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4 Fragen zu besserem Schulessen in Berlin

Erika_Takano-ForkBereits in den Berliner Grundschulen wird im Sachkundeunterricht darüber aufgeklärt, was eine abwechslungsreiche, gesunde Ernährung ist. Gleichzeitig ist das Essen in den Schulkantinen oft verkocht und nährstoffarm. Wie passt das zusammen?
Erika Takano-Forck Wir haben hier ein Stellenwertproblem. Und viele Leute schauen da einfach weg – auch Eltern. Der Gesetzgeber sollte sich da eindeutig positionieren und sagen: Ernährungsbildung, und da gehört auch das tägliche Mittagessen in den Schulen dazu, gehört einfach ins Schul­gesetz. Wir vom Landeselternausschuss Berlin möchten gerne, dass die Kinder das, was sie im Unterricht lernen, später auch auf den Tellern in den Kantinen aufgetischt bekommen. Damit das, was die Lehrer sagen, in den Kantinen nicht Lügen gestraft wird.

Der Landeselternausschuss Berlin fordert, dass die Kosten für das Schulessen nach Elterneinkommen gestaffelt werden. Fürchten Sie nicht, dass wohlhabende Eltern ihre Kinder dann vom Schulessen abmelden werden, weil bei ihnen zu Hause sowieso alles besser ist und schmeckt, und Berlin dann auf den hohen Schulessenszuschüssen für die ärmeren Familien sitzen bleibt?  
Viele Eltern haben wegen der jetzigen unbefriedigenden Situation ihre Kinder bereits vom Schulessen abgemeldet, schon deshalb sollte das Essen besser werden. Wir möchten bei der Kostenbeteiligung eine ganz schlanke Staffelung wie in Hamburg, weil es diejenigen berücksichtigt, die mit ihrem Einkommen knapp über dem Anspruch für das Bildungs- und Teilhabepaket liegen und eventuell mit mehreren Kindern die Not haben, den Essensbeitrag zu stemmen. Unsere Sorge ist, dass diese Gruppe bei einer pauschalen Kostenbeteiligung für das Schulessen rausfällt. Für die Schulgemeinschaft ist wichtig, dass für die mitgedacht wird, die in Not sind.

Auch zu Hause muss Geld für warme Mahlzeiten ausgegeben werden. Und sei es, dass die tägliche Tiefkühlpizza gekauft wird.
Man kann Eltern nicht über den gleichen Kamm scheren …

Das Schul­essen soll sich möglichst an selbst oder frisch gekochtem Essen orientieren und es ist gut, wenn die Schüler in einem verlängerten Schulalltag einfach mal zufrieden mampfend an einem Tisch sitzen. Da löst sich auch so manches Problem untereinander.

An den Mensen der Universitäten war das Essen früher ebenfalls verkocht und fad. Mittlerweile kann man dort an Salatbars und zwischen verschiedenen Bio- oder vegetarischen Menüs wählen. Warum geht das nicht auch in den Schulen?
Die Studenten haben einfach gelernt, sich politisch besser zu artikulieren und mitzubestimmen. Unser Ziel ist es ja auch, Kinder stärker mitbestimmen zu lassen. Und bei denen genießt das Thema Essen eine hohe Wertschätzung!     

Interview: Eva Apraku
Foto: Oliver Wolff

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