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Architektur

12 Tunnel in Berlin: Die dunkle Seite der Architektur

Der Tunnel ist zuallererst recht unsexy: In seiner Natur liegt, Orte (meist) unterirdisch zu verbinden, weil oben irgendwas im Weg ist. Wasser, ein Berg, ein Hauptbahnhof, zum Beispiel. Auch in Berlin ist eher ein Stiefkind des Architektur-Kanons, sind die Varianzmöglichkeiten doch recht eingeschränkt. Dunkel sind die meisten Tunnel, oft auch wenig einladend.

Und doch ist der Tunnel so wichtig, so un entbehrlich, ein wichtiger Pfeiler in unserer Mobilität, beziehungsweise im schnellen Vorankommen. In Berlin haben sie eine lange Tradition. Verkehr, Strom, Wasser und Gas fließen zu großen Teilen unterirdisch. Brauereien und andere Betriebe bauten umfangreiche Systeme aus Gängen und Schächten. Und natürlich wurden immer wieder auch Tunnel aus militärischen Gründen angelegt.

Und nicht zuletzt schrieben in den Zeiten der Berliner Mauer Fluchttunnel Geschichte. Die Berliner Unterwelt ist spannend und vielfältig. Wir widmen uns in dieser Liste aber den ganz regulären Tunneln, die man als Fußgänger oder Autofahrer kennt. Einige sind architektonisch spektakulär, andere historisch aufgeladen, und manche sind zu sozialen Brennpunkten geworden. Hier sind 12 Tunnel in Berlin.


Tiergartentunnel

Unter dem Berliner Zentrum, der Tiergartentunnel.
Unter dem Berliner Zentrum, der Tiergartentunnel. Foto: Imago/Frank Sorge

Seit März 2006 verbindet der knapp 2,4 Kilometer lange, unter dem Tiergarten verlaufende Tunnel Kreuzberg mit Tiergarten und Mitte. Der Bau symbolisiert das Zusammenwachsen der Stadt nach dem Mauerfall. Heute durchqueren täglich etwa 50.000 Fahrzeuge den einst vom ADAC als „Tunnel des Jahres“ gewürdigten Verkehrsweg.

  • Zufahrten: Minna-Cauer-Straße, Invalidenstraße, Tiergartenstraße und Reichpietschufer

Fußgängertunnel am Flughafen Tegel

Tunnel in Berlin: Der Fußgängertunnel zum Flughafen Tegel.
Der Fußgängertunnel zum Flughafen Tegel. Foto: Imago/Sabine Gudath

Mit viel gutem Willen könnte man den Fußgängertunnel zum Flughafen Tegel dem Brutalismus zuordnen. Beton und markige Formsache dominieren, die runden Öffnungen eröffnen den Blick auf die Autounterführung, es herrscht eine düstere, befremdliche Stimmung in dem Durchgang, der eigentlich nur für jene bequemen Sparfüchse sinnvoll ist, die statt mit BVG oder Taxi mit dem eigenen Auto kommen, das dann irgendwo am Saatwinkler Damm parken und den Rest der Strecke zum Terminal zu Fuß zurücklegen.

  • Zufahrt zum Flughafen Tegel, Reinickendorf

Spreetunnel Friedrichshagen

Spreetunnel zwischen Friedrichshagen und Alt-Köpenick. Foto: Imago/Friedl

Seit 1927 können Berliner die Spree zwischen Friedrichshagen und Alt-Köpenick unterqueren. Eine Brücke hätte an der Stelle den Schiffsverkehr gestört. So wurde der Tunnel gebaut und gehörte zu den wichtigen Projekten in den Anfangsjahren von Groß-Berlin. Am Kriegsende wollten die Nazis den Tunnel sprengen, was in letzter Minute verhindert wurde. Heute bildet der 120 Meter lange Tunnel eine wichtige Verbindung ebenso für Anwohner wie für Ausflügler.

  • Friedrichshagen, Spreeufer und Kämmereiheide am Westufer des Müggelsees

 Tunnel unter der Liebknechtbrücke

Die Karl-Liebknecht-Brücke – sie ist nicht nur Durchgang, sondern wird auch häufig von Obdachlosen als Schlafplatz genutzt.. Foto: Imago/Imagebroker

Tunnel sind oft auch unangenehme Orte. Betrunkene urinieren an die Wände, es stinkt und ist düster. Nicht wenige werden schneller, wenn sie durch einen Tunnel gehen müssen. Für Menschen in Not bieten Tunnel aber eine Art rudimentären Schutz. Wie unter Brücken ist man auch in Tunneln vor Hitze, Regen und Schnee geschützt, und so wählen Obdachlose oft Tunnel, um dort ihre Bettlager aufzuschlagen. Wie etwa in dem Tunnel unter der Liebknechtbrücke in Mitte.

