Wildtiere in Berlin

Der Stadtfuchs: So gut haben sich die Tiere in Berlin eingelebt

Ein Stadtfuchs mit dichtem Fell streift durch Charlottenburg.
Foto: Imago Images/Uwe Steinert

Sie sind schön, schlau und Begegnungen mit ihnen mittlerweile Alltag: Die Stadtfüchse. Sie streifen durch die Stadt, ziehen ihre Welpen unter Gartenlauben oder Saunahäuschen auf und essen das, was Menschen wegschmeißen. Nicht nur Menschen zieht es in die großen Städte – auch Füchse fühlen sich im Großstadttrubel mittlerweile wohl.

Die ersten Füchse wurden in den 1950ern in Berlin gesichtet, seit den 1990ern bevölkern die Tiere flächendeckend die Großstadt. Einer von ihnen hat sogar seinen eigenen Instagram-Kanal. Und trotzdem nehmen viele Menschen immer noch an, dass Rotfüchse nicht zum Stadtbild, sondern in den Wald gehören. Katrin Koch, Wildtierberaterin der Landesgeschäftsstelle des NABU, hört dies oft. Telefonisch beantwortet sie Fragen rund um Wildtiere in der Stadt. Dass Füchse aufs Land gehören würden, sei eine Annahme, die viele Menschen dazu bewegt, zum Hörer zu greifen. „Viele stellen sich vor, dass jemand kommt, den Fuchs fängt und in den Wald bringt“, berichtet sie.

Das passiert aber nicht, bestätigt auch Derk Ehlert, Wildtierexperte des Landes Berlin „Füchse gehören zum Berliner Stadtinventar“, erzählt er. Durch ihre Anpassungsgabe haben sie sich an die Stadt gewöhnt. Soweit, dass viele Füchse, die in der Stadt geboren werden, diese gar nicht mehr verlassen. Mittlerweile ist sogar erforscht: Es gibt sie, die Füchse besser mit dem Stadtverkehr zurechtkommen als mit einem ländlichen Leben im Wald. Den kennen sie nämlich nicht mehr.

Der Stadtfuchs: Weniger Jäger, mehr Sammler

Ein Fuchs in einem Berliner Park
Ein Stadtfuchs in einem Berliner Park.
Foto: Andreas Gora

Anders als Wölfe oder Luxe, kommen Füchse mit dem Leben in der Stadt zurecht. „Landfüchse sind eher Jäger. Sie brauchen große Reviere, um ihre Jungen satt zu bekommen. Stadtfüchse sind eher Sammler, die von Mülleimer zu Mülleimer gehen und ihre festen Standorte haben.“, erläutert Ehlert. Ein wenig Jäger bleibt aber auch im Stadtfuchs, was sich nebenbei positiv aufs Stadtbild auswirkt: Denn je mehr Füchse in der Stadt, desto mehr Ratten jagen sie. Die Reviere in der Stadt seien kleiner, eben weil es hier mehr Nahrung auf weniger Raum für den hungrigen Fuchs gibt. Ehlert fügt an, dass rund 1.000 Füchse in Berlin leben. Genaue Zählungen gab es aber bislang nicht.

Doch obwohl sie hier genug Essen finden, birgt die Stadt auch Gefahren für die roten Schönheiten. „An die Stelle des Jägers tritt der Verkehr“, erzählt Ehlert. Zwar kommen Stadtfüchse besser mit Straßenüberquerungen zurecht und haben gelernt, wie man sicher von der einen auf die andere Straßenseite kommt. Dennoch sieht man ab und an einen toten oder angefahrenen Fuchs an der Fahrbahn. Wer einen schwer verletzten Fuchs sieht, kann das Ordnungsamt oder die Polizei rufen.

Bei leichten Verletzungen oder einem humpelnden Fuchs sollte man jedoch nicht direkt besorgt sein. Füchsen seinen zähe Tiere, die auch mit drei Beinen noch ein langes Leben führen könnten, erklärt Ehlert und fügt außerdem an: „Der Fuchsbestand ist hoch genug und muss sich selbst regulieren.“

Füchse: Bitte nicht füttern

Ein Stadtfuchs
Der Fuchs sucht sich sein Essen, wenn er Hunger bekommt – und das selbständig und anspruchslos.
Foto: Imago Images/Reporters

Außerdem sollte keiner die Stadtfüchse füttern, das ist sogar verboten und durch das Landesjagdgesetz geregelt. Wer dagegen verstößt, kann mit Strafen von bis zu 5.000€ rechnen. Und das mit gutem Grund: „Aus falsch verstandener Tierliebe wird immer wieder gefüttert“, erzählt Ehlert. Dies könne die Füchse aber zu zahm machen, zu bettelndem Verhalten führen. Dazu, dass sie erwarten, vom Menschen Essen zu bekommen, aufdringlich und fordernd werden und im das Tier im schlimmsten Fall erlegt werden muss.

Aber nicht nur falsche Tierliebe kann für den Fuchs zur Gefahr werden. Zwar bieten Mülleimer eine leicht zugängliche Futterquelle für hungrige Fuchsmägen. Jedoch können Plastikreste und andere nicht-organische Abfälle zur Verhängnis werden und im schlimmsten Fall zu einem Darmverschluss führen. Außerdem könnten sich Krankheiten wie Staube und Reude in der engen Stadt, wo Füchse kleinere Reviere haben und dichter zusammenleben als im Wald, schneller ausbreiten.  

Tollwutfrei seit 1998

Viele würden immer noch vom scheuen Waldfuchs auf den Stadtfuchs schließen, der nicht weiß, was ein Jäger ist, deshalb zahmer ist und weniger Angst vor Menschen hat. Koch erzählt, dass viele Anrufer*innen immer noch Sorge vor tollwütigen Füchsen hätten, obwohl Füchse in Deutschland schon seit 1998 frei von der tödlichen Krankheit sind. Auch der Fuchsbandwurm wurde in Berlin seit einigen Jahren nicht mehr nachgewiesen.

Durch ihre Anpassungsfähigkeit haben sie gelernt, hier klarzukommen. Der Jäger aus dem Wald hat sich in einen Sammler in der Stadt verwandelt. Zwischen Betonbauten müssen sie nicht jagen, sondern können von Mülltonne zu Mülltonne tapsen. Auch draußen stehende Futternäpfe von Hunden und Katzen sind für sie ein gefundenes Fressen, weswegen Wildtierberaterin Koch empfiehlt, Futternäpfe von Haustieren nicht auf Terrassen oder niedrigen Balkonen stehen zu lassen, weil sich Füchse merken, wo es Fressen gibt und dann im Nachhinein an diesen Orten eine regelmäßige Mahlzeit erwarten werden. „Sie sind richtige Opportunisten“, fasst Koch zusammen.


Nicht nur Füchse kann man in Berlin finden, sondern auch andere Wildtiere beobachten, besonders gut an diesen Orten. Diese Tierparks in Brandenburg sind auch einen Besuch wert. Und wem beobachten nicht reicht, der kann das Leben von Tieren im Projekt Citizen Science erfoschen. Wer stattdessen mit seinen Kids die Natur genießen möchte, sollte einen von Berlins Waldspielplätzen ansteuern.

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