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Airen über sich und sein Buch „I Am Airen Man“ – Teil 2

tip Um Partys, Drogen und Sex ging es damals gar nicht?
Airen Genau. Ich dachte, ich werde irgendwann ein erfolgreicher Manager und trotzdem meine Geheimnisse im Internet preisgeben.

tip Ihre Selbstbeschreibung im Arbeitsalltag liest sich so: „der
altbekannte Teufelskreis aus Schüchternheit, Selbsthass und Rückzug. Nicht gerade ideale Voraussetzungen für so einen Job, oder?
Airen Absolut nicht. Um dort drin zu reüssieren, habe ich das alles nicht, was man braucht. Das war immer mein Problem.

tip Dann zogen Sie nach Mexiko-Stadt, arbeiteten dort auch für die Unternehmensberatung. Von der Zeit handelt „I Am Airen Man“. Warum überhaupt gerade Mexiko?
Airen Weil es möglich war. Weil ich weg wollte. Die haben mir bei der
Firma auch in Berlin einen festen Job angeboten. Ich habe aber die Tage gezählt, bis ich hier rauskomme. Mein Leben war in Berlin nichts mehr wert. Hauptsache weg. Hauptsache was Neues.

/Airen_Airenmantip Ist Berlin als Partystadt so singulär, wie man oft sagt?
Airen Ich kenne nicht so viele Städte. Aber von denen, die ich gesehen
habe, würde ich sagen: Ja. Ich finde auch, dass Berlin manchmal einen richtig schlechten Einfluss auf einen hat. Wenn ich mal in Bayern war und dann zurück nach Berlin kam, merkte ich richtig: Berlin will, dass ich Drogen nehme. Die Stadt zieht einen zu den Extremen.

tip Denken Sie manchmal: Komisch, dass ich noch lebe, sogar noch gesund bin, klar denken kann? Dass ich davongekommen bin?
Airen Nein. Ab und zu merke ich, dass ich Wortfindungsschwierigkeiten
habe. Ob das am Feiern liegt oder am jahrelangen Spanischsprechen, keine Ahnung. Aber es waren schon viele ungesunde Situationen dabei. Das Herz sticht, du hast einen Puls von 180, der geht stundenlang nicht runter. Alles schon grenzwertig. Aber vielleicht hätte ich ja auch noch das Doppelte vertragen (lacht).

tip Sie haben jetzt Familie: eine Frau, die Sie in Mexiko kennengelernt haben, einen kleinen Sohn. Ist damit die Clubbing-Zeit passй?
Airen Das kam vorher schon schleichend. Aber gestern abend habe ich ein cooles DJ-Set gehört und gedacht: Ich habe wieder mal richtig Bock, wegzugehen. Das mache ich auch manchmal.

tip Immer noch ins Berghain, wie früher, wie in quot;Strobo“?
Airen Ja. Oder ins Watergate. Aber ich gehe immer mit einem Selbstekel raus. Unterletzte Schublade, was man sich da gegeben hat.

tip Es ist nicht mehr dieses Zuhause-Gefühl?
Airen Nach dem Mexiko-Aufenthalt wurde es zwiespältig. Ich kann den
Kontakt zu den Leuten nicht mehr so herstellen wie früher. Aber es reizt immer noch, wenn der Sound cool ist, volle Kanne. Aber am nächsten Tag denke ich dann: Die ganzen Gespräche, nur hohles Gesülze. Weil jetzt alle schon viel zu cool sind, alles schon tausendmal gesehen und gehört haben, jeden DJ in jeder Location.

tip Sie haben Mitte Februar der „FAZ“ gesagt: „Ich habe das Blog geschlossen, weil ich nichts mehr zu sagen und nichts mehr zu schreiben hatte.“ Sie hatten damit wirklich völlig abgeschlossen?
Airen Es hat ja alles nichts gebracht. „Strobo“ ist voll abgestürzt. Ich war lange arbeitslos, hatte davor bei einer Werbeagentur gearbeitet, dann ging’s der schlecht, Kurzarbeit und so. Es ist nichts mehr passiert. Ich habe ein total langweiliges Leben geführt.

tip Nun aber fühlen Sie sich doch als Schriftsteller.
Airen Durch die Anerkennung von allen Seiten begann ich zu merken:
Vielleicht sollte ich wirklich schreiben. Ich habe auch den Plan, mich wieder in Situationen zu manövrieren, wo etwas passiert.

tip Was schwebt Ihnen da vor?
Airen Ins Ausland zu gehen. Nach Mexiko oder woanders hin. Irgendwo, wo es heiß ist und tropisch und exotisch.

tip Sie bleiben bei Ihrem Pseudonym. Wie groß ist die alte Angst noch, dass Sie jemand erkennt?
Airen Nicht mehr so stark wie früher. Ich möchte nur nicht, dass meine
Familie dumm angequatscht wird. Oder dass in einigen Jahren jemand über mein Kind sagt: Ist das nicht der Sohn von diesem sexuellen Feierschwein aus Berlin?

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Interview: Erik Heier
Foto: Airen

Airen „I Am Airen Man“, Blumenbar-Verlag, 176 Seiten, 17,90?Ђ

 

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