Stadtleben

2013 wird großartig

2013 wird lustig, so viel ist schon mal klar. Für ausreichend Wahnsinn dürfte schon die Tatsache sorgen, dass 2013 Wagner- und Verdi-Jahr ist: Beide Großtheatraliker der Oper erblickten vor genau 200 Jahren das trübe Licht der Welt. Ein Grund mehr, sich in der Oper aus der Wirklichkeit hinauszuträumen. Frank Castorf inszeniert in Bayreuth den gesamten „Ring“, und die Frage, wie sich Wagner, Bayreuth und Castorf von diesem Crash der Kulturen erholen werden, verspricht zumindest Unterhaltungswert.

Dafür, dass auch ohne Wagner und Verdi an der Komischen Oper keine Langeweile aufkommt, dürfte Barrie Kosky sorgen, der schon in den ersten Monaten seiner Intendanz die gute Laune entschieden angehoben hat und auf dem besten Weg ist, der erfreulichste Berliner Intendant der Saison zu werden. Auch andernorts geht es, mal freiwillig, mal unfreiwillig, heiter zu: Am Maxim Gorki Theater übernimmt im Sommer Shermin Langhoff, die Quoten-Queen des postmi­grantischen Theaters, die Intendanz – auch das könnte lustig werden.
2013 wird wieder mal ein Jahr des tendenziell peinlichen politischen Theaters werden, und das nicht nur, weil die Schaubühne immer noch nicht genug von der Holzhammer-Rechthaber-Regie hat: Volker Lösch lässt wieder mal die Chöre strammstehen. Von etwas größerer Relevanz und ähnlich beschränktem Unterhaltungswert ist das politische Theater im Herbst: Bundestagswahlkampf-Showtime! Für intelligenteres politisches Theater dürften zum Beispiel Andres Veiel mit seinem Stück zur ­Finanzkrise („Das Himbeerreich“) am Deutschen Theater oder Hans-Werner Kroesinger am HAU sorgen.
Ansonsten: Mal abwarten, welche Zeitungen und Zeitschriften ­dieses Jahr den Löffel abgeben.

2013 wird großartig. Garantiert.

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