• Stadtleben
  • Airen über sich und „I Am Airen Man“

Stadtleben

Airen über sich und „I Am Airen Man“

Airentip Wenn Sie in Ihrem neuen Buch blättern, dass eineinhalb Jahre in Mexiko beschreibt, voller Drogen, Exzess, Sex mit Frauen, Männern, Transen: Kommt da etwas hoch oder wird da etwas begraben?
Airen Da kommen schon Erinnerungen hoch. Manche waren schön. Bei anderen denke ich: Das ist vorbei. Das wird nie wieder so sein.

tip Sie schreiben: „Du lebst nur einmal. Deswegen auch schwuler Sex, Drogen und sich kaputtfeiern. Deswegen auch jedes Verbot kippen. Alles dem Erleben unterordnen.“ Ja zum Exzess?
Airen Es ist dieses Lebenslustding. Das ist ja das Geile! Alles ist möglich. Es gibt Gesetze und moralische Gebote, die einem eingebläut werden. Aber man hat immer die Chance, sich dagegen zu entscheiden. Ein Feiern der Möglichkeiten als junger Mensch.

tip 2002, ein Faschingsball. Sie sind voll mit Pilzen. Alle anderen tanzen zu „I’m Walking On Sunshine“. Sie schreiben, Sie fühlten sich damals alt. Da waren Sie gerade 21.
Airen Auf Pilzen hat man manchmal eine gewisse Altersweisheit. Man sieht die Sachen viel abgeklärter. Ich habe nur gedacht: Ich passe hier gar nicht rein. Das ist alles saudumm.

tip Wenn man Ihren Blog liest oder die daraus entstandenen Bücher „Strobo“ und „I Am Airen Man“: Wie gut kennt man Sie wirklich?
Airen Manchmal bin ich ruhig, schüchtern. Aber wenn ich im Airen-Modus laufe, erkennt man mich ganz gut. Viele Leute meinten: Du bist genau so, wie man sich dich vorstellt. Die Stimme ein bisschen höher, und schlaksiger. Aber sonst genau wie in den Texten.

tip Was haben Sie gedacht, als der Blogger Deef Pirmasens entdeckte, dass Helene Hegemann die Cluberlebnisse in ihrem „Axolotl Roadkill“ vornehmlich aus Ihrem Buch „Strobo“ abgeschrieben hat?
Airen Ich fand es zuerst lustig: Hey, krass, ein Satz von mir ist in so ’nem Bestseller drin. Als es aber immer mehr wurde, war da nur Kopfschütteln: Was geht’n hier ab? Wie kann die das bloß bringen?

tip Ein heftiger Literaturskandal. Und Sie mittendrin. Sie mögen ja diese Öffentlichkeit gar nicht. Was macht das mit einem?
Airen Die erste Woche war ich am Ende, total. Weil aus dem Nichts heraus der totale Stress kam. Eine Welt, die ich überhaupt nicht kannte. Die Welt der Medien. Bei den ersten Interviews war ich krass nervös. Jeder Artikel, den ich über mich gelesen habe, hat mich noch nervöser gemacht. Irgendwann war das echt krankhaft.

tip Ein Crashkurs über den Literaturbetrieb der heftigsten Sorte?
Airen Heute würde ich sagen, das war eine gute Konfron­tationstherapie. Man lernt die Menschen kennen, und mit
ihnen umzugehen.

tip Ihr Schreibstil ist dicht, hart, stakkatohaft. Wo kommt der her?
Airen Aus dem Rausch heraus. Ich habe ja nie nüchtern geschrieben, sondern mir ganz gezielt meinen Wodka gekauft, mich hingesetzt und gewartet, bis die Gedanken sprudelten.

tip Es heißt oft, Sie hätten nicht so viele Bücher gelesen.
Airen Das stimmt nicht. Bis ich 19 war, bin ich nie weggegangen, saß zu Hause, las viel. Als Kind alles von Karl May, dann später Remarque, Huxley, auch mal „Naked Lunch“ von Burroughs. Auch ganz viele Sachbücher über Astronomie und solches Zeug. Und einige politische Sachen. Damals habe ich mich übrigens für einen Kommunisten gehalten. Später habe ich dann viele Blogs gelesen.

tip Ihr Blog sollte anfangs zehn Jahre Ihres Lebens behandeln. Damals fingen Sie gerade bei einer Unternehmensberatung an.
Airen Mein Plan war schon, da habe ich noch studiert, über einen langen Zeitraum undercover aus einer elitären Berufswelt zu berichten. Als jemand, der den Underdog-Spirit behält.

tip Um Partys, Drogen und Sex ging es damals gar nicht?

weiter | 1 | 2 |

Mehr über Cookies erfahren