzelstücke aus der Sammlung vorgestellt, die die Komplexität der U-Bahn-Entwicklung vermitteln, am Sonntag bleibt das Museum geschlossen, doch eine Sonderfahrt durchs Berliner U-Bahn-Netz beginnt am angeschlossenen U-Bahnhof.

Berliner U-Bahn-Museum am Olympiastadion Rossitter Weg 1, Westend, Sa 12.9. 10.30–16 Uhr, Sonderfahrt am So 13.9. um 13 Uhr, weitere Infos hier.


Kongresshalle bcc: Kuppelbau am Alex

Ein besonderer Bau: Der bcc, kurz für „berlin congress center“ ist zur Besichtigung geöffnet. © Imago/Berlinfoto

Das Haus des Lehrers am Alexanderplatz wurde von 1961 bis 1964 erbaut – ein separater Kuppelbau wurde für Veranstaltungen konzipiert. Dessen Aluminiumkuppel glänzt auch nach vielen Jahrzehnten noch. Früher meist als Kongresshalle bezeichnet, heute als bcc bekannt, ist das Gebäude nicht nur Teil eines denkmalgeschützten Ensembles, sondern auch eine beliebte Eventlocation. Unabhängig von Veranstaltungen könnt ihr am Tag des offenen Denkmals einen historischen Hausrundgang begehen.

bcc Alexanderstr. 11, Mitte, So 13.9., 10–13.30, halbstündliche Führungen, keine Anmeldung erforderlich. Mehr Infos hier.


Auf Dichter-Spuren: Die Fontane-Apotheke in Kreuzberg

Im früheren Bethanien-Krankenhaus, dessen Gebäude noch heute steht, führte der junge Theodor Fontane eine Apotheke.

Bevor er zum bedeutenden Schriftsteller wurde, probierte sich Theodor Fontane als Apotheker – mit Arbeitsplätzen mitten in Berlin. Zunächst experimentierte er mit Pipette, Waage und Tinkturen, später mit Prosa und Poesie. Das damalige Bethanien, ein kirchliches Diakonissen-Krankenhaus, beherbergte die Apotheke, wo er einige seiner „angenehmsten Tage“ verbrachte, wie er als älterer Mann notierte. Heute ist die Apotheke Teil des FHXB Friedrichshain-Kreuzberg Museums, die originale Ausstattung ist noch erhalten und kann besichtigt werden. Neugierig? Hier lest ihr mehr zu Fontanes Erfahrungen als Apotheker.

Fontane-Apotheke im ehem. Diakonissenkrankenhaus Bethanien Mariannenplatz 2, Kreuzberg, Sa 12.9.+ So 13.9., 14–18 Uhr, mehr Infos hier


Hufeisensiedlung Britz: Rundgang zur Geschichte

Bildnummer: 50648224  Datum: 15.06.2004  Copyright: imago/G¸nter Schneider
Hufeisensiedlung Britz des Architekten Bruno Taut in Berlin, Landschaft; 2004, Berlin, St‰dte , Sehensw¸rdigkeit , Wohnsiedlung, Wohnsiedlungen, Siedlung, Siedlungen, Haus, H‰user,  , !ACHTUNG LUFTAUFNAHME 100% HONORARAUFSCHLAG!; , quer, Kbdia, Totale, Architektur, Kunst, Stadtlandschaft, Vogelperspektive, Perspektive, Wohngeb‰ude, Deutschland,  , Reisen, Europa; Aufnahmedatum gesch‰tzt
Die Hufeisensiedlung besuchen: Zum Tag der offenen Tür.  © Imago/Günter Schneider

Aus der Wohnungsnot der 1920er Jahre heraus entstand die Hufeisensiedlung als die erste deutsche Großsiedlung mit mehr als 1.000 Wohnungen. Trotz der funktionalen Konstruktion zeichnen sich die Wohneinheiten durch verschiedene Farben und veränderte Details aus: Architekt Bruno Taut ließ Pragmatismus mit eigenen Ideen verschmelzen. Die hufeisenförmige Anlage gehört ebenfalls zum UNESCO-Weltkulturerbe und gilt als Ikone des Neuen Bauens. Verschiedene Führungen zur Baugeschichte der Siedlung und Modernismus erstrecken sich über das Wochenende.

Großsiedlung Britz Fritz-Reuter-Allee, Britz Führung Sa+So 10+13 Uhr, Treffpunkt: Fritz-Reuter-Allee 48, am Hufeisen, mehr Infos und Anmeldung (erforderlich) hier.


