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Antidiskriminierung

Anleitung zum Widerstand: „Black Lives Matter“

Berlins „Black Lives Matter“-Bewegung feiert ihre politische Erweckung. In einer neuen Veranstaltungsreihe zeigen die Aktivisten die Vielfalt schwarzen Protests – einen ganzen Monat lang, in diversen Bezirken

Foto: Oliver Feldhaus

Es war das prägende Ereignis im Protestsommer des vergangenen Jahres. Gleich an zwei Tagen im Juli zogen schwarze Demonstranten durch Berlins Straßen, mit Transparenten und wütendem Tremolo. „Stop Racism“ skandierten sie, „No Justice – No Peace“ oder „White Silence is Violence“. Zuvor waren in den USA zwei Schwarze von weißen Polizisten regelrecht exekutiert worden, in Minnesota und Louisana; die jüngsten Opfer in einem Kontinuum der Gewalt gegen die afroamerikanische Community. Die Aufmärsche in der Hauptstadt, die ersten ihrer Art an der Spree, bevölkert von hunderten Menschen, waren die Reflexe auf die Todesschüsse.

Zugleich waren sie noch etwas: die Stunde Null für Berlins „Black Lives Matter“-Bewegung.
Ein knappes Jahr später kann man beobachten, welche Entwicklung diese Keimzelle mittlerweile genommen hat. In diesem Juni laden nämlich die Aktivisten, die sich in Berlin unter dem „Black Lives Matter“-Banner versammeln, zu einer Werkschau des schwarzen Kampfs gegen Hass und Diskriminierung. Zu den Vernetzern im Hintergrund gehören Protagonisten aus Gruppen wie der „Initiative Schwarze Menschen in Deutschland“, „AfricAvenir“ oder „EDEWA“. Aufs Tableau gebracht werden politisches Kino, Lesungen, Workshops und Podiumsdiskussionen. Eine Anleitung zum Widerstand, inszeniert auf Bühnen in Wedding und Mitte, Kreuzberg und Neukölln.

Die Veranstaltungsreihe findet in einer Zeit statt, in der hierzulande Biedermann und Brandstifter wüten. Da ist einerseits der rechte Terror, dem allein 2016 mehr als 3500 Attacken auf deutsche Flüchtlingsunterkünfte anzulasten sind – da sind andererseits staatliche Rechtsverstöße wie Racial Profiling. Ganz zu schweigen von der schleppenden Aufarbeitung der deutschen Kolonialgeschichte.
Zu den Ermächtigungsangeboten zählt etwa ein Stadtrundgang, der sich auf die Spuren von Frauen im Kolonialzeitalter begibt (Sa, 17. Juni, 13 Uhr, Treffpunkt am U-Bahnhof Mohrenstraße). Auf der Diskussionsrunde „Afrofeminismen – Wer ist da mitgedacht?“ werden politische Claims abgesteckt (Do, 29. Juni, 19 Uhr, Interkulturelles Frauenzentrum, Innsbrucker Straße 58).

Außerdem hält Sharon Dodua Otto, Trägerin des Ingeborg-Bachmann-Preises, eine Lesung – die Dichterin ist bekannt dafür, dass sie blinde Flecken der weißen Mehrheitsgesellschaft hinterfragt (Fr, 16. Juni, 20.30 Uhr, Sepp Maiers 2raumwohnung, Langhansstraße 19). Die Denkanstöße münden schließlich in eine große Demonstration (Sa, 24. Juni, 16.30 Uhr, Treffpunkt U-Bahnhof Mohrenstraße).
„Uns wird immer gesagt, dass es Diskriminierung gegen Schwarze in Deutschland gar nicht gibt“, erklärt die Mitveranstalterin Shaheen Wacker den politischen Status Quo. „Doch damit soll uns nur weisgemacht werden, wir seien nicht berechtigt, für unsere Interessen zu kämpfen.“ Dabei leben allein in Berlin etwa 70.000 Schwarze, etwa 500.000 sind es im ganzem Land.

Mit dem „Black Live Matters“-Monat wollen die Macher ihre Schlagkraft bündeln – im Windschatten des amerikanischen Originals, das bereits 2014 begründet wurde und seither Hassverbrechen im Mutterland der Sklaverei anprangert, mittels Social-Media-Kampagnen und Massenkundgebungen. Nun steppt Black Power auch in Berlin.

Black Lives Matter Monat 2. Juni – 2. Juli 2017, verschiedene Orte, Details zum Programm auf www.blacklivesmatterberlin.de

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