Architektur

Die 12 ältesten Gebäude in Berlin: Das ist die Architektur von vor 1850

Berlin ist modern. Die meisten Gebäude im Herzen der Spreemetropole sind nicht viel älter als 100 bis 120 Jahre, das ist im Vergleich zu anderen europäischen Hauptstädten wie Paris, London oder Rom relativ jung. Die beiden Weltkriege, massive stadtplanerische Umgestaltungen sowie Teilung und Mauerbau haben der historischen Mitte zugesetzt. Bauwerke, die bereits um 1850 in Berlin existierten, sind heute rar. Doch man kann immer noch tief in die Stadtgeschichte eintauchen. Hier sind die 12 ältesten Gebäude in Berlin-Mitte.


Nikolaikirche

Älteste Gebäude in Berlin: Das älteste Bauwerk der Stadt, die Nikolaikirche in Mitte. Foto: Imago/Westend61
Das älteste Bauwerk der Stadt, die Nikolaikirche in Mitte. Foto: Imago Images/Westend61

Zu den bis heute erhaltenen Bauwerken der Vormoderne gehören in Berlin vor allem Kirchen. Keine gewaltigen Kathedralen, aber dennoch wichtige architektonische Relikte, die bis zu den Anfängen der Stadtgeschichte reichen. Die Liste der ältesten Gebäude in Berlin führt die Nikolaikirche an.

Bis 1230 geht die Geschichte des Gotteshauses zurück. Die die im Stil der Spätromanik errichtete Kirche bildete zusammen mit dem Molkenmarkt den Kern der Handelssiedlung Berlin. Über die Jahrhunderte veränderte sich die Nikolaikirche immer wieder, bis sie 1938 entwidmet wurde und heute zum Stadtmuseum gehört. Die Dauerausstellung „Vom Stadtgrund bis zur Doppelspitze“ erzählt die bald 800-jährige Geschichte des Ortes. 

  • Nikolaikirchplatz, Mitte

Marienkirche

Älteste Gebäude in Berlin: Neptunbrunnen vor der Marienkirche am Alexanderplatz. Foto: Imago/POP-EYE/Christian Behring
Neptunbrunnen vor der Marienkirche am Alexanderplatz. Foto: Imago Images/POP-EYE/Christian Behring

Einige Jahrzehnte später bauten die Ur-Berliner die Kirche der heiligen Jungfrau Maria, die sich seit 1292 im Herzen der Stadt befindet. Heute wird sie vom Fernsehturm überschattet, doch das dem Stil der märkischen Backsteingotik verpflichtete Bauwerk hat mehr als die visionären Architekturträume des SED-Staates überstanden.

Im Innenraum ist vor allem das Totentanzfresko sehenswert, es gehört zu den wichtigsten noch erhaltenen Kunstwerken des Mittelalters in Berlin. Es wurde übertüncht und erst 1861 von dem preußischen Hofbaurat Stüler wiederentdeckt.

  • Karl-Liebknecht-Straße 8, Mitte

Heilig-Geist-Kapelle

Die Heilig-Geist-Kapelle in Mitte. Foto: Imago/Seeliger
Die Heilig-Geist-Kapelle in Mitte. Foto: Imago Images/Seeliger

Eine Erwähnung fand das mittelalterliche Hospital erstmals 1272, der bis heute erhaltene Bau gehörte zu einem Gebäudekomplex, in dem Arme und Kranke versorgt wurden, sich aber auch Wohnstätten der Mitarbeiter sowie eine Kapelle befanden. Letztere ist erhalten geblieben, nach alten Urkunden wurde der eingeschossige Backsteinbau um das Jahr 1300 errichtet.

Ab dem frühen 20. Jahrhunderte diente die Kapelle nicht mehr als Sakralbau, sie wurde als Hörsaal benutzt und von der damaligen Friedrich-Wilhelms-Universität zu Berlin. Wie durch ein Wunder überstand das knapp 650 Jahre alte Bauwerk den Krieg und diente in DDR-Zeiten als Mensa. Nach der Wende wurde es saniert und wird heute von der Humboldt-Universität als Festsaal für besondere Anlässe benutzt.

  • Spandauer Straße 1, Mitte

Klosterkirche (Ruine)

Die Ruine der Franziskaner-Klosterkirche. Foto: Imago/Marius Schwarz
Die Ruine der Franziskaner-Klosterkirche. Foto: Imago/Marius Schwarz

Eine Ruine ist schließlich auch ein Bauwerk und mit dem Baujahr 1250 gehört die Ruine der Franziskaner-Klosterkirche eindeutig in die Liste der ältesten Gebäude in Berlin. Die frühgotische Backsteinkirche und Kloster wurden bis ins 16. Jahrhundert benutzt. Nach der Reformation entstand an der Stelle ein Gymnasium, das von den Eliten des Kaiserreichs besucht wurde und an dem herausragende Persönlichkeiten lehrten. Zu den Schülern und Lehrern gehörten unter anderem Karl Friedrich Schinkel, Otto von Bismarck und der Turnvater Jahn.

