Berlin verstehen

12 Bausünden in Berlin: So hässlich kann die Hauptstadt sein

Berlin ist eine Stadt voller Bausünden. Nimmt man allein den Zeitraum seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs bis heute, wurde ziemlich viel daneben geplant und daneben gebaut. Dabei können Bausünden verschieden geartet sein.

Mal sind die Gebäude einfach unansehnlich oder aber sie funktionieren nicht so, wie sie sollen. Mal passen sie sich nicht in die Umgebung ein oder sie sorgen für stadtplanerische und soziale Probleme. Oder sie sprengen die Kosten und liegen dem Steuerzahler auf der Tasche.

Wir haben 12 Berliner Bausünden herausgesucht, die eine Geschichte der Fehlplanungen, Geschmacksverirrungen und des Investitionswahns in dieser Stadt erzählen.

BER – Flughafen Berlin Brandenburg

Bausünde: Flughafen Berlin Brandenburg – BER.
Flughafen Berlin Brandenburg – BER. Foto: Imago/Schöning

Die vielleicht berühmteste Bausünde der Welt. Sicherlich aber die berühmteste Bausünde in Berlin, auch wenn sie im südlichen Schönefeld an der Stadtgrenze errichtet wurde. Demnach also in Brandenburg steht. Zu verwoben ist die Geschichte des Projekts mit Berlin. Der Flughafen Berlin Brandenburg, kurz BER, ist ein nicht enden wollender Reigen aus Fehlplanungen, Unzulänglichkeiten und Größenwahn.

Eröffnet werden sollte der neue Flughafen mal um 2012, dazu kam es nicht und die Sache verschob sich, immer und immer wieder. Ein Milliardengrab ist es geworden. Jede neue Nachricht zum BER liest sich wie eine Farce. Man will sich gar nicht ausmalen was passieren wird, wenn es mal tatsächlich zur Eröffnung kommt.

  • Melli-Beese-Ring 1, Schönefeld

Eastgate Mall

Bausünde: Das Eastgate Mall in Marzahn.
Die Eastgate Mall in Marzahn. Foto: Imago/Alimdi

Auch im Osten hat man sich in der DDR bei Plattenbausiedlungen nicht sehr viel Mühe gegeben. Nach der Wiedervereinigung wurde das nicht besser. In Marzahn thront seit 2005 die Eastgate Mall mit ihrer abstrusen Betonschleife an der Hauptverkehrsader, der Marzahner Promenade. Zwar sind auch hier die Plattenbauten von viel grün umgeben, aber wer einkaufen muss, sollte seine ästhetischen Ansprüche herunterschrauben.

Man muss aber auch ehrlich sein, Shopping Malls sind selten hübsch, das scheint in der Natur der Sache zu liegen.

  • Marzahner Promenade 1A, Marzahn

Alexa

Bausünden in Berlin: Alexa Einkaufszentrum am Alexanderplatz.
Alexa Einkaufszentrum am Alexanderplatz in Mitte. Foto: Imago/Dirk Sattler

Ein „Alptraum in Schweinchenrosa“, schrieb ein Kritiker zur Eröffnung des riesigen Einkaufszentrums direkt am Alexanderplatz. Der Bau zieht die Konsumenten in ein steriles Inneres und erlaubt kein urbanes Leben um sich herum. Zu dominant ragt der Alexa-Klotz im Stadtraum empor, um eine angenehme Situation um sich herum zu erlauben.

Wo eigentlich das Herz der Metropole schlagen sollte, spürt man eher eine „Suburbanisierung der Innenstadt“. Die Fassade sollte dem Konzept nach „mediterran“ anmuten, in Wirklichkeit ist sie grotesk und fremdartig. Damit hat man bereits 2007, als die Shopping Mall eröffnet wurde, die Weichen für die Entwicklung des Alexanderplatzes in eine falsche Richtung gestellt.

  • Grunerstraße 20, Mitte

Pallasseum

Bausünden in Berlin: Das Pallasseum an der Pallasstraße in Schöneberg.
Das Pallasseum an der Pallasstraße in Schöneberg. Foto: Imago/Jürgen Ritter

Einst stand auf dem Grundstück der berühmt-berüchtigte Berliner Sportpalast, jener Ort, an dem Goebbels den „totalen Krieg“ forderte. Wer an Karma glaubt, kann die spätere Entwicklung des „Pallasseums“, wie der Wohnblock an der Pallasstraße in Schöneberg offiziell heißt, vielleicht besser verstehen.

Im Volksmund ist der zwölfgeschossige Betonbau als „Sozialpalast“ bekannt, was an dem sozialen Status der Bewohner liegt. Die Adresse gleicht einer Stigmatisierung, wer dort lebt, kommt so schnell nicht heraus. Es ist ein soziales Fiasko. Wenn man böse sein will, kann man von einem vertikalen Ghetto sprechen, in das sozialschwache Berliner abgedrängt werden. Das „Pallaseum“ ist in gewisser Weise die wohnblockgewordene Manifestation sozialer Ungleichheit.

