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12 Dinge, die uns an Weihnachtsfeiern nicht fehlen

Manche mögen in ihrem Corona-Koller bereits jetzt Sehnsucht anmelden – und spätestens nächstes Jahr darf sowas auch formuliert werden. Aber seien wir ehrlich, das Wegfallen von Weihnachtsfeiern in der Firma ist vor allem ein Segen. Von klebrigen Büroböden über klebrige Kollegenhände zu krümeligen Buffets – hier sind 12 Dinge, die uns dieses Jahr garantiert nicht fehlen werden.

Weihnachtsfeiern sind der geballte Spaß der trügerischen Sorge. Foto: tipBerlin

Weihnachtsfeier wo? Natürlich im Büro

Große Stimmung zu großem Jahresabschluss: Weihnachtsfeiern im Büro. Foto: Imago Images/Panthermedia

Ja wo denn nur, wenn nicht mieten? Da ohnehin kein Budget für die Feier vorhanden ist und das, was nicht da ist, eh schon in Glühwein investiert: In den firmeneigenen vier Wänden. Wohl denen, die nicht nur Obstschale und Wasserflat haben, sondern auch kitataugliche Konferenz- und Freizeiträume.

Pech für die, die eine halbe Stunde früher Feierabend kriegen, um schnell alle Tische zusammenzuschieben, die Birnen aus der Deckenbeleuchtung drehen und Lametta aufzuhängen. Noch mehr Pech für die, die mittendrin gerade noch an einer Abgabe arbeiten.


Musikauswahl: weihnachtlich-schaurig

Darf auf keiner Feier fehlen, leider: Wham! Foto: Imago Images/United Archives

Hier geht schief, was schiefgehen kann: Niemand hat Lust, seinen Musikgeschmack zu entblößen, niemand sieht sich in der Verantwortung. Das Ende vom Lied ist eine schaurige Weihnachtsplaylist, in der einfach alles enthalten ist, was sonst dran erinnert, warum Radio hören zu Weihnachten gleich doppelte Strafe ist.

Das mit der Verantwortung ändert sich dann übrigens mit dem Trunkenheitsgrad: Irgendwann kommt dann doch der Büroentertainer (in 95% aller Fälle männlich) und schließt sein Handy an. Der Tonterror gehr weiter, nur anders. Wenns nicht gerade die Redaktion eines Musikmagazins ist.


Die Getränkekarte: Glühwein, was sonst

Bloß nicht zu viel Mühe geben, der Rote Tod wird eh getrunken. Foto: Imago Images/agefotostock

Irgendjemand hat immer den Geheimtipp, in welchem Discounter gerade Glühwein runtergesetzt ist. Und keine Weihnachtsfeier kommt ohne diesen gezuckerten Rotweinverschnitt aus. In besonders engagierten Büros werden noch zwei bis drei Orangen und ein paar Zimtstangen beigemengt, die dann bis zum Ende der Feier im umfunktionierten Druckkochtopf ziehen dürfen.

Die fünf Paletten sind dann irgendwann leer und die von Anhängseln mitgebrachten drei Sixpacks Bier halten auch nicht lange. Immerhin: Pflichtbewusst werden die Schnapsflaschen aus den Schubladen mancher Kolleg*innen gestiftet. An Wasser denkt niemand. Wieso auch, das würde ja der nächsten wichtigen Partyzutat hinderlich sein…


Der Kater: Monströs

Süßer die Schädel nie klingen: Der morgen nach der Weihnachtsfeier schmerzt doppelt. Foto: Imago Images/agefotostock

Wasser? Überbewertet. Das andere Zeug ist ja schließlich auch flüssig und wärmt bei der Raucherpause von innen. Am nächsten Tag ist dann alles verklebt, vor allem das Selbst. Der einzige Trost am Brummschädel: Selbst der Chef sieht umnächtigt aus, grummeliges Seufzen wird eher anerkennend zur Kenntnis genommen. Blöd nur, dass die Deadline mit genau viel Nachdruck hämmert wie die sportliche Menge alkoholisiertes Zuckerwasser gestern Abend.


Heuchlerische Lockerheit – morgen wieder Dienst nach Vorschrift

Der Aktenberg wird durch Glühwein auch nicht weniger. Foto: Imago Images/agefotostock

„Toll, dass wir uns mal so zwanglos kennenlernen“ – es ist wirklich prima, dass der knurrige Personaler abendfüllend von seiner Radtour nach Frankreich erzählen kann und die Dame aus der Finanzabteilung eigentlich ein verkanntes Bühnentalent ist. Wird nur noch besser, wenn die Abteilungsleitung einem zum preisgünstigen Vodka die teure Erinnerung reicht: die Abrechnung der letzten drei Monate ist morgen trotzdem fällig.


