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Berlin verstehen

12 berühmte Berliner, die man kennen sollte: Dietrich, Meysel, Juhnke, Pfitze & Co.

Es gibt natürlich mehr berühmte Berliner und Berlinerinnen als die hier versammelten zwölf Legenden. Aber diese sechs Frauen und sechs Männer liegen uns besonders am Herzen. Denn auch wenn die meisten von ihnen schon lange nicht mehr leben, sind sie unsterblich geworden. Wer die Seele dieser Stadt begreifen will, sollte sie kennen und zwar nicht nur ihrem Namen nach.

Sie haben uns Filme, Platten und Bücher hinterlassen. Biografen haben ihnen nachgespürt und Dokumentarfilmer haben sie porträtiert. Mit ihrer Kunst, mit politischen Ideen, ihrem Charme und ihrer Klugheit haben sie Spuren hinterlassen, die bis in die Gegenwart spürbar sind und sich fest in die Stadtgeschichte eingeschrieben haben.

Marlene Dietrich

Marlene Dietrich in "Der blaue Engel" (1930, R: Josef von Sternberg).
Marlene Dietrich in „Der blaue Engel“ (1930, R: Josef von Sternberg). Foto: Imago/Teutopress

„Ich hab noch einen Koffer in Berlin“ – Die gebürtige Schönebergerin machte in der Weimarer Republik eine große Karriere beim Film. Sie floh vor den Nazis und wurde in den USA weltberühmt. In ihre Heimatstadt kehrte sie nicht mehr zurück, außer für gelegentliche Auftritte.

Wer ihre Musik hören will, sollte sich „The Ultimate Collection“ anschaffen, die bei der Deutschen Grammophon erschienen ist. Zahlreiche Biografien beleuchten ihr Leben und Werk, zuletzt erschien „Einsame Klasse“, Eva Gesine Baurs Auseinandersetzung mit der Diva.

Marlene Dietrich wurde in Berlin beerdigt und sie hat einen eigenen Platz bekommen, im Herzen des Potsdamer Platzes, nicht weit von ihrem einstigen Geburtshaus entfernt.


Harald Juhnke

Der Schauspieler und Entertainer Harald Juhnke im Sommer 1996.
Der Schauspieler und Entertainer Harald Juhnke im Sommer 1996. Foto: Imago/Pop-Eye/Eyecontact

Keine Termine und leicht einen sitzen“ – Harald Juhnke zählt zu den größten Stars, die diese Stadt hervorgebracht hat. Als Schauspieler im Film und Fernsehen, als Entertainer und als Sänger unterhielt er die Bundesrepublik knapp fünf Jahrzehnte lang.

Der Einstieg in seine Musik eröffnet sich am besten auf dem Album „Was bleibt, ist die Musik“ oder dem Klassiker „Barfuss oder Lackschuh“. Unter seinen vielen Filmen ist sicherlich „Der Trinker“ aus dem Jahr 1995 hervorzuheben. Und in „Meine sieben Leben“ schreibt Juhnke mit einem Ko-Autor über sein Leben, das von großen Erfolgen ebenso gezeichnet war wie von seiner Alkoholsucht.


Hildegard Knef

Hildegard Knef in "The Lost Continent" (1968, R: Michael Carreras).
Hildegard Knef in „The Lost Continent“ (1968, R: Michael Carreras). Foto: Imago/Prod.DB/Hammer Film Prod. Limited

„In dieser Stadt kenn‘ ich mich aus, in dieser Stadt war ich mal zuhaus“ –Hildegard Knef zählt zu den ganz großen Berliner Legenden. Als Musikerin und Sängerin reichte ihr Ruhm weit über die Landesgrenzen hinaus.