Über die Jahrhunderte erfolgten zahlreiche Restaurierungen und Umbauarbeiten, doch erst im Zweiten Weltkrieg wurde die Klosterkirche nachhaltig zerstört. Heute dient die gesicherte Ruine als Ort für gelegentliche Kulturveranstaltungen wie Konzerte, Theateraufführungen und Ausstellungen.

  • Klosterstraße 73a, Mitte

Parochialkirche

Älteste Gebäude in Berlin: Die Parochialkirche in der Klosterstraße. Foto: Imago/Jürgen Ritter
Die Parochialkirche in der Klosterstraße. Foto: Imago Images/Jürgen Ritter

Berlin ist eine von der Reformation geprägte Stadt. Die evangelische Gemeinde ist wesentlich größer als die katholische. Auch der Aufstieg Preußens zur europäischen Großmacht ist eng mit dem Protestantismus verknüpft. Die Parochialkirche, als ältestes Gotteshaus der reformierten Gemeinde, ist ein gebautes Symbol für den Siegeszug der Reformation in Berlin und Brandenburg.

Der preußische Architekt Johann Arnold Nering errichtete im Auftrag des Monarchen Friedrich III. 1695 den Kirchenbau, an dem man Nerings Begeisterung für die Bauweise niederländischer und italienischer Kirchen jener Zeit erkennen kann. Doch die Bauarbeiten verzögerten sich, das Budget wurde überschritten und das Dach stürzte ein. Schließlich übernahm ein anderer Architekt die Bauarbeiten, erst 1703 wurde die Kirche schließlich eingeweiht.

Im Zweiten Weltkrieg verlor die Parochialkirche den Turm, in der DDR diente sie als Lager, doch nach der Wende erfolgte eine umfangreiche Restaurierung und 2014 konnte dank einer Spende des Unternehmers Hans Wall der Turm wieder aufgebaut werden.

  • Klosterstraße 67, Mitte

Friedrichswerdersche Kirche

Die Friedrichswerdersche Kirche. Foto: Imago/Emmanuele Contini
Die Friedrichswerdersche Kirche. Foto: Imago Images/Emmanuele Contini

Hier spürt man Preußens Geschichte. Kronprinz Friedrich Wilhelm ließ seinen Stararchitekten Karl Friedrich Schinkel den im Stil der Neogotik gehaltenen Kirchenbau um 1830 im Herzen Berlins errichten. Es war seinerzeit der erste große Ziegelbau in Berlin seit dem Mittelalter. Im Krieg wurde die Friedrichwerdersche Kirche stark beschädigt. Es folgten lange Renovierungsarbeiten und Schließungen.

Aktuell ist in der Friedrichwerdersche Kirche die Sonderausstellung „Ideal und Form. Skulpturen des 19. Jahrhunderts aus der Sammlung der Nationalgalerie“ zu sehen.

  • Werderscher Markt, Mitte

Altes Museum

Älteste Gebäude in Berlin: Altes Museum am Lustgarten. Foto: Imago/McPHOTO
Altes Museum am Lustgarten. Foto: Imago Images/McPHOTO

Auch das Alte Museum wurde von dem preußischen Meisterarchitekten Karl Friedrich Schinkel erbaut. In den Jahren 1825 bis 1830 verwirklichte er den mächtigen Klassizismus-Bau. Das Vorhaben eines derart gewaltigen Museums war damals durchaus revolutionär und geht auf die Emanzipation des Bürgertums zurück. Man wollte die Kunst nicht mehr dem Hochadel allein überlassen, der sie in seinen Privatgemächern verschloss. Kunst sollte der Allgemeinheit zugänglich gemacht werden.

Im Krieg brannte das Alte Museum aus, wurde aber direkt nach Kriegsende originalgetreu wieder aufgebaut. Seit dem gehört das Bauwerk wieder fest zu der Museumsinsel dazu.

  • Bodestraße 1-3, Mitte

Neues Museum

James-Simon-Galerie und Neues Museum. Foto: Imago/Schöning
James-Simon-Galerie und Neues Museum. Foto: Imago Images/Schöning

Mitte des 19. Jahrhunderts wurde der Bau des Neuen Museums fertiggestellt und somit konnte der monumentale Bau auf die Liste der Gebäude aufgenommen werden, die vor 1850 errichtet wurden. Heute beherbergt das Bauwerk das Ägyptische Museum, das Museum für Vor- und Frühgeschichte sowie die Antikensammlung.

