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Berlin verstehen

Nase zu und durch: Hier stinkt Berlin besonders

Berlin ist eine große Stadt, die so ziemlich alles bietet, zu jeder Uhrzeit. Tagtäglich wuseln Millionen Menschen durcheinander, leben ihr Leben mit unterschiedlichen Entwürfen und hinterlassen nicht selten ihre Spuren. Eben diese Spuren können, nun ja, stinken. Doch wer jetzt denkt, es ginge nur um Fäkalien in dieser Liste, der liegt falsch. Denn Menschen können noch allerlei anderes fabrizieren, das stinkt. Und dazu kommen noch die Tiere, die manchmal auch nicht ganz unschuldig an der oplfaktorischen Gemengelage in der Stadt sind. Hier kommen 12 Orte, an denen Berlin besonders stinkt.


Auf dem Bahnsteig der U2 am Bahnhof Zoo

An diesen 12 Orten stinkt Berlin besonders: Am U-Bahnhof Zoo
U2 am Zoologischen Garten: Unten wartet der Geruch von altem Fett. Foto: Imago/Jürgen Ritter

Kaum gehen die U-Bahntüren auf, schlägt einem im U-Bahnhof des Bahnhof Zoo ein penetranter Geruch entgegen: Nach Bratenfett, nach Frittierfett, nach Hähnchen mit fettiger Panade, nach Pommes und eigentlich allem, was man gemeinhin so frittiert. Ob der Geruch so penetrant ist, weil dort unten nicht genug frische Luft ankommt oder weil das Fett in den Fritteusen der Imbisse besonders alt ist, das haben sich wahrscheinlich schon viele gefragt. In Benutzung sind die Gerätschaften dort jedenfalls den lieben langen Tag lang – auch dann, wenn man am Abend zuvor zu viel getrunken hat und mit flauem Magen zur Arbeit fährt.

Doch nicht nur unter der Erde riecht es am Zoo bisweilen sehr streng. Oben breiten sich am Ausgang Jebensstraße eigentlich immer Lachen mit gelbem Urin aus, über die man steigen muss. Das ist unabdingbar, wenn man in einer Großstadt wohnt und diese Stadt keine oder nicht genug kostenfreie öffentliche Toiletten bereit stellt, vor allem nicht für Frauen: Obdachlose Menschen müssen sich auch schließlich irgendwo entleeren. Andererseits verschlagen einem die verschiedenen Lagen Urin und ihr Geruch einem aber auch regelmäßig den Atem.


An der Kreuzung Seestraße/Müllerstraße

An diesen 12 Orten stinkt Berlin besonders: An allen großen Kreuzungen
An diesen Orten stinkt Berlin besonders: An allen großen Kreuzungen. Foto: Imago/Jürgen Ritter

Eigentlich hätten wir an diese Stelle auch jede andere Hauptverkehrsstraße in Berlin setzen können. Denn Berlin quillt über vor Autos, sie stauen sich auf der Stadtautobahn, auf den Magistralen wie der Straße des 17. Juni oder der Karl-Marx-Allee, an Straßenrändern, in Wohngebieten. Und diese Autos stoßen alle Abgase aus, manche mehr, manche weniger. Manche ziehen eine schwarze Rußspur hinter sich her und andere verbreiten ihre giftigen Gase unbemerkt. Im Auto fällt einem das gar nicht so auf – auf dem Fahrrad oder zu Fuß dagegen schon. Vor allem dann, wenn man schwer atmet, weil man zum Beispiel in die Pedale tritt, ist es besonders eklig, die dicke Luft einzuatmen.