  • Karl-Liebknecht-Brücke, Mitte

Tunnel am Bahnhof Wannsee

Der Tunnel im Bahnhof Wannsee wurde vom Künstler Christoph Niemann mit Kacheln gestaltet.
Der Tunnel im Bahnhof Wannsee wurde vom Künstler Christoph Niemann mit Kacheln gestaltet. Foto: Imago/Jürgen Ritter

Nur wenige Tunnel wurden in Berlin künstlerisch gestaltet. So wie die Untermauerung im S-Bahnhof Wannsee, die der international gefeierte Berliner Illustrator Christopher Niemann mit einem Mosaik verschönert hat. Die Motive beziehen sich auf das Strandbad und die Sommerfrische, die für viele Berliner zum Sommer dazugehören.

  • S-Bahnhof Wannsee

Tunnel am S-Bahnhof Tegel

Tunnel in Berlin: Passage im S-Bahnhof Tegel.
Passage im S-Bahnhof Tegel. Foto: Imago/Jürgen Ritter

Auch am S-Bahnhof Tegel könnte man sich eine Intervention wie in Wannsee gut vorstellen. Doch noch mutet der Tunnel klassisch an. Rundbögen, Oberlichter und Fliesen dominieren und stehen für die Berliner Bauweise aus der Vorkriegszeit.

  • S-Bahnhof Tegel

Unterführung Leipziger Straße

Unterführung Leipziger Straße.
Unterführung Leipziger Straße. Foto: Imago/Rolf Zöllner

Die Unterführung unter der Leipziger Straße haben wir in unsere Liste mit „harten Orten“ in Berlin gewählt. Der dicht besprühte und wenig schöne Tunnel gehört tatsächlich zu den Orten, an denen man sich nicht länger als nötig aufhalten muss. Aber er gehört zu der Stadt dazu und versprüht eine urbane Atmosphäre.

  • Leipziger Straße, Mitte

Tunnel Nordbahnhof

Tunnel in Berlin: Fußgängertunnel im S-Bahnhof Nordbahnhof.
Fußgängertunnel im S-Bahnhof Nordbahnhof. Foto: Imago/Hohlfeld

Der lange Tunnel am Nordbahnhof eignet sich gut als Location für Instagram-Fans, die sich in spektakulärer Perspektive fotografieren wollen. Die runden Lampen, die roten Linien am Boden und der Decke und die glatten Wände verströmen eine spezielle Stimmung wie aus einem Science-Fiction-Film der 1970er-Jahre.

  • Nordbahnhof, Mitte

Mäusetunnel

Tunnel zwischen der U2 und der U6, U-Bahnhof Stadtmitte.
Tunnel zwischen der U2 und der U6, U-Bahnhof Stadtmitte. Foto: J. Cornelius/ Wikimedia Commons/ CC BY 3.0

Auch der Tunnel im U-Bahnhof Stadtmitte, der zwischen der U2 und der U6 verläuft, ist gut bekannt. Täglich laufen hier Tausende Fahrgäste entlang, Straßenmusikanten sorgen gelegentlich für klangliche Untermalung und auch hier spürt man eine seltsam futuristische Stimmung.

  • U-Bahnhof Stadtmitte, Mitte

Fußgängertunnel unter der Moltkebrücke

Tunnel in Berlin: Ein Fußgängertunnel unter der Moltke-Brücke im Regierungsviertel.
Ein Fußgängertunnel unter der Moltkebrücke im Regierungsviertel. Foto: Imago/Imagebroker

Die knapp 80 Meter lange Moltkebrücke überspannt die Spree und verbindet das Regierungsviertel mit Moabit, darunter befindet sich ein Fußgängertunnel aus gelblich-rotem Ziegelstein. Die im Boden eingelassenen Strahler tauchen den im 19. Jahrhundert errichteten Bau in gleißendes Licht.

  • Moltkebrücke, Mitte

Gleimtunnel

Gleimtunnel verbindet Prenzlauer Berg und Gesundbrunnen.
Gleimtunnel verbindet Prenzlauer Berg und Gesundbrunnen. Foto: Images/Jürgen Ritter

Der Gleimtunnel gehört auch zu den unschönen Orten in dieser Stadt. Sowohl Autofahrer wie auch Fußgänger passieren hier die Strecke zwischen Gesundbrunnen und Prenzlauer Berg. Bei Starkregen wird er regelmäßig überflutet und war deshalb auch immer wieder gesperrt. Nicht selten verirren sich in den 130 Meter langen Bau auch Füchse – die haben sich in Berlin eh gut eingelebt. Zwischen 2007 und 2013 fand hier einmal im Jahr die so genannte „Gleimtunnel-Party“ statt. Aber die Zeiten sind lange vorbei.

  • Gleimstraße, Prenzlauer Berg

Tunnel am Großen Stern

Tunnel in Berlin: Tunnel zur Siegessäule.
Tunnel zur Siegessäule. Foto: Imago/Hohlfeld

Der Große Stern gehört den Autofahrern, wer auf die Mittelinsel will, auf der die Siegessäule steht, muss den unterirdischen Weg wählen. Das Tunnelsystem ist schlicht und mutet moderner an als die berühmte Berliner Sehenswürdigkeit.

  • Großer Stern, Tiergarten

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