Stadtleben

2012: So sieht\s aus – Teil 2

Hunde8. Gassi mit Führerschein
Das Hundegesetz von 2004 soll geprüft werden. Das hat die rot-schwarze Koalition beschlossen. Es geht vor allem um Paragraf 5, den mit den gefährlichen Hunden, also Pitbulls, Bullterrier und so. Mehr Hunderassen sollen auf die Kampfhundeliste. Hundeführerschein und Leinenpflicht für alle Hunde – vielleicht. Dann mehr Kontrollen, wenn sich’s umsetzen lässt. Wie genau, was genau, ist unklar. Härter soll’s werden und im Sommer in Kraft treten. Und die Sache mit der Kacke auf den Gehwegen? Schwierig. Vielleicht könnte man da ein Zusatz-Seminar an den Hundeschulen einrichten?

9. Bezirksinkasso
„Schönen Guten Tag, wir würden mit Ihnen gern über ihre Mietaltschulden beim Bezirk reden. Und der Herr hinter mir ist Wladimir, der war früher mal Kickboxer. Wir dürfen doch reinkommen, oder?“ Solche Gespräche könnten demnächst zunehmen. Der Bezirk Marzahn-Hellersdorf hat jetzt als erster Bezirk einen Teil seiner ausstehenden Forderungen aus Pachten und Mieten von bezirkseigenen Räumen an ein Inkasso-Unternehmen verkauft. Andere Bezirke beobachten das mit Interesse.

10. Shoppen mit Nußbaum
Der Wunschzettel des Senats reicht für Ostern, Nikolaus und Weihnachten zusammen. Den Kauf der Berliner S-Bahn von der Deutschen Bahn will man zumindest prüfen (Hat da gerade jemand „Schrottimmobilie“ gesagt?), die knapp 50 Prozent Anteile an den Wasserbetrieben von RWE und Veolia auch. Zwei Probleme dabei: Die dafür notwendigen Verkäufer wollen gar nicht verkaufen. Finanzsenator Nußbaum müsste ansonsten die landeseigene Geldbörse öffnen. Und das ganz schön weit.

11. Streit um Bettensteuer
Anfang 2013 will der Senat die City Tax einführen. Fünf Prozent sollen die Touris mehr pro Übernachtung zahlen. Das Geld, man rechnet mit 40 Millionen Euro pro Jahr, soll dann wieder in die Tourismusbranche fließen. Die Hoteliers finden das blöd, sie haben Angst, dass die Gäste ausbleiben. Deswegen wollen sie dagegen klagen, 1994 hatten sie vor Gericht schon einmal Erfolg, die Tourismusabgabe kam nicht. Dabei ist die Bettensteuer doch nur gerecht, schließlich muss man als Berliner auf Reisen doch auch fast überall Kurtaxe zahlen.

12. Die neuen Empörten
2011 war das Jahr der Empörten: Demos, Slutwalks, Campinglager. Gegen Kinderwagen im Hausflur, Atomkraftwerke, Autobahnen, Flughäfen, Finanzmärkte. Was kann da noch kommen? Ganz klar: eine Widerstandsgruppe gegen all die selbstgerechten Empörten aus 2011, die über die Empörten Empörten. Nee, die werden nicht zelten, ganz sicher nicht. Sie verteilen Buttons mit „Atomkraft unbedingt“ und „Mieterhöhung jetzt“ und sie gründen Initiativen, einen Haufen Initiativen und sie twittern was das Zeug hält. Zum Beispiel wird es eine Initiative K121 geben, ihr Ziel: die Kastanienallee zur Autobahn umbauen, Stuttgart-Berlin-Mauerpark.

13. Henkels erster 1. Mai
Frank Henkel ist elf Jahre nach Eckart Werthebach der erste CDU-Innensenator, der versucht, bei den traditionellen Krawallen zum 1. Mai einigermaßen heil herauszukommen. Wie man es nicht machen sollte, sollte er von Werthebach gelernt haben. Der verbot 2001 die sogenannte Revolutionäre 1.-Mai-Demonstration der Linken, ließ aber einen NPD-Aufmarsch zu. Das gab Haue. Vielleicht hat Henkel dann sogar schon einen neuen Polizeipräsidenten, der ihm dabei hilft. Wenn der sich bis dahin schon in das neue System der rotierenden Namensschilder der Polizisten eingearbeitet hat. Das soll kompliziert sein, hört man.

14. Ende der Poollösung
Im Zentralen Personalüberhangmanagement (ZeP) landeten seit 2004 rund 10.000 Mitarbeiter des öffentlichen Dienstes, deren Stelle weggefallen war. Von derzeit rund 2.000 gelten rund 400 als nicht mehr in neue Aufgaben vermittelbar. Langjähriger Vorwurf: Die Mitarbeiter wurden von dort oft in ihre alte Behörde versetzt, die Kosten dafür aber auf den Stellenpool umgeschlagen. Ende 2012 soll der nun aufgelöst werden. Und die beurlaubten Dienstkräfte? Sie landen wieder bei ihrer Herkunftsdienststelle. Die werden sich freuen.

15. Mode 2012: Resteverwertung und Ziegenfell-Revival
Auch im neuen Jahr werden uns zwei Trends weiter begleiten: Upcycling und aus gutem Grund vergessene modische Fehltritte aus anderen Jahrzehnten, die aus unverständlichen Gründen wieder hervorgeholt werden. Und so könnte die Ziegenfelljacke aus den 70ern ein Revival feiern. Die stinkt zwar erbärmlich, aber das ist eben Natur pur. Die perfekte Jacke beim Urban Gardening. Eingehüllt von Stallgeruch Kartoffeln ernten und Beete harken, den Fernsehturm im Hintergrund. Das 2012er, upgecycelte Modell ist, ganz klar, aus dem Fell von glücklichen Ziegen gemacht.

Text: Katharina Wagner & Erik Heier

Foto: thraniwen/pixelio.de

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