Es gibt zahlreiche Compilations mit ihren Hits wie „Für mich soll’s rote Rosen regnen“oder „Von nun an ging’s bergab“. Sehr empfehlenswert ist auch ihr autobiografischer Roman „Der geschenkte Gaul“. Zudem kann man sich das Biopic „Hilde“ (2014) anschauen, in dem Heike Makatsch die Knef verkörpert. Auch wenn hier die Rezensenten gespaltener Meinung waren.


Günter Pfitzmann

Berühmte Berliner: Günter Pfitzmann, Porträt aus dem Jahr 1987.
Günter Pfitzmann, Porträt aus dem Jahr 1987. Foto: Imago/United Archives

„Humor ist die Fähigkeit, im Leben mit Gegenwind zu segeln“ – Günter Pfitzmann wurde 1924 in Berlin geboren und starb ebenda im Jahre 2003. Er war ein Berliner Volksschauspieler, wie er im Buche steht, trat in Kabaretts auf (etwa bei den Stachelschweinen), spielte in West-Berliner-Jahren viel Theater und ging mit der Fernsehserie „Praxis Bülowbogen“ in die Geschichte ein.

Viele seiner Serien und Filme sind auf DVD erhältlich oder als Stream zu sehen. Darunter „Der Millionenerbe“, wo er an der Seite von Evelyn Hamann spielt, sehenswert sind auch die heiteren Großstadtgeschichten „Berliner Weiße mit Schuss“. Wer ihm persönlich näher kommen will, sollte einen Blick in seinen Erinnerungsband „Nur der Augenblick zählt“ werfen.


Inge Meysel

Inge Meysel, Porträt um 1997.
Inge Meysel, Porträt um 1997. Foto: Imago/Apress

„Ein Beruf ohne Engagement und ohne Spaß ist wie ein vergeudetes Leben“ – Geboren wurde die Tochter eines jüdischen Kaufmanns 1910 in Rixdorf, das später als Neukölln in Großberlin eingemeindet wurde. 1930 begann ihre Karriere am Theater, die sie als Jüdin aber schon bald wieder beenden musste. Die Nazizeit überlebte sie als Telefonistin und technische Zeichnerin.

1945, direkt nach dem Kriegsende, nahm sie die Schauspielerei wieder auf. Eine große Karriere mit Dutzenden von Rollen am Theater sowie für Film- und Fernsehproduktionen folgte. Noch 2003, ein Jahr vor ihrem Tod, spielte sie in einer Folge von „Polizeiruf 110“.

Stets gut gelaunt, emanzipiert, politisch engagiert und mit einer gehörigen Portion Berliner Schnauze ausgestattet, ging sie als „Mutter der Nation“ durchs Leben. Wer mehr über die Meysel wissen will, sollte die Autobiografie „Frei heraus, mein Leben“ lesen.


Willy Brandt

Berühmte Berliner: John F. Kennedy und Willy Brandt, während des Besuchs des US-Präsidenten im Juni 1963.
John F. Kennedy und Willy Brandt, während des Besuchs des US-Präsidenten im Juni 1963. Foto: Imago/Photo12

„Der Tag wird kommen, an dem das Brandenburger Tor nicht mehr an der Grenze liegt“ – Zwar ist Willy Brandt wohl so richtig als SPD-Bundeskanzler und Hoffnungsträger einer ganzen Generation zur Legende geworden, doch der stets links stehende Politiker, der während der Nazizeit im Widerstand war, prägte schon vorher Berlin als Regierender Bürgermeister.

Er empfing den kurze Zeit später ermordeten US-Präsidenten John F. Kennedy bei dessen Berlin-Besuch und stand an seiner Seite, als dieser die berühmten Worte „Ich bin ein Berliner“ sprach.

Zu Brandt existieren ungezählte Bücher, wer sich speziell der Berliner Zeit widmen will, sollte das 2019 erschienene Sachbuch „Vom Freiheitskämpfer zum Friedenspolitiker: Willy Brandt als Regierender Bürgermeister von Berlin“ von Daniel Mödinger lesen.


