Sport für alle

Stadtbewegung – Trainieren im Park

Umsonst und draußen: Der junge Verein Stadtbewegung findet seine Trainingsflächen in Parks und an anderen öffentlichen Plätzen. Es geht um Fitness, aber auch um Politik

Max Reibert/ Stadtbewegung e.V.

In sicherer Höhe sitzt das Eichhörnchen auf einem Ast und blickt gebannt nach unten. Beim Statthaus Böcklerpark in Kreuzberg stehen neben einer Art „Spielplatz mit Stahlgeräten“ eine Handvoll Menschen und beginnen, sich seltsam zu bewegen. „Die Arme weit nach hinten kreisen lassen“, fordert Robin Spaetling, ein drahtiger 42-Jähriger, den Trupp auf und demonstriert rudernd, was er meint. Anschließend werden Rümpfe gebeugt, Füße gekreist und Beine geschwungen. Es ist ein Auflockerungs- und Aufwärmprogramm.

Robin Spaetling, eigentlich ein gelernter Projektmanager, gehört zu den Initiatoren, die im April 2017 den Verein „Stadtbewegung“ geründet haben. „Wir sind der Verein in Berlin, der ,Sport und Bewegung im öffentlichen Raum‘ repräsentiert“ heißt es nicht unbescheiden in der Selbstbeschreibung. Und: „Wir nutzen die öffentlichen Grünflächen und Parks. Draußen trainieren kann man in Berlin das ganze Jahr über.“

Das würden auch kommerzielle Sportanbieter unterschreiben. Firmen, die etwa im Volkspark Hasenheide nachgeburtliche Fitnesstraings für Mütter mit Kinderwagenkindern anbieten. Oder die Bürohengste beim Crossfit durch den Volkspark Friedrichshain scheuchen. Für mitunter stolze Honorare.

Kommerzielle Interessen, sagt Spaetling, verfolge sein Verein nicht, die Trainings werden kostenlos angeboten beziehungsweise für acht Euro monatlichen Mitgliedsbeitrag. „Wir verstehen uns auch als eine politische Bewegung“, erläutert er. „Wir setzen uns dafür ein, dass der öffentliche Raum von allen genutzt werden kann. Und wir fordern, dass die Bedingungen stimmen, die Luft sauber und der Verkehr reduziert ist.“ Außerdem, das sei mit das wichtigste Anliegen, möchte „Stadtbewegung“ Menschen miteinander vernetzen. „Unsere Sportangebote sind niedrigschwellig, sie richten sich an jede Altersstufe, alle Herkünfte und alle sozialen Schichten.“

Fast, als wolle sie diese Aussage bestätigen, tritt nun eine etwas müde dreinschauende Endvierzigerin zu der kleinen Sportgruppe. „Ich heiße Karin*“, stellt sie sich vor. „Ich habe ewig keinen Sport mehr getrieben – und ich muss Psychopharmaka nehmen.“ Niemand wundert sich, keiner stellt Fragen. „Mach einfach bei allem, wobei du dich wohlfühlst, mit“, bietet Spaetling an. „Wenn Du erschöpft bist, dann mach eine Pause.“

Wo die Trainings stattfinden, erfahren Interessenten auf einer Karte auf der „Stadtbewegung“-Internetseite. Und über Facebook. Derzeit liegen die Trainings-Schwerpunkte in Kreuzberg, Neukölln, Schöneberg. Aber auch in der Gropiusstadt gibt es zwei Angebote. „Wir möchten die Menschen am liebsten dazu inspirieren, in ihrem eigenen Umfeld selber Sportgruppen anzubieten“, sagt Speatling. „Dazu braucht man, wie etwa beim Boule, nicht zwingend eine Trainerlizenz.“ Es gehe um Selbstwirksamkeit und darum, in Nachbarschaften Anonymität zu durchbrechen.
Das Eichhörnchen am Statthaus Böcklerpark beginnt sich zu langweilen. Kniebeugen, Liegestützen – für das Tierchen wenig beeindruckend. Mit einem zielsicheren Sprung hat es den Baum gewechselt.

*Name von der Redaktion geändert

Trainingsorte und -termine Infos unter stadtbewegung.de + Facebook-Gruppe Stadtbewegung 

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