Im Krieg wurde das Neue Museum schwer beschädigt und in der DDR-Zeit kaum benutzt, es diente den anderen Museen der Museumsinsel als Lagerraum. Erst nach der Wende folgten umfangreiche Restaurierungsarbeiten und seit 2019 ergänzt die James-Simon-Galerie des englischen Stararchitekten David Chipperfield das Neue Museum und sorgt für einen gelungenen Dialog zwischen vormoderner und zeitgenössischer Architektur.

  • Neues Museum, Mitte

Alter Marstall

Älteste Gebäude in Berlin: Alter Marstall. Foto: Jörg Nägel/Wikimedia Commons/CC 3.0
Alter Marstall. Foto: Jörg Nägel/Wikimedia Commons/CC 3.0

Die kurfürstlichen Stallungen wurden von Michael Matthias Smids in den Jahren 1665 bis 1670 errichtet. Da man später weitere Ställe entlang der Prachtmeile Unter den Linden baute, bekam die Anlage in der Breite Straße den Zusatz „Alter“ verliehen. Heute ist nur noch das Hauptgebäude erhalten. 1986 ließ man das ehrwürdige Bauwerk, das zu den ältesten in Berlin zählt, zum „Haus der Architekten“ umfunktionieren. Heute verwaltet es die Zentral- und Landesbibliothek und unterhält dort das Zentrum für Berlin-Studien.

  • Breite Straße 36, Mitte

Ribbeck-Haus

Ribbeck-Haus. Foto: Jörg Nägel/Wikimedia Commons/CC 3.0
Ribbeck-Haus. Foto: Jörg Nägel/Wikimedia Commons/CC 3.0

Das Ribbeck-Haus steht direkt neben dem Alten Marstall, es ist das älteste Wohnhaus und das einzige erhaltene Gebäude der Spätrenaissance in Berlin. 1624 ließ der Kammerrat Hans Georg von Ribbeck das Haus errichten. Doch man darf sich nicht täuschen lassen: Wegen zahlreicher Umbauten entspricht das Ribbeck-Haus in keiner Weise mehr dem Originalbau. Dennoch ist es ein gutes Beispiel für die Berliner Stadtarchitektur jenseits von Kirchen und repräsentativen Bauten.

  • Breite Straße 35, Mitte

Nicolaihaus

Das Nicolaihaus vor der Restaurierung. Foto: Imago/PEMAX
Das Nicolaihaus vor der Restaurierung. Foto: Imago/PEMAX

Auch das Nicolaihaus verweist auf die Geschichte des Berliner Bürgertums. Das zweigeschossige Haus mit Mittelgang und Satteldach wurde 1674 im Auftrag des Cöllner Bürgermeisters Heinrich Julius Brandes errichtet. Es ist eines der wenigen erhaltenen Berliner Wohnhäuser, die sich dem Barock zuordnen lassen. Der Schriftsteller Friedrich Nicola erwarb das Gebäude im Jahr 1787 und gab ihm den bis heute bestehenden Namen.

Nach dem Krieg befand sich dort unter anderem das Zentralinstitut für Denkmalschutz der DDR. Und nach der Wende existierten Pläne des Suhrkamp-Verlages, das Gebäude zu beziehen, die aber verworfen wurden. Seit 2011 fungiert es als Sitz der Deutschen Stiftung Denkmalschutz.

  • Brüderstraße 13, Mitte

Knoblauchhaus

Älteste Gebäude in Berlin: Knoblauchhaus im Nikolaiviertel. Foto: Imago/Seeliger
Knoblauchhaus im Nikolaiviertel. Foto: Imago/Seeliger

Um 1760 errichtet, befand sich das Haus im Herzen des Nikolaiviertels knapp 170 Jahre im Besitz der Berliner Kaufmannsfamilie Knoblauch. Den Krieg überstand das 1929 vom Land Berlin erworbene Gebäude unbeschadet und gehört heute zur Stiftung Berliner Stadtmuseum.

In den Untergeschossen ist eine Ausstellung zur bürgerlichen Wohnkultur und der Biedermeier-Ära untergebracht sowie eine Dokumentation zur Geschichte der Familie Knoblauch.

  • Poststraße 23, Mitte

Man sollte bei dieser Liste beachten, dass sie nicht vollständig ist. Sehr alte Gebäude gibt es natürlich nicht nur in Berlin-Mitte. Aber vor der Eingemeindung der umliegenden Städte und Ortschaften und der Gründung von Groß-Berlin im Oktober 1920 waren heutige Ortsteile wie Charlottenburg oder Schöneberg eigenständige Gemeinden. Sie gehörten damals nicht zu Berlin, ihre ältesten Bauwerke tauchen daher in dieser Liste nicht auf.


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