Der Landwehrkanal nach Starkregen

An diesen 12 Orten stinkt Berlin besonders: Am Landwehrkanal nach Starkregen
Starkregen bedeutet nichts Gutes für Berlins Gewässer und für unsere Nasen. Foto: Imago/Schöning

Wenn im Berlin in wenigen Stunden so viel Regen fällt, wie sonst innerhalb eines ganzen Monats, dann haben die Ratten in den Abwässerkanälen unter der Erde ein Problem. Denn dann läuft die Kanalisation voll und das überflüssige Wasser wird zusammen mit allem, was sich in den Kloaken befindet, in Berlins Kanäle gespült. Für die Ratten bedeutet das einen qualvollen Tod, für die Fische in der Spree und in den Kanälen bedeutet es, dass sie durch trübes Kackwasser schwimmen müssen – und mit hoher Wahrscheinlichkeit ebenfalls verenden. Für uns Berliner:innen sind die negativen Effekte vergleichsweise klein. Wir müssen nur ausblenden, dass wir gerade auf eine stinkende Brühe gucken, wenn wir uns im Sommer an den Landwehrkanal setzen. Unser Kollege hatte übrigens Glück, als er neulich von Kreuzberg ins Büro paddelte – als Selbstversuch.


Hier stinkt Berlin besonders: Am Schlesischen Busch am 1. Mai

An diesen 12 Orten stinkt Berlin besonders: Am Schlesischen Busch am 1. Mai
Am 1. Mai wird der Schlesische Busch zum riesigen Klo. Foto: Imago/Hoch Zwei Stock/Angerer

Das letzte Mal, dass Berlin am 1. Mai außer Rand und Band war, ist nun dank Corona schon bald zwei Jahre her. Wobei es ja im politischen Sinne schon lange nicht mehr richtig zur Sache geht – die Zeiten, in denen in Kreuzberg am Tag der Arbeit Straßenkampf herrschte, Wannen umfielen und Barrikaden brannten, sind weit weg. Auch, um dem politischen Protest den Wind aus den Segeln zu nehmen, führte der Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg 2003 das Myfest mit Konzerten, Partys und viel Essen ein. Seitdem gleicht Kreuzberg 36 am 1. Mai einem riesigen Straßenfest. Am Schlesischen Busch steigen stehen dann immer besonders viele DJ-Pulte und hunderte Menschen tanzen – ohne öffentliche Toiletten in der Nähe. Zwangsläufig pinkeln die Menschen also in die Büsche, wo sich Seen aus Urin in der matschigen Erde bilden und dazu noch allerlei anderer Kram rumliegt. Die Autorin ist am 1. Mai vor drei Jahren fast auf ein rohes Hähnchen getreten, als sie nach einem Ort zum Austreten suchte.


Die öffentliche Toilette am Theodor-Heuss-Platz

Nicht nur im Film Feuchtgebiete ist das Frauenklo am Theodor-Heuss-Platz echt eklig. Foto: Wikimedia Commons/Orderinchaos

Es ist die zweite Szene in der Verfilmung von Charlotte Roches Roman Feuchtgebiete, in der Helen barfuß in die öffentliche Toilette am Theodor-Heuss-Platz hinabsteigt, durch eine grau-braune Brühe, in der wahrscheinlich alles schwimmt von benutzten Spritzen bis hin zu Kackwürsten. Nach dem Pinkeln wischt sie mit einer fließenden Bewegung einmal rundherum über die Toilette, mit ihrer Vulva. Um den Schock zu Beginn des Films noch größer zu machen, hat man die Toilettenräume natürlich besonders eklig hergerichtet.

Doch auch wenn in der Toilette, die übrigens eine der letzten Klappen Berlins ist, nicht gerade Feuchtgebiete gedreht wird, ist es dort eklig. Im Frauenklo ist der Boden meistens nass, womit, das dürfte jeder klar sein, die einen funktionierenden Geruchssinn hat und dort mal pinkeln war. Im Männerklo soll sich eine im Boden eingelassene Pissrinne befinden, die wahrscheinlich voll von Duftmarken ist.