Regine Hildebrandt

Berühmte Berliner: Die SPD-Politikerin und damalige Arbeitsministerin Regine Hildebrandt im Juli 1990.
Die SPD-Politikerin und damalige Brandenburger Arbeitsministerin Regine Hildebrandt im Juli 1990. Foto: Imago/Sven Simon

„Ick sage nur, macht wat“ – Die 1941 geborene Berlinerin studierte Biologie an der Humboldt Universität und war bis zur Wende in der Arzneimittelforschung tätig. Zum Ende der DDR engagierte sie sich in der Bürgerbewegung und widmete sich verstärkt der Politik.

Sie trat 1989 in die Ost-SPD ein. Es folgte eine steile Karriere. Sie wurde Ministerin für Arbeit, Soziales, Gesundheit und Frauen in Brandenburg und blieb bis 1999 in der Landesregierung.

Hildebrandt, die auch dem SPD-Bundesvorstand angehörte, galt als offen, radikal ehrlich und volksnah und war eine der beliebtesten Politikerinnen im wiedervereinigten Deutschland. Den Brustkrebs, der bei ihr 1996 diagnostiziert wurde, konnte sie nicht besiegen. Sie starb 2001.

Die ausführliche Biografie „Ich seh doch, was hier los ist“ stammt von Hans-Dieter Schütt und beleuchtet nachhaltig ihr Leben und Wirken.


Manfred Krug

Berühmte Berliner: Manfrede Krug in seiner Paraderolle als Liebling Kreuzberg, um 1997.
Manfrede Krug in seiner Paraderolle als Liebling Kreuzberg, um 1997. Foto: Imago/KPA/United Archives

„Ein guter Schlager kann mich regelrecht anrühren“ – Wenige Schauspieler waren auf beiden Seiten der Mauer derart beliebt wie Manfred Krug. Als Star in DEFA-Filmen prägte er das DDR-Kino ab den späten 1950er-Jahren bis zu seiner Ausreise 1976 infolge seines Protestes gegen die Ausbürgerung von Wolf Biermann.

Legendär ist seine Rolle in Frank Beyers „Spur der Steine“ (1966), der von der SED-Zensur verboten wurde und erst 1989 in die Kinos kam. Neben der Schauspielerei etablierte sich Krug als Sänger und Pianist, er kombinierte deutschen Schlager, Jazz und Chanson und trat mit den wichtigsten Musikern der DDR auf.

Im Westen setze er seine Karriere fort, als Anwalt in der Fernsehserie „Liebling Kreuzberg“ schloß ihn auch das West-Berliner Publikum ins Herz. Ungezählte Alben mit seiner Musik sind noch erhältlich, empfehlenswert ist die Sammlung früher Aufnahmen für das Label Amiga „Das war nur ein Moment“.


Tamara Danz

Die Sängerin der DDR-Rockband Silly, Tamara Danz. Aufnahme von 1992.
Die Sängerin der DDR-Rockband Silly, Tamara Danz. Aufnahme von 1992. Foto: Imago/Teutopress

„Das einzige, was mir noch droht, ist ein Leben, noch so ein Leben nach dem Tod“ – Bei Tamara Danz stimmt der leicht abgenutzte Begriff der „Rock-Lady“ voll und ganz. Als Sängerin in der Liedgruppe „Oktoberklub“ und allen voran als Frontfrau der Rockband Silly prägte sie die Musikszene in der DDR.

Mit Silly beherrschte sie in den 1980er-Jahren die Charts und wurde auch außerhalb der DDR gehört. Nach der Wende erschienen noch weitere Platten, doch eine Brustkrebserkrankung beendete ihre Karriere. 1996 starb Danz in Berlin.

Heute erinnert eine Straße in Friedrichshain, unweit der Mercedes-Benz-Arena, an die Sängerin und Songschreiberin. Alexander Osang veröffentlichte mit „Tamara Danz. Legenden“, ein Jahr nach ihrem Tod, eine Biografie über die viel zu früh verstorbene Ikone.


