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Berlin verstehen

12 Dinge, die ich als Spandauerin nicht mehr hören kann

Unsere Autorin ist Spandauerin – aber wenn sie früher jemand gefragt hat, woher sie komme, hat sie immer betont, in Charlottenburg geboren zu sein. Denn aus Spandau zu kommen war und ist ja quasi ein soziales Todesurteil. Irgendwann war ihr das aber zu blöd: Spandau ist ihr Zuhause, sie kennt die Schönheit des Bezirks und ist mittlerweile stolz darauf, dort aufgewachsen zu sein. Sie hat sich ein dickes Fell zugelegt, was das Thema angeht, aber diese 12 Sätze kann sie als Spandauerin einfach nicht mehr hören.

Unsere Autorin ist Spandauerin – und kann ein paar Sätze über den Stadtteil einfach nicht mehr hören. Foto: Rebecca Rütten
Unsere Autorin ist Spandauerin – und kann ein paar Sätze über den Stadtteil einfach nicht mehr hören. Foto: Rebecca Rütten

„Spandau gehört doch gar nicht zu Berlin, haha“

Ganz beliebter Spruch, vor allem bei Zugezogenen. Die haben diesen Satz wahrscheinlich mal jemanden sagen gehört, woraufhin alles lachte. Reality Check: Das ist genauso so ein Dad-Joke wie: „Höhö Anna, von vorne wie von hinten.“ Übrigens: Spandau gehört seit 1920 offiziell zu Berlin, das würde ich als lange genug bezeichnen, um sich diesen Spruch zu sparen. Abgesehen davon ist Herkunftsbashing peinlich, liebe Schwaben.


„In Spandau kenne ich nur den Bahnhof.“ 

Den U-Bahnhof Rathaus Spandau kennen viele. Aussteigen lohnt sich. Foto: Imago/Sabine Gudath

Kannste mal sehen, immerhin ein Anfang! Tipp: Einfach mal aussteigen, ist nämlich schön hier. Wie wär’s zum Beispiel mit einem Eis bei Florida, einem Drink in guten Spandauer Kneipen wie Plan B oder einem Spaziergang durch die Tiefwerder Wiesen? Es gibt viele tolle Orte in Spandau. Und wie du dann wieder zurück kommst, weißt du auch, denn du kennst ja schon den Bahnhof.


„Die Spandauer:innen sagen doch aber selbst, dass sie nicht dazugehören wollen“

Ich weiß nicht, wer „die“ sind und ich kann auch nur für mich sprechen, aber ich sehe das anders und ich kenne selbst keine Person, die diese Aussage ersthaft trifft. Und wenn, dann nur, weil wir aufgehört haben, uns dafür zu schämen, wo wir herkommen und es eher mit einer Art Stolz betonen.


„Das ist doch da, wo die Zitadelle ist, oder?“

Foto: Imago/Jürgen Ritter

Ja, genau. Schön, dass sich ein bisschen mit Kultur und Geschichte auseinandergesetzt wird. Die Zitadelle Spandau ist ziemlich spannend – und das nicht nur wegen des Citadel Music Festivals. Aber es gibt mehr als einen kulturellen Ort in Spandau. Die in den 1930er-Jahren erbaute Großsiedlung Siemensstadt gehört zum Beispiel sogar zum Weltkulturerbe.


„Da will ich wirklich nicht tot über’m Zaun hängen.“

Und wir wollen hier niemanden tot über einem Zaun hängen haben. Win Win.


„Ach, du kommst aus Spandau? Du wirkst gar nicht so assi“

Mensch, danke für dieses tolle Kompliment. Das ist genau das, was ich hören möchte, wenn ich gerade erzähle, wo ich herkomme. Weil es ja auch total klar ist, dass die Leute sich immer entsprechend dem Ruf ihres Bezirkes verhalten. Es sind ja sonst auch alle Charlottenburger:innen versnobt und grundsätzlich jede Person in Friedrichshain ein Druffi. Da kann man sich schon mal wundern. Aber hey, schön, dass ich eine Ausnahme bin. Die bestätigen ja bekanntlich die Regel, oder?


„Spandau ist mir ja viel zu weit draußen“

Na ein Glück, sonst hätte man hier wahrscheinlich nicht mehr die Ruhe, die man so schätzt.


„In Spandau ist doch null was los“

Klar, Spandau ist nicht Mitte, und genau aus diesem Grund konnte man hier bis vor kurzem auch noch eine Menge bezahlbaren Wohnraum finden. Party machen, gut Essen gehen und gepflegt etwas in einer Bar trinken, geht hier aber genauso – man muss halt wissen wo. Zum Beispiel bei Solo Pizza Spandau, eine der absolut besten Pizzerien in ganz Berlin oder im benachbarten Plan B – ein Treffpunkt für viele Spandauer:innen seit ihrer Jugend, wo ich schon mehr als eine Nacht durchgetanzt habe.


„Ich kenn nur Spandau Ballett“

Nervt die Leute in Spandau: der ewige Verweis auf die Band Spandau Ballett. Foto: Imago/Future Image International

Und wusstest du auch, dass die Band bei ihrer Namenswahl keine Ahnung hatte, dass Spandau existiert und trotz mehrfacher Berlin-Auftritte nicht einmal hier gespielt hat? Ein Freund der Band kam nach einer Reise aus der Hauptstadt mit dem Namensvorschlag zurück, den er auf einer Clubtoilette gelesen haben soll. Den traurig-makaberen Hintergrund des Ausdrucks „Spandau Ballett“ erfuhren die Bandmitglieder erst viel später. Obwohl auch der nicht ganz geklärt ist. So gibt es die eine Vermutung, dass es mit der hohen Zahl an Suiziden durch Erhängen im ehemaligen Militärgefängnis Spandau zusammenhängt. Eine andere Möglichkeit sollen die Schüsse vom „Spandau-Maschinengewehr“ gewesen sein, die die Feinde der Deutschen im Ersten Weltkrieg „tanzen“ ließen. Ganz schön harter Tobak.


„Du bist jetzt aber schon froh, dass du da nicht mehr wohnst, oder?“

Nö. Ich wohne zwar auch gerne zentraler, würde aber jederzeit wieder nach Spandau zurückziehen. Ich liebe meinen ehemaligen Kiez bis heute.


„Na immerhin habt ihr es schön grün, aber…“

Sucht man in Friedrichshain oder Neukölln vergeblich: Wasserbüffel. Foto: Imago/Jürgen Ritter
Sucht man in Friedrichshain oder Neukölln vergeblich: Wasserbüffel. Foto: Imago/Jürgen Ritter

Ganz beliebt bei Leuten, die einem nicht direkt auf die Füße treten wollen, im Nachgang aber doch einen der bereits aufgeführten Sätze sagen. Und ja, wir haben es in Spandau schön grün. So grün, dass wir sogar Wasserbüffel beim Spaziergang in Klein Venedig sehen können – zeig mir das mal in einem der hippen Szenebezirke, pah!


„Warum wohnt man denn in Spandau?“

Gegenfrage: Warum wohnst du in Neukölln, Kreuzberg, Prenzlauer Berg, Lichtenberg,…? Es ist der Bezirk, in dem ich groß geworden bin, der Bezirk, den ich kenne und liebe. Hier wohnen meine Familie und viele meiner Freund:innen. Warum sollte ich also nicht in Spandau wohnen wollen?


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