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Stadtleben

Wohnungslosigkeit bei Frauen: Die, die nicht auffallen wollen

Die Zahl der verdeckt Wohnungslosen in Berlin steigt. Vor allem Frauen und queere Menschen fühlen sich in Notunterkünften nicht sicher, stattdessen kommen sie bei Bekannten unter oder schlafen auf fremden Sofas. Wer hilft ihnen in einem System, das nicht für sie gemacht ist?
Text: Marit Blossey
Veröffentlicht am: 22.06.2026
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Bei Evas Haltestelle im Wedding bekommen wohnungslose Frauen Kaffee, eine warme Mahlzeit – und einen sicheren Ort, zumindest für ein paar Stunden. Foto: Marit Blossey 

„Auf der Straße werden wir als Freiwild gesehen“

Montagvormittag, kurz vor elf in Evas Haltestelle, einem Tagestreff für wohnungslose Frauen in Wedding. In der Küche werden Teller mit Aufschnitt vorbereitet. Dicht an dicht sitzen die Besucherinnen im Aufenthaltsraum, viele mit einem warmen Getränk in der Hand, einige schweigend, andere in leisen Gesprächen. Eine von ihnen ist ­Leyla. Seit 2019 lebt sie ohne eigene Wohnung in Berlin. Die Gründe möchte sie nicht nennen. „Das ist privat“, sagt sie knapp.

Die 50-Jährige kennt die Obdachlosenszene in Berlin genau. Sie warnt vor Orten, die andere Frauen meiden sollten, etwa den Containerbahnhof an der Frankfurter Allee, eine Notübernachtungsstelle der Berliner Stadtmission. In gemischten Notunterkünften sei es oft nicht sicher für Frauen. „Es passiert immer mal eine Vergewaltigung“, bemerkt Leyla nüchtern. 

In Zeiten des Wohnungsmangels kann eine persönliche Krise existenzielle Folgen haben

Hier, in Evas Haltestelle, finden obdachlose Frauen Schutz, Wärme und eine Dusche, können ihre Wäsche waschen und in der Kleiderkammer stöbern. Es ist ein Ort, an dem sie zur Ruhe kommen sollen. Evas Haltestelle ist Berlins älteste Tageseinrichtung nur für Frauen. Seit fast 30 Jahren gibt es den Treffpunkt, getragen vom Sozialdienst katholischer Frauen und mitfinanziert vom Bezirk Mitte. Viele Frauen kommen wie Leyla regelmäßig hierher oder besuchen eine von zwei weiteren Einrichtungen in Berlin, die wohnungslosen Frauen tagsüber Zuflucht bieten – zumindest unter der Woche. „Samstag und Sonntag gibt es nichts. Auf der Straße werden wir dann als Freiwild gesehen“, erzählt Leyla.

Die Wohnungslosigkeit in Berlin hat einen neuen Höchststand erreicht – und diese Misere ist auch in der Hilfsinfrastruktur spürbar. 55.000 Menschen sind ohne eigenes Obdach. Gleichzeitig wächst das Bewusstsein dafür, dass Wohnungslosigkeit viele Gesichter hat – und nicht alle Menschen denselben Schutz- und Unterstützungsbedarf haben. 

In der Hauptstadt werden Angebote erprobt, die gezielt auf unterschiedliche Lebensrealitäten eingehen: Projekte speziell für Frauen, für queere Menschen oder solche, die auf nachhaltige Perspektiven statt kurzfristiger Notlösungen setzen. Im Happy Bed Hostel am Halleschen Tor, einer anderen Einrichtung, gibt es zum Beispiel eine neue 24/7-Unterkunft für wohnungslose Frauen. Im Kreuzberger Tagestreff Unterschlupf bieten Ehrenamtliche den Besucherinnen sogar Yoga-Stunden.

Rote, lange Nägel: Viele wohnungslose Frauen legen großen Wert auf ihr Äußeres. Damit bloß niemandem auffällt, dass sie sich in einer prekären Situation befinden. Foto: Marit Blossey

Es fehlen sichere Übernachtungsmöglichkeiten – vor allem im Sommer

Der Wohnungslosenbericht 2024 der Bundesregierung unterscheidet zwischen wohnungslosen Personen ohne Unterkunft und „verdeckt“ wohnungslosen Personen. Also etwa Menschen, die nach dem Verlust ihres Wohnraums zunächst bei Bekannten und Verwandten unterkommen. In Berlin zählte der Bericht im vergangenen Jahr unter den etwa 8.000 wohnungslosen Personen, die nicht in Institutionen untergebracht worden sind, rund 2.000 Frauen. Der weibliche Anteil unter den verdeckt wohnungslosen Personen war wiederum etwa doppelt so hoch wie unter den wohnungslosen Personen ohne Unterkunft. Die Dunkelziffern dürften noch höher sein.

Das Klischeebild der Obdachlosigkeit – der ältere Mann mit Alkoholproblem, schlafend auf einer Parkbank – trifft bei Frauen oft nicht zu. Besonders Frauen und queere Menschen seien häufig verdeckt wohnungslos, weil sie auf der Straße oder in gemischten Notunterkünften besonders gefährdet sind, erzählt Ute Evensen, Sozialarbeiterin und seit…

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