Heinz Florian Oertel

Reporter Heinz Florian Oertel berichtet vom ISTAF 1992 im Berliner Olympiastadion, Sommer 1992.
Reporter Heinz Florian Oertel berichtet vom ISTAF 1992 im Berliner Olympiastadion, Sommer 1992. Foto: Imago/Kai Bienert

„Liebe junge Väter oder angehende, haben Sie Mut! Nennen Sie Ihre Neuankömmlinge des heutigen Tages ruhig Waldemar! Waldemar ist da!“ – Die Begeisterung für den Marathon-Olympiasieg des DDR-Läufers Waldemar Cierpinski hätte nicht größer sein können. Der Sportjournalist Heinz Florian Oertel hat zwischen 1949 und 1991 für das DDR-Fernsehen und fürs Radio von den wichtigsten Sportveranstaltungen der Welt berichtet.

Seine lockere und zugleich professionelle Art prägte ganze Generationen, er gehörte zu den bekanntesten Journalisten des Landes. Heute lebt der 1927 geborene Reporter zurückgezogen in Berlin-Schönholz. In zahlreichen Büchern hat er seine Karriere reflektiert, sich aber auch kontrovers zu politischen Themen geäußert. Zuletzt erschien 2017 sein Buch „Wenn man aufsteht, wird die Verbeugung tiefer“.


Helene Weigel

Berühmte Berliner: Helene Weigel als „Mutter Courage“ in Bertolt Brechts gleichnamigem Schauspiel.
Helene Weigel als „Mutter Courage“ in Bertolt Brechts gleichnamigem Schauspiel. Foto: Wikimedia Commons/Deutsche Fotothek/CC BY-SA 3.0

„Wir waren nicht das, was sie wollten, aber sie wollten auch nicht verlieren, was sie mit uns hatten“ – Natürlich hätte hier auch Bertolt Brecht, Helene Weigels Ehemann und Weggefährte, als Berliner Legende Erwähnung finden können.

Doch die 1900 in Wien geborene Weigel hat als Schauspielerin und Intendantin des Berliner Ensembles das Werk ihres berühmten Partners mitgestaltet, zuweilen gar ermöglicht und stets mitgetragen. Sie teilten sich ihr Schicksal, von frühem Ruhm, Flucht und Exil bis zur Rückkehr nach Ost-Berlin.

Weigel ist in ihrer Rolle der „Mutter Courage“ in die Geschichte eingegangen und hat die deutsche Theaterlandschaft noch Jahre nach Brechts Tod geprägt. Empfehlenswert ist ihr Briefwechsel mit Brecht „ich lerne: gläser + tassen spülen“ sowie die von Sabine Kebir verfasste Biografie „Helene Weigel. Abstieg in den Ruhm“. 


Horst Buchholz

Berühmte Berliner: Horst Buchholz, Porträt aus dem Jahr 1985.
Horst Buchholz, Porträt aus dem Jahr 1985. Foto: Imago/Teutopress

„Ich mag es wirklich nicht zu reden“ – Der deutsche Filmstar galt als scheu und eher verschwiegen. Dennoch hat er eine Karriere von Weltrang gemacht. 1933 in Neukölln geboren, spielte er in der Nachkriegszeit am Theater. Schon bald wurde er für das Kino entdeckt.

„Hotte“, wie er sein seiner Jugend genannt wurde, spielte anfangs in Deutschland, später auch in den USA, Frankreich und Italien. Wegen seines guten Aussehens nannte man ihn auch den „Deutschen James Dean“. Zu seinen wichtigsten Filmen gehören Billy Wilders „Eins, zwei, drei“, „Die glorreichen Sieben“ von John Sturges und noch 1993 spielte er in Wim Wenders‘ „In weiter Ferne, so nah“.

In Werner Sudendorfs Biografie „Verführer und Rebell“ bekommt man einen guten Zugang zu dem Berliner Weltstar.

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