  • Pallasstraße 3, Schöneberg

NKZ – Adalbertstraße

Neues Kreuzberger Zentrum am Kottbusser Tor in Kreuzberg.
Neues Kreuzberger Zentrum am Kottbusser Tor in Kreuzberg. Foto: Imago/Schöning

Ähnlich dem „Sozialpalast“, hat auch Kreuzberg seinen hässlichen über eine Straße, hier ist es die Adalbertstraße, führenden Gebäuderiegel, in dem die meisten Bewohner auf staatliche Hilfe angewiesen sind. Und wo sich soziale Misstände verfestigen und niemand so richtig weiß, wie man die Problematik lösen kann. Dass vor den Türen des Komplexes quasi seit immer die offene Drogenszene ihren Standort hat, macht die Sache für die Bewohner nicht besser. Da helfen die hippen Bars und Burger-Läden, die sich rund um oder direkt im NKZ angesiedelt haben, auch nicht.

Entstanden ist das Neue Kreuzberger Zentrum in den frühen 1970er-Jahren als Teil des Berliner Wiederaufbauprogramms. Damals wollte der Senat einen Autobahnzubringer bis zum Oranienplatz bauen und viele marode Altbauten abreißen. Das hat die Hausbesetzerbewegung verhindert und Kreuzberg gerettet. Das NKZ wurde jedoch gebaut und erinnert bis in die Gegenwart an die West-Berliner Bausünden.

  • Kottbusser Tor, Kreuzberg

Mercedes-Benz-Platz

Bausünden in Berlin: Mercedes Benz Arena am Mercedes Benz Platz in Friedrichshain
Mercedes Benz Arena am Mercedes-Platz in Friedrichshain. Foto: Imago/Uwe Koch/Eibner Pressefoto

Was man mit genug Geld so alles machen kann, zeigt sich am Mercedes-Platz in Friedrichshain. Unweit der Spree und mit Blick auf die East Side Gallery und Kreuzberg auf der anderen Flussseite ist so inmitten Berlins ein neues Stadtviertel hochgezogen worden. Mit Büros, Wohnhäusern, Konzerthallen, einem Kino, einem riesigem Shopping Center und Gastronomie.

Wer den Unort mal besucht hat, kommt nicht umhin, sich dort unwohl zu fühlen. Außer Pop- und Sportfans, die zu den Veranstaltungen in der Mercedes-Benz-Arena oder der Verti Music Hall pilgern, sind die einzigen Menschen, die man hier sieht, Tourist*innen. Der Platz und seine Umgebung sind ein gebautes UFO, das von einem hässlichen Planeten stammt und mit Berlin nichts zu tun hat. Mit Friedrichshain-Kreuzberg schon gar nicht.

  • Mercedes-Platz, Friedrichshain

Fraenkelufer 26

Bausünde: Fraenkelufer in Kreuzberg.
Fraenkelufer in Kreuzberg. Foto: Imago/Schöning

Hier werden vermutlich einige architekturinteressierte Auskenner laut aufschreien. Das ist doch ein wichtiges Gebäude, moderne Konstruktionsweise, mutige Ansätze, ja, die Postmoderne schlechthin!, werden sie rufen. Stimmt auch alles. Gebaut wurde das Wohnhaus am Kreuzberger Fraenkelufer 26, direkt an der Admiralbrücke, im Rahmen der Internationalen Bauausstellung 1987 (IBA 87) von dem Berliner Architektenpaar Inken und Hinrich Baller.

Der unförmige Bau aus Glas und Beton tut dennoch mit seinen geometrisch-zackigen Fassaden-Experimenten dem Auge weh. Denkmalschutz hin oder her. Allein die Tatsache, dass sich diese Bauweise nicht durchgesetzt hat (sonst würde die halbe Stadt so aussehen), lässt hoffen.

  • Fraenkelufer 26, Kreuzberg

Sony Center

Bausünden in Berlin: Sony-Center am Potsdamer Platz in Tiergarten.
Sony-Center am Potsdamer Platz in Tiergarten. Foto: Imago/Joko

Am Sony-Center lässt sich das ganze Drama des nach der Wende neu bebauten Potsdamer Platzes ablesen. Es ist ein Ort, der vorgibt, etwas zu sein, was er nicht ist. Eine leere Blase, die im Begriff ist, zu platzen. Die überdachte Stahl-Glas-Konstruktion simuliert eine Art Modernität, die an dem einst so belebten Platz mal den Puls vorgab. Letzlich ist das Gebäude aber nicht erst durch Corona zu einem Gespenst geworden.

Das Kino ist aus dem Sony-Center gezogen, das Filmhaus fristet ein beschauliches Dasein und die letzten Geschäfte, die sich in dem Komplex noch halten, schlagen sich irgendwie durch. Vielleicht in der Hoffnung, dass die Touristenströme sich doch irgendwie zu ihnen verirren. Im Prinzip gibt es aber keinen trifftigen Grund, sich im Sony-Center aufzuhalten.