Hier stinkt Berlin besonders: Am U-Bahnhof Schönleinstraße

An diesen 12 Orten stinkt Berlin besonders : Am U-Bahnhof Schönleinstraße
Jeder weiß: Am U-Bahnhof Schönleinstraße stinkt es. Foto: Imago/Joko

Obdachlosigkeit und Elend kann man in einer Stadt wie Berlin kaum aus dem Weg gehen – und solange sich in unserer Welt und in unserem System nicht grundsätzlich etwas ändert, ist es auch nicht vermeidbar, dass Menschen auf der Straße landen. Und sich Orte suchen, an denen sie sich bevorzugt aufhalten: zum Schlafen, zum Trinken, zum Konsumieren. Trotzdem gehört der beißende Uringeruch an der Schönleinstraße eher zu den Dingen in Berlin, die mit aufeinander gepressten Lippen erträgt. Ähnlich ist es natürlich eine Station weiter am Kotti – oder Kotzi, wie manche liebevoll sagen.


Der Weiße See im Spätsommer

An diesen 12 Orten stinkt Berlin besonders: Am Weissen See im Spätsommer
12 Orte, an denen es in Berlin besonders stinkt: In manchen Monaten gehörte der Weiße See dazu. Foto: Imago/imagebroker

Die meisten hatten es wohl im Biologie-Unterricht: Ein See kann umkippen, wenn es zu warm ist und zu viel organisches Material im See landet. Kommen dann noch tausende Menschen hinzu, die regelmäßig im See baden und hat der See keine Frischwasserquelle, sieht es zum Ende des Sommers schlecht für den See aus. Auf den Weißen See trifft alles zu. Und dementsprechend riecht der kleine See mitten im Stadtgebiet im August auch. Dazu kam in den Jahren die Dürre. Jedes Jahr verlor der See massenhaft Wasser, das konnte man an der Uferlinie sehen, die sich immer weiter zurückzog. Etwas besser als in den Jahren davor stand es trotzdem im vergangenen Sommer um den See, denn seit Juni 2021 pumpt ein Tiefbrunnen frisches Grundwasser in den See. Übrigens: Weitere Seen, die am Ende des Sommers müffeln sind der Plötzensee und auf jeden Fall auch der Lietzensee. Mehr über Weißensee erfahrt ihr hier.


Hier stinkt Berlin besonders: Auf der öffentlichen Toilette im Mauerpark

Die öffentliche Toilette im Mauerpark ist nichts für schwache Nerven. Foto: Imago/Stefan Zeitz

Der Mauerpark ist einer der am meisten besuchten Parks in Berlin. Unter der Woche kommen die Menschen aus dem Wedding, aus Mitte und aus Prenzlauer Berg in den Park. So begegnen sich dort die verschiedensten Menschen mit Einkommen, die kaum weiter auseinander liegen könnten. Im Mauerpark grillen türkische Familie, spielen testosterongesteuerte Typen Basketball, tragen Bands ihre neusten Stücke vor (oder weiße Jungs mit Gitarre immer wieder megakreativ „Wonderwall“) und daneben versuchen Trommler:innen sie zu übertönen. Sonntags multipliziert sich das Ganze nochmal, die Touris kommen nämlich, das Treiben wird unübersichtlicher, die Bands lauter und dann ist auch noch Flohmarkt. Zumindest gibt es seitdem der Park erweitert wurde eine öffentliche Toilette im Park. Die allerdings sieht aus und riecht wie so ein Ort eben riecht, wenn er von viel zu vielen Menschen frequentiert wird.


