Stadtleben

Aktionsbündnis A 100 stoppen

„It ain’t over till it’s over.“ Diese frappierende Einsicht stammt vom ehemaligen New York Yankees-Baseballer Lawrence Peter „Yogi“ Berra. Es ist nicht vorbei, bevor es vorbei ist. Das wäre auch ein gutes Credo für die Gegner des A-100-Weiterbaus.
„Die meisten denken, die Sache wäre gegegessen“, sagt Tobias Trommer von der Bürgerinitiative Stadtring Süd, kurz BISS, die seit Jahren gegen die A 100 mobil macht. „Aber zum 30. November werden dafür in Neukölln 314 Kleingärten gekündigt.“
Zwar hat der rot-rote Senat die Entscheidung über den Buddelbeginn für den 16. Bauabschnitt von Neukölln nach Treptow auf die nächste Legislaturperiode geschoben, um das umstrittene und größtenteils vom Bund bezahlte 420-Millionen-Euro-Projekt aus dem Wahlkampf zu halten. Denn das von Stadtentwicklungssenatorin Ingeborg Junge-Reyer (SPD) verfolgte Projekt bleibt nicht nur der Linken ein Dorn im Auge. Auch die SPD ist höchst uneins. Der Landesparteitag vor einem Jahr lehnte den Ausbau noch ab. Der nächste, der vor fünf Monaten stattfand, stimmte ihm wieder zu.

Vor zwei Wochen gab der Parlamentshauptausschuss die lange wegen des Streits gesperrten Planungsmittel frei, 1,75 Millionen Euro. Weitere 1,4 Millionen Euro für die Bauausführung liegen weiter auf Eis – vorerst. Seit Juni dieses Jahres wird der Widerstand in einer neuen Struktur vernetzt: Im „Aktionsbündnis A 100 stoppen“ arbeitet unter anderem die Bürgerinitiative „Bäume am Landwehrkanal“ mit, die dort für den Erhalt von Holzgewächsen und Grünflächen kämpft. Oder auch „Mediaspree versenken“, deren Mitinitiator Carsten Joost nicht erst nach dem siegreichen Bürgerentscheid weiß, wie man mit kreativem Rabatz den Politikern die Laune verdirbt. Denn das Wälzen von Feinstaub-Grenzwerten oder Verkehrsprognosen-Zahlen ist nur eine Seite.

So nebelten die A-100-Gegner schon mal einen SPD-Parteitag mit einem „Protestgrillen“ ein oder legten sich bei Flashmobs als blutige Verkehrsopfer auf die Straße. Kürzlich ließen sie vor dem Roten Rathaus altes Obst fallen und verliehen Junge-Reyer symbolisch einen „faulen Apfel“. Anuschka Guttzeit vom Landwehrkanal-Bündnis: „Spaß ist ein wichtiger Faktor in der Politik.“ Besonders argwöhnisch blicken die Autobahn-Anhalter derzeit zum Ostkreuz. Ab Frühjahr 2012 soll beim Umbau des Bahnhofs eine 16 Millionen Euro teure Tunnelvorbereitung gebaut werden – für eine Weiterführung der A 100 nach Friedrichshain, des 17. Bauabschnitts. Dabei steht noch nicht einmal der Planstellungsbeschluss für den 16. Teil. Den will der Senat aber im Dezember erlassen. Wolfgang Fiedler vom Jugendklub E-Lok nahe des Ostkreuzes ärgert sich: „Alle juristischen Voraussetzungen werden geschaffen, um loslegen zu können.“ Und Carsten Joost sagt: „Da ist es zwangsläufig, dass wir bis zur Wahl noch einige Aktionen machen.“

Text: Erik Heier

Foto: Benjamin Pritzkuleit

www.a100stoppen.de

Wer ist dabei?
Bisher rund 10 Initiativen, u.a. BISS. Aktuell läuft die Vernetzung mit den Berliner Stuttgart-21-Gegnern
 
Seit wann?
Juni 2010
 
Wichtigste Ziele
Nachhaltige, menschengerechte und ökologische Verkehrspolitik; Verhinderung des A-100-Weiterbaus
 
Promi-Faktor?
Geht so.  Sympathisanten sind etwa der Bundestagsabgeordnete Hans-Christian Ströbele und Friedrichshain-Kreuzbergs
Bürgermeister Franz Schulz (beide Mitglied der Grünen). Und auch hier: Dr. Motte

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