Stadtleben

Acud Berlin von Schließung bedroht

Acud KinofoyerDie ehemalige Geschäftsführerin Doreen Goldbeck abgehauen, der ehrenamtliche Vorstand am Rande der Belastbarkeit, könnte der Kunstverein nun jederzeit unter der Schuldenlast zusammenbrechen. Ein Wohltäter steht noch nicht vor der Tür, „aber ohne externe Hilfe geht es nicht“, so der Vorstandsvorsitzende Stefan Donath. Doch es flackert ein kleines Lichtlein im schwarzen Finanzierungsloch. Der Berliner Senat hat signalisiert, dass er einen Entschuldungsantrag bei der Stiftung Deutsche Klassenlotterie begleiten würde. Dort fallen die Entscheidungen im Juni, fraglich bleibt, ob das Acud überhaupt solange durchhalten wird.

Sprachlosigkeit herrscht mittlerweile zwischen dem Gläubiger „Stiftung Umverteilen“ und dem Verein. Die Stiftung sicherte 2001 durch den Kauf des Grundstücks die Zukunft des Acud und ermöglichte durch einen Kredit von 240.000 Euro im Jahre 2004 die Fortführung der Sanierungsarbeiten. Wenn die monatliche Rate von 4.100 Euro für Kredite und Erbbaupacht an die Stiftung nicht überwiesen wird, kommt der Zwangsverwalter. Donath: „Unser Bonus ist langsam aufgebraucht.“ Die Deutsche Kreditbank, der zweite Hauptgläubiger, ist durchaus gewillt, das Acud zu unterstützen. Vielleicht sei sogar ein Zwischenkredit möglich, so Donath. Voraussetzung hierfür wäre jedoch die Refinanzierung durch Lotto-Gelder. Der Druck des Bauamts in Sachen Auflagenerfüllung steigt, eine Konzession für Speisen im Cafй Kantina fehlt und der Vertrag mit der Brauerei kommt den Verein teuer zu stehen.

Das Acud ist kein Einzelfall. Es kriselt in der Off-Szene insgesamt. RAW-Tempel, Tacheles und Schokoladen kämpfen ums Überleben, das Orphtheater hat bereits geschlossen. Wo wird es dann noch Probebühnen für junge Kreative geben? Zudem machen diese Läden einen Großteil der Anziehungskraft für viele Besucher der Stadt aus. Das „arm, aber sexy“-Label mag heute schon nerven, aber es gerät zur Farce, wenn die Off-Szene stirbt.

Text: cwu

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