Im Raubtierhaus vom Zoo

Löwen und das auch noch in geschlossenen Räumen: Da ist Gestank garantiert. Foto: Imago/Olaf Wagner

Nicht umsonst sagen Eltern gerne zu ihren pubertierenden Söhnen, dass es in ihren Zimmern stinke, wie in einem Raubtierkäfig. Denn Raubtiere verströmen, nicht nur aus ihren Analdrüsen, einen Geruch, der einem den Atem verschlagen kann. Wenn sich die Raubtiere dann auch in einem geschlossenen Raum aufhalten und sich ihre Ausdünstungen stauen, kann der Gestank unerträglich werden – das ist auch im Raubtierhaus des Berliner Zoos nicht anders. Allerdings ist fraglich, ob in den stinkigen Häusern wirklich die Luft das schlimmste ist oder der Fakt, dass hier, wie in allen anderen Zoos, Tiere, die sonst Quadratkilometer große Reviere haben, in kleinen Gehegen gehalten werden.


Die Gullis am Humboldtforum

Am superteuren Humboldt Forum riecht es nach Gulli, das ist schon ein Ding. Foto: Imago/Hohlfeld

Das Stadtschloss hat in den vergangenen Jahren immer wieder die Gemüter der Berliner:innen erregt. Ein wieder aufgebautes Preussenschloss, mitten in Berlin, der Stadt die eine Finanzspritze vom Bund gut für eine andere Dinge hätte verwenden können und einer Bevölkerung, die mehrheitlich kein Bock auf Patriotismus und Monarch:innenverehrung hat? Kein Wunder, dass das Humboldt Forum immer wieder in der Kritik stand, nicht nur wegen Bauzeitverlängerung, sondern auch wegen Kostenexplosionen und Pannen. Verwunderlich allerdings ist diese Kuriosität: Anscheinend, so wurde uns berichtet, stinkt es aus den Gullis am Humboldt Forum ganz entsetzlich nach Kloake.


Der Übergang von U2 zu U8 am Alexanderplatz

Fritteusen unter der Erde sind scheinbar keine gute Idee, das zeigt auch der Übergang zwischen U2 und U8 am Alex. Foto: Imago/snapshot

Aussteigen am Alex ist schlimm, weil man auch nach jahrelanger BVG-Erfahrung nicht die Ausgänge auseinander halten kann und an der falschen Ecke aus der Erde auftaucht. Umsteigen ist noch schlimmer, zumindest wenn man von der U2 in die U8 wechselt oder umgekehrt – und das nicht nur, weil der Weg unverschämt lang ist und man echt lange von einer Linie zur anderen braucht. Sondern auch, weil man währenddessen von unangenehmen Gerüchen nach altem Fett und Fleisch belästigt wird. Wahrscheinlich ist es dasselbe Problem wie am Zoo: Fritteusen unter der Erde sind wegen der fehlenden Luftdurchmischung einfach keine gute Idee. Dagegen spricht allerdings, dass es am U-Bahnhof Osloer Straße immer ziemlich lecker riecht, nach Falafel und frittiertem Gemüse – und dort benutzen sie ja auch Fritteusen.


Hier stinkt Berlin besonders: Auf der Oberbaumbrücke

12 Orte, an denen es in Berlin besonders stinkt: Dazu gehört auch die wunderschöne Oberbaumbrücke. Foto: Imago/Sabine Gudath

Die Spree und darüber diese majestätische Brücke, durch deren Bögen man aufs Wasser blicken kann und durch die gelegentlich auch der Wind pfeift. Da könnte man ja denken, dass es auf der Oberbaumbrücke frisch riecht, nach Fluss vielleicht oder einfach nach gar nichts. Doch dem ist nicht so. Denn es riecht nach Urin und zwar doll. Daran können auf keinen Fall nur die obdachlosen Menschen Schuld sein, die im Bogengang schlafen, denn so viele sind es nicht – zumal die ja auch wirklich kaum eine andere Wahl haben. Wahrscheinlich sind es auch Partypeople und Touris, die ebenfalls ihren Urin auf einer der schönsten Sehenswürdigkeiten Berlins hinterlassen und damit für Gestank sorgen. Übrigens, wenn ihr mehr zur Geschichte der Oberbaumbrücke wissen wollt, seid ihr hier richtig.


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