  • Potsdamer Straße 4, Tiergarten

Neues Kranzler-Eck

Neues Kranzlereck am Kurfürstendamm in Charlottenburg.
Neues Kranzlereck am Kurfürstendamm in Charlottenburg. Foto: Imago/Schöning

Helmut Jahn, ein deutsch-amerikanischer Architekt, hatte nicht viel Glück mit Berlin. Er hat das Sony-Center verantwortet und am Kurfürstendamm auch das Neue Kranzler Eck errichtet. Das Quartier ist nicht mehr als ein langweiliges und etwas unpropotional wirkendes Geschäftshaus. Dabei hat der Ort Geschichte.

Früher befand sich in dem markanten Ensemble mit der aufgesetzten Rotunde und dem rot-weiß-gestreiften Dach das wohl berühmteste Kaffehaus West-Berlins, dessen Geschichte weit ins 19. Jahrhundert reichte. Das Café Kranzler hat den Betrieb aber bereits 1999 eingestellt. Jahns Neubau eröffnete ein Jahr darauf. Es gab zwar ein neues Café, dem aber jeder Charme fehlte und die Modegeschäfte wirkten deplaziert. So ließ sich die alte Bedeutung des Ku’damms nicht wieder herstellen.

  • Kurfürstendamm 22, Charlottenburg

Spree-Dreieck

Bausünden in Berlin: Spreedreieck am Bahnhof Friedrichstrasse in Mitte.
Spreedreieck am Bahnhof Friedrichstrasse in Mitte. Foto: Imago/Schöning

Das skandalumwitterte Bürohaus direkt am Bahnhof Friedrichstraße steht auf einem geschichtsträchtigem Grundstück. Zu Kaiserzeit befand sich dort eine medizinische Akademie, in der Weimarere Republik sollte darauf ein modernes Hochhaus entstehen, in der DDR baute man hier den so genannten „Tränenpalast“, eine Grenzübergangsstelle zwischen Ost- und West-Berlin.

Nach der Wende folgten dann die Skandale. Das Land Berlin verkaufte das prominente Grundstück, die Deutsche Bahn meldete Ansprüche an. Der Investor musste entschädigt werden. Als das Hochhaus errichtet wurde, stellte man erstaunt fest, dass es die umgebenden Gebäude im wahrsten Sinne des Wortes „in den Schatten“ stellt. Der Senat musste erneut entschädigen. Millionen Euro Steuergeld wurden verschwendet, und das für ein unsympathisches Bauwerk, das ein Kritiker als „Die späte Rache der DDR“ bezeichnete und mit den Vokabeln „Plumpheit“, „ignorante Gemeinheit“ und „grau und rostig“ belegte.

  • Friedrichstraße 140, Mitte

Linienstraße 40

Bausünden in Berlin,
Wohnhaus L40 von Architekt Roger Bundschuh, in der Linienstraße in Mitte. Foto: Imago/Schöning

In der Investorensprache heißt das Wohn- und Geschäftshaus an der Linienstraße/ Ecke Rosa-Luxemburg-Straße „Black-Maze-Building“. Ein schwarzes Labyrinth also. Tatsächlich mutet der von den in Berlin beheimateten Architekten Roger Bundschuh und Philipp Baumhauer sowie der Künstlerin Cosima von Bonin entworfene Bau wie eine martialisch wirkende Parkanlage für überdimensionierte SUV’s an.

So soll vermutlich die Zukunft aussehen. Postmodern und „wie ein zerklüfteter Monolith aus einem Block geschnitzt“ wollte man es wirken lassen. Und doch ist es nur ein protziger Bau mit wenig Sinn für die Umgebung und einer geradezu arroganten Attitüde.

  • Linienstraße 40, Mitte

Märkisches Viertel

Bausünden in Berlin: Märkische Viertels, im Hintergrund das ehemalige Studentenheim.
Märkisches Viertel in Reinickendorf, im Hintergrund steht das ehemalige Studentenheim. Foto: Imago/Jürgen Ritter

Manchmal gibt es in Berlin auch städtebauliche Sünden ohne Bauen. Natürlich ist nicht das gesamte Märkische Viertel eine Bausünde. Die Plattenbausiedlung im Norden Berlins ist gepflegt, grün und tatsächlich ganz angenehm als Wohnort. Eine Sünde ist da eher die Verkehrsanbindung. Bis heute ist MV nicht ans U-Bahn-Netz angeschlossen, obwohl es immer wieder Pläne gab, die U8 zu verlängern.

Das Märkische Zentrum, das Herzstück der Siedlung aus Geschäften; Restaurants und etwas Kultur, ist aber schon ziemlich hässlich ausgefallen. Funktionsbauten, Beton und unwirtliche Plätze dominieren die Situation. Ein ehemaliges Studentenwohnheim steht leer herum, da ist man froh, schnell wieder weg zu sein.

  • Wilhelmsruher Damm/ Senftenberger Ring, Reinickendorf

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