Zu Besuch im Gefängnis: Strafanstalt Berlin-Plötzensee

Eine seltene Gelegenheit, die Justizvollzugsanstalt Plötzensee von innen zu sehen – auch ohne Haftstrafe © Imago/Joko

Die heutige Justizvollzugsanstalt Plötzensee ist noch immer in Benutzung – sie dient dem offenen sowie geschlossenen Strafvollzug für Männer und hat mehr als 600 Haftplätze für verurteilte Personen. Zur NS-Zeit wurden hier allerdings unzählige politische Gegner, ausländische Zwangsarbeiter und insbesondere jüdische Menschen zu Unrecht inhaftiert. Mit der Vergangenheit des Gebäudes haben sich heutige Inhaftierte auseinandergesetzt – auf den Führungen zum Tag des offenen Denkmals vermitteln sie die historischen Einschnitte, die sich in der Geschichte der JVA spiegeln. Eine bestätigte Anmeldung zur Führung ist erforderlich, auch ein gültiges Ausweisdokument muss mitgebracht werden.

Justizvollzugsanstalt Plötzensee Friedrich-Olbricht-Damm 16, Charlottenburg-Nord, Sa 12.9. Führungen um 10 + 13.30 Uhr, mehr Infos und Anmeldung hier.


Die Wiesenburg in Wedding: Erkundung des Areals

An der Panke liegt die Ruine der Wiesenburg: Das denkmalgeschützte Areal lädt zum Besuch ein.  © Imago/Jürgen Ritter

Ende des 19. Jahrhunderts wurde die Wiesenburg als Asyl für wohnungslose Menschen angelegt und war ein Pionierprojekt in Hinsicht auf Hygiene- und Versorgungsstrukturen. Später wurde das Areal zum Gewerbegebiet und im Verlauf zunehmend zur kulturellen Nutzung bereitgestellt. Heute steht es unter Denkmalschutz – Bauarbeiten zum Wiederaufbau der Ruinen haben begonnen.

Areal der Wiesenburg Treffpunkt wird bei Anmeldung bekannt gegeben, Wedding, So 13.9. 11 Uhr, weitere Details und Anmeldung hier


Begehbarer Lost-Place: Die ehemalige Abhörstation auf dem Teufelsberg

Radarkuppel auf der ehemaligen Abhörstation auf dem Teufelsberg. Foto: Imago/PIC ONE/Ben Kriemann

Die Nachkriegszeitstimmung ist auf dem Teufelsberg deutlich spürbar. Wo die Golfkugeln ähnelnden Kuppeln sich über die Dächer der Stadt erheben, sind Gänsehaut, Lost-Place-Feeling und das Gefühl urbaner Romantik vorprogrammiert. Gleichzeitig beheimatet die ehemalige Abhörstation der Alliierten die größte Street-Art-Galerie der Welt. Noch bis zum 3. Oktober ist die Ausstellung „Declassified“ zu sehen, die anhand von Installationen, Audiostationen und Zeitzeugenberichten die Rolle des Teufelbergs im Kalten Krieg beleuchtet. Ein Ort für alle, die über die Vergangenheit lernen, aus der Gegenwart fliehen und sich in die Zukunft träumen wollen. Führungen gibt es auf deutsch und englisch. Weitere spannende Lost Places in Berlin findet ihr hier.

Teufelsberg Teufelsseechaussee 10, Grunewald, Sa+So 12+13.9. 11–20 Uhr, Eintritt frei, Führung „Mythos Teufelsberg“, Anmeldung per Link oder vor Ort (nach Verfügbarkeit), mehr Infos hier.


Zentralvieh- und Schlachthof Berlin: Früher eine sich selbst versorgende Stadt

Blankensteinpark auf dem Gelände des ehemaligen Schlachthofs. Foto: Imago/Jürgen Ritter

Börse, Werkstätten, Verkaufshallen, Heizhaus – was gab es auf dem Gelände des ehemaligen Zentralvieh- und Schlachthofs eigentlich nicht? Kein Wunder, dass dieser in dem 1996 erschienenen gleichnamigen Buch „Eine Stadt in der Stadt“ genannt wurde. 1881 eröffnet, größtenteils im Zweiten Weltkrieg zerstört, in der DDR wiederaufgebaut, dann von Investoren aufgeteilt und bebaut. Die Narben der Stadtgeschichte zeichnen sich auch hier ab. Historisch angehaucht fühlt sich ein Gang durch die Streben der alten Auktionshalle an. Heute ist das Gelände ein geschätzter Wohn- und Arbeitsort.

Ehem. Zentralvieh- und Schlachthof Berlin Eldenaer Str. 42, Friedrichshain, Führung Sa 12.9. 14 Uhr + So 13.9. 11 Uhr, Treffpunkt S-Bhf. Storkower Straße, am Ende der Fußgängerbrücke zur Hermann-Blankenstein-Straße, mehr Infos hier.



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