Aufräumen: Klebrige Angelegenheit

Schnell aufräumen, bevor das Putzpersonal streikt. Foto: Imago Images/Cinema Publishers

Was vom Feste übrig blieb, ist nie besonders schön. Die Melange aus süßlich-süffigem Geruch, dessen Ursprung einen förmlich an den Boden zieht. Das Teeküchen-Massaker. Die eilig zusammengeschobenen Tische. Der vergessene Schal. Die krümeligen Überreste des Buffets. Becher. Tassen. Noch mehr Becher. Chipstüten. Becher? Becher. Irgendwer muss das alles aufräumen, bestenfalls bevor der Putzdienst kommt und Streik anmeldet.


Motto-Weihnachtsfeiern aus der Vorhölle

Absolut innovativ: Weihnachtsfeiern durch lustige Kleidung auflockern. Foto: Imago Images/Everett Collection

Irgendjemand kommt immer auf die Idee, wie die Stimmung bis zur Siedetemperatur des roten Gesöffs aufgelockert werden kann. Und dann kommt das Motto. Die Pyjama-Party als selbsterfüllende Prophezeiung jedweder späteren Anzüglichkeit, Kostümwichteln überträgt die Grausamkeit der Idee kurzerhand auf Kleidung. Wenn gar nichts passt, findet sich sicher die zündende Idee: Ugly Weihnachtssweater als Gipfel der Ironie.


Verzweifeltes Geflirte – der Klassiker bei Weihnachtsfeiern

Auf Weihnachtsfeiern wirds schnell auch mal übergriffig. Foto: Imago Images/Peter Widmann

Es braucht vielleicht keine nackten Körper auf Kopierern, aber auch abseits dieser Klischees sind Weihnachtsfeiern ein erstaunlich klischeevolles Feuchtbiotop unangebrachten Verhaltens. Die kumpelhafte Überschwänglichkeit des Chefs umfasst erstaunlich oft die Schulter, der eigentlich nette Kollege setzt sich kurzerhand auf die Schreibtischplatte – sich auf den Schoß setzen wäre schließlich unmännlich – und der Glühwein macht der Ressortleiterin den Praktikanten schmackhaft.


Das Buffet – niemals bereichernd

Der Endgegner jedes Buffets: Erdnussflips. Foto: Imago Images/Shotshop

Weihnachtsfeiern bieten Buffets aus der Vorhölle: Wenns engagiert wird, kommt ein „Worst of“ der Betriebsfeiern dazu – Schnittchen, Minibuletten, irgendjemand musste seine in Kokosmilch ertränkte Kürbissuppe zum Besten geben. Reichlich Fladenbrot.

Auch die Schmalspurversion mit trockenem Industriestollen, Printen, viel zu schnell weggefutterten Spekulatius und Marzipankartoffeln ist kaum besser. Allen Varianten gemein: Am Ende bleiben wieder nur Erdnussflips übrig, was seltsamerweise aber niemandem jemals zu denken gab.


Verpflichtend gute Laune

Gute Laune als Bürodoktrin, wehe dem, der nicht mitmacht. Foto: Imago Images/Agefotostock

Wehe denjenigen, die nur ein Wässerchen trinken wollen (gibts eh nicht) – Zurückhaltung wird schwer geächtet. Jeder Versuch, sich Glühwein zu entziehen, wird als unkollegial gewertet. Polonaise statt Solonaise, was es vorher an teambildenden Maßnahmen nicht gab, muss heute dreifach nachgeholt werden.


Smalltalk: Alles, was wir nicht wissen wollten

Alles, was bei auf halbem Ohr mitgehörten Telefongesprächen schon nicht interessiert hat, jetzt auch ausführlich. Unter den Masken ist schwer atmen? Die Kantstraße bietet wirklich tolles Essen? Trotz Krise den persönlichen Umsatz gesteigert? In-te-res-sant!

Ein Glück hat die Kollegin ihren Verlobten aus dem Auswärtigen Amt dabei, der ist viel rumgekommen und hat viel zu erzählen – nur leider springt seine Platte an der Stelle, an der er Island als dunkel und langweilig erkannt hat.


Spiele als letzter Notnagel

Karaoke als Stimmungsnotnagel und Endgegner-Bondingmaßnahme. Foto: Imago Images/PA Images

Wenn alles nichts hilft, gibt es immer noch Spiele: Tischtennis auf Bürotischen ist ein beliebter Klassiker. Reise zum Konferenzsaal ebenso, mit gebotener Schadenfreude, Einbindung vom Spotifykollegen und der Gelegenheit, es der Kollegin mal so richtig heimzuzahlen. Wenn die Hierarchien so richtig abgeflacht werden sollen, gehen auch immer noch Trinkspiele. Besser wirds dadurch nicht unbedingt. Schon garnicht durch Karaoke.


Mehr Weihnachten

Dieses Jahr ist alles anders – vielleicht sollten wir uns damit anfreunden, dass Weihnachten ausfällt, meint Sebastian Scherer. Wer zumindest einmal etwas Glühwein trinken möchte, findet hier eine Übersicht über stattfindende Weihnachtsmärkte – und die, die ausfallen. Sicher immer eine gute Geschenkidee: Etwas aus Feinkost- und Delikatessenläden. Weihnachten geht vorrüber, auch Pandemien gehen vorrüber: was wir dann am liebsten tun wollen, wenn einmal alles wieder